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11.03.2022 / Wochenrückblick / Lesezeit: ~ 4 min

Autor/-in: Katja Völkl

Diskussion um Abschaffung des Paragrafen 219a

Der Freitagstalk des ERF Aktuell-Teams.

 

 

Die EKD-Ratsvorsitzende Annette Kurschus äußert sich zum Ukraine-Krieg, Evangelische Kirche und Katholische Kirche sind unterschiedlicher Meinung bezüglicher der Abschaffung des Paragrafen 219a und die Benefizaktion „Hoffnungsschimmer22“ soll Zeichen der Solidarität und der Hilfsbereitschaft für die Ukraine sein. Das sind heute Themen des Freitagstalks der ERF Aktuell-Redaktion mit Andreas Odrich und Katja Völkl.


ERF: Falls Sie sich heute Morgen gefragt haben, warum an Dienstgebäuden des Bundes Trauerbeflaggung zu sehen ist, hast du die Erklärung dafür, Katja.

Katja Völkl: Das liegt daran, dass heute der 11. März erstmals in Deutschland ein Gedenktag ist. Und zwar für die Opfer terroristischer Gewalt. Es war bereits ein internationaler Gedenktag, jetzt also auch national. Das Datum erinnert an die verheerenden Anschläge in Zügen in Madrid im Jahr 2004.
 

ERF: Dieser Tag soll die Anliegen der Betroffenen terroristischer Anschläge in den Mittelpunkt rücken. Die Gedenkstunde findet im Berliner Kronprinzenpalais statt, wegen der Corona-Pandemie allerdings ohne Gäste. Dafür wird sie im Internet übertragen.

Katja Völkl: Stephan Harbarth, der Präsident des Bundesverfassungsgerichts, hält die Hauptansprache und Bundesinnenministerin Nancy Faeser wird dort ebenfalls sprechen.
 

„Wir können in dieser Situation keine weiße Weste behalten.“

ERF: Die Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Annette Kurschus, hat sich zum Ukraine-Krieg geäußert.

Katja Völkl: Sie meint, gegenüber der Ukraine sei mehr als Solidaritätsbekundungen, Mitgefühl und Gebete notwendig. Dem Evangelischen Pressedienst sagte sie gestern: „Solidarität wird sehr konkret und sehr konsequent gelebt werden müssen, und das wird auch uns selbst in unserem Alltag einiges abverlangen.“ Damit meinte sie erhebliche Preissteigerungen in etlichen Bereichen. Wichtig sei dabei jedoch, dass „die teure Solidarität nicht auf die Knochen und auf Kosten derer geht, die jetzt schon zu wenig haben“, so Kurschus wörtlich.
 

ERF: Und dann sprach sie noch das Dilemma in Bezug auf Waffenlieferungen an.

Katja Völkl: Ja, Kurschus äußerte Verständnis für Waffenlieferungen an die Ukraine, mahnte aber zugleich, dass dies nicht zum gewünschten Ende von Gewalt führe. Die Ukraine sei von einem verbrecherischen Angriffskrieg überzogen worden und die Bevölkerung wolle ihre Freiheit verteidigen. Und sie hält es für schwierig, die geforderten Waffenlieferungen abzulehnen, wenn die Menschen sich nicht allein aus eigenen Kräften verteidigen können. Allerdings könnten Waffenlieferungen zu Kettenreaktionen führen, in denen die Beteiligten die Kontrolle verlieren. Und dann sagte sie – ich zitiere: „Wie immer wir uns positionieren: Wir können in dieser Situation keine weiße Weste behalten.“
 

„Keine Frau macht es sich mit der Entscheidung zu Geburt oder Abtreibung leicht“

ERF: Und nun eine Nachricht zur Abschaffung des Paragrafen 219a, das Werbeverbot für Schwangerschaftsabbrüche. Die Kirchenpräsidentin der Evangelischen Kirche der Pfalz, Dorothee Wüst, hat die geplante Abschaffung begrüßt.

Katja Völkl: Sie begründete das damit, dass Frauen Information und Beratung brauchen. Arztpraxen könnten so künftig im Internet sachlich über die Methoden eines Schwangerschaftsabbruchs aufklären. Schwangere in Konfliktsituationen bräuchten möglichst umfassende und seriöse Informationen. Keine Frau mache es sich mit der Entscheidung zu Geburt oder Abtreibung leicht, so die Kirchenpräsidentin.

Gleichzeitig wies sie daraufhin, dass die Bedingungen, ein Kind auszutragen, für Frauen erleichtert werden müssen – auch unter schwierigen Umständen.
 

ERF: Die Katholische Kirche wiederum ist gegen die Streichung des Paragrafen 219a.

Katja Völkl: Die katholische Deutsche Bischofskonferenz hält ggf. eine Überarbeitung des Paragrafen 219a für den besseren Weg als eine Streichung aus dem Strafgesetzbuch. Der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Georg Bätzing, sagte dazu: „Wir haben weiterhin die Sorge, dass das Schutzniveau zulasten des grundgesetzlich gebotenen Lebensschutzes zu sehr abgesenkt wird.“

Frauen, die ungewollt schwanger seien, sollten sich eigenständig vor und nach dem Beratungsgespräch weiter informieren können über die für sie relevanten medizinischen Fragen. So heißt es im Pressebericht der Bischofskonferenz. Vor diesem Hintergrund habe der Gesetzgeber 2019 die Informationsmöglichkeiten für Frauen und Ärztinnen und Ärzte bereits erweitert. Falls das nicht reicht, müsse Qualität und Neutralität der Informationen zu Schwangerschaftsabbrüchen gewährleistet sein. Und sie dürften den Zielen des Beratungsmodells nicht widersprechen, das dem Lebensschutz dient.
 

Aktion „Hoffnungsschimmer22“: Gebet für vom Krieg Betroffene

ERF: Und zum Schluss haben wir noch eine hoffnungsvolle Nachricht. Ein breites Netzwerk an Gläubigen über alle Kirchengrenzen hinweg ruft zum gemeinsamen Gebet und zur konkreten Hilfe auf.

Katja Völkl: Auf Initiative von Campus für Christus findet heute, am 11. März die Aktion „Hoffnungsschimmer22“ statt. Das soll ein starkes Signal der Solidarität, der Hilfsbereitschaft und der finanziellen Unterstützung zu den betroffenen Menschen senden.
 

ERF: Im vergangenen Jahr gab es schon die Benefizaktion „Hoffnungsschimmer21“. Dabei wurde etwa eine halbe Million € an Spenden für die Opfer der Jahrhundertflut in Deutschland gesammelt.

Katja Völkl: Und heute um 20:15 Uhr wollen sich wieder Menschen in ganz Deutschland vereinen, gemeinsam an die vom Krieg Betroffenen denken und für sie beten. Zudem soll es eine Spendenaktion geben. Und es werden praktische Möglichkeiten zum Helfen vorgestellt. Das 90-minütige Programm wird auf BibelTV und auf www.hoffnungsschimmer22.de ausgestrahlt.
 

ERF: Herzliche Einladung dazu. Und das war’s für heute mit dem Wochenrückblick der ERF Aktuell-Redaktion. Es verabschieden sich Katja Völkl und Andreas Odrich und wir wünschen Ihnen ein ruhiges Wochenende.
 

 Katja Völkl

Katja Völkl

  |  Redakteurin und Moderatorin

Die gebürtige Münsteranerin ist für aktuelle Berichterstattung zuständig. Von Hause aus ist sie Lehrerin für Deutsch und Philosophie und Sprecherzieherin. Sie liebt Hunde, geht gerne ins Kino und gestaltet Landschaftsdioramen.

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