Nirgendwo sonst auf der Welt begegnen sich Archäologie und Glaube so unmittelbar wie in Israel. Seit dem 19. Jahrhundert werden hier Spuren biblischer Geschichte freigelegt. Jedes Jahr präsentieren Archäologen neue Funde aus biblischen Zeiten: Prachtbauten berühmter Könige, Inschriften mit den Namen biblischer Personen und Zeugnisse des jüdischen Gottesdienstes. Sie alle zeichnen das Bild einer lebendigen, historisch verwurzelten Zivilisation.
Die Entdeckungen decken sich in bemerkenswerter Weise mit den Berichten der Bibel und bezeugen, dass die Heilige Schrift ein zuverlässiges historisches Dokument ist. Zugleich belegt biblische Archäologie die tiefen Wurzeln des jüdischen Volkes im Land Israel und in Jerusalem.
Die ältesten Bibeltexte der Welt
Manche Entdeckungen sind schlichte Zufallsfunde, wie die Schriftrollen vom Toten Meer. Auf der Suche nach einer entlaufenen Ziege entdeckte sie ein Beduine 1947 in einer Höhle bei Qumran. Die bis zu 2 200 Jahre alten Manuskripte sind die ältesten erhaltenen Handschriften des Alten Testaments. Bis auf minimale Abweichungen stimmen die Texte dieser Schriftrollen mit den jüngeren Manuskripten überein, die heutigen Bibelübersetzungen zugrunde liegen.
Das ist ein erstaunliches Zeugnis dafür, dass jüdische Schreiber die Heilige Schrift unverändert von einer Generation zur nächsten weitergaben.
Noch ältere Bibeltexte wurden 1979 in einer Grabhöhle in Jerusalem entdeckt. Die Ketef-Hinnom-Rollen, zwei winzig kleine Silberrollen, enthalten unter anderem die Worte des priesterlichen Segens (4. Mose 6,24-26). Sie werden auf rund 600 v. Chr. datiert. Das war die Zeit kurz vor der Eroberung Jerusalems durch die Babylonier. Die Silberrollen sind heute, wie auch die fast vollständig erhaltene Jesaja-Rolle von Qumran, im Israel-Museum in Jerusalem ausgestellt.
Shilo: erstes geistliches Zentrum Israels
Die hohe Texttreue der biblischen Überlieferung stärkt ihre Glaubwürdigkeit als historisches Dokument. Archäologische Funde belegen darüber hinaus ihre inhaltliche Glaubwürdigkeit. Zu den eindrücklichsten Entdeckungen zählen jene in den beiden Städten, die einst die geistlichen Zentren Israels bildeten – Shilo und Jerusalem.
Nach der Eroberung Kanaans unter der Führung Josuas wurde Shilo zum Standort der Stiftshütte, dem Heiligtum, an dem die Israeliten Gott anbeten sollten. In der geografischen Mitte des verheißenen Landes gelegen, diente Shilo rund 300 Jahre lang als Zentrum des israelitischen Opferdienstes.
Als die Bundeslade – das Herzstück des Heiligtums – allerdings zur Zeit des Hohepriesters Eli in die Hände der Philister fiel, verlor der Ort an Bedeutung. Die heutige Ausgrabungsstätte Tel Shilo befindet sich in Samaria, dem nördlichen Teil des sogenannten Westjordanlands.
Archäologen finden Überreste der Stiftshütte
Der bedeutsamste Fund in Shilo ist eine 2017 freigelegte Steinplattform. Ihr Standort, ihre Maße und ihre Ost-West-Ausrichtung entsprechen den biblischen Beschreibungen der Stiftshütte. Eine Innenmauer teilt die steinerne Struktur in zwei Abschnitte – möglicherweise die Unterteilung in das Heilige und das Allerheiligste.
Während der Wüstenwanderung der Israeliten war die Stiftshütte als transportierbares Zelt entworfen worden. Später beschrieb der Prophet Samuel das Heiligtum in Shilo als einen „Tempel“, der über „Türen“ verfügte (vgl. 1. Samuel 3). Es liegt daher nahe, dass die Stiftshütte nach Ankunft im verheißenen Land durch eine dauerhaftere Struktur ersetzt wurde.
Steinerne Altarhörner, Keramik-Anhänger in Form kleiner Granatäpfel sowie zehntausende Tierknochen, die alle in der Umgebung der Steinplattform gefunden wurden, liefern weitere Hinweise auf die Stiftshütte. Granatäpfel sind ein priesterliches Symbol und zierten damals die Kleidung des Hohepriesters.
Bei den gefundenen Knochen handelt es sich fast ausschließlich um Tiere, die für das biblische Opfersystem zugelassen waren. Zudem stammen auffallend viele Knochenfunde von der rechten Tierhälfte. Das ist laut Bibel der Anteil, der den Leviten zustand, die den Opferdienst verrichteten.
Das biblische Jerusalem
Nach dem Niedergang Shilos machte König David um rund 1 000 v. Chr. Jerusalem zum neuen geistlichen, politischen und wirtschaftlichen Zentrum Israels. Heute findet man die Überreste der antiken Hauptstadt außerhalb der Altstadtmauern, an einem unscheinbaren Hang südlich des Tempelbergs.
Die Entdeckungen in der als „Davidstadt“ bekannten Ausgrabungsstätte begannen 1876. Tief unter einem damals landwirtschaftlich genutzten Berghang entdeckte der britische Offizier und Archäologe Charles Warren antike Festungsmauern, unterirdische Schächte und eine in den Grundfels gehauene Wasserleitung. Anhand von Berichten aus der Bibel kam Warren zu dem Schluss, dass er das biblische Jerusalem gefunden hatte.
Denn durch einen solchen unterirdischen Schacht gelang es damals Davids Neffen Joab, in Jerusalem, die „Stadt der Jebusiter“, einzudringen und ihre Eroberung zu ermöglichen.
Als knapp drei Jahrhunderte später die assyrische Armee ins Königreich Juda einfiel und sich eine Belagerung Jerusalems abzeichnete, ließ König Hiskia das Trinkwasser aus der wichtigsten Wasserquelle der Stadt, der Gihon-Quelle, in die Stadt hineinleiten. Die Bibel berichtet von diesem Bauprojekt und kommentiert: „Und Hiskia hatte Gelingen in all seinem Tun“ (2. Chronik 32,30).
Die von Hiskia initiierte Wasserleitung ist tatsächlich ein erstaunliches Meisterwerk der Ingenieurskunst: sie wurde aus zwei entgegengesetzten Richtungen ins Gestein geschlagen, von Hand und ohne Kompass. Dabei gelang es den Arbeitern, ein stetiges Gefälle von exakt 0,06 Prozent zu erzielen. Das ist genau der Neigungswinkel, der einen sanften Wasserfluss gewährleistet und Erosion im Tunnel verhindert.
Davids Königspalast gefunden
Rund 50 Meter über den Schächten und Tunneln legten Archäologen im Jahr 2005 die Überreste eines Baus frei, dessen starke Mauern auf ein Gebäude von besonderer Bedeutung schließen lassen. Am selben Ort gefundene Töpferwaren, die auf circa 1 000 v. Chr. datiert wurden, legen nahe, dass es sich um Davids Königspalast handeln könnte.
Das aufschlussreichste Indiz ist ein Kapitell, der kunstvoll verzierte „Kopf“ einer Säule: Er wurde im phönizischen Stil gefertigt. Laut dem biblischen Bericht waren es Handwerker des phönizischen Königs Hiram von Tyrus, die Davids Palast bauten (vgl. 2. Samuel 5,11).
Weitere Zeugnisse von Davids Dynastie in diesem Palast sind Tonsiegelabdrücke mit den Namen königlicher Hofbeamte, die in der Bibel genannt werden. Und im Ophel, dem zwischen Tempelberg und Davidstadt gelegenen Bereich, fand man Siegelabdrücke mit Inschriften wie „Hiskia, Sohn des Ahas, König von Juda“ und „Prophet Jesaja“.
Der antike Pilgerweg in Jerusalem
Die größte archäologische Sensation der letzten Jahre verdankt sich – wie auch die Schriftrollen von Qumran – einem Zufall. 2004 brach nahe der Davidstadt eine Abwasserleitung. Bei den anschließenden Reparaturarbeiten stießen Arbeiter auf antike Stufen, die sich als Teil des biblischen Teichs Siloah erwiesen. Der Siloah-Teich wird über Hiskias Wasserleitung aus der Gihon-Quelle gespeist. Christen kennen ihn als den Ort, an dem Jesus einen Blindgeborenen heilte. Außerdem wurde Salomo hier zum König gesalbt.
Während der Freilegung des Teichs entdeckte man schließlich einen antiken Pilgerweg aus der Zeit Jesu. Über diesen 600 Meter langen Stufenweg gelangten jüdische Pilger zum Tempel, die dreimal im Jahr zum Passahfest, Shawuot (auch als Wochenfest oder Pfingstfest bekannt) und dem Laubhüttenfest (Sukkot) nach Jerusalem kamen. Unter ihnen befanden sich, wie die Evangelien berichten, auch Jesus und seine Jünger.
Bevor sie die etwa 100 Höhenmeter erklommen, wuschen sich die Pilger entsprechend der biblischen Reinigungsgebote im Teich Siloah.
Teich und Pilgerweg waren wichtige Bestandteile des jüdischen Tempelgottesdiensts. Ihre Entdeckung ist insofern bedeutsam, als sie auf die einstige Existenz des jüdischen Tempels hinweisen.
Mögliche verschüttete Überreste des Heiligtums selbst sind für Archäologen unzugänglich, denn Ausgrabungen jeder Art auf beziehungsweise unter dem Tempelberg sind aus politischen Gründen nicht möglich, da auf diesem heute die muslimische Al-Aksa-Moschee sowie der Felsendom stehen.
Archäologie belegt Wahrheit der Bibel
Auch außerhalb Israels haben Archäologen von Ägypten bis Persien bemerkenswerte Funde entdeckt. Keilschrifttafeln, Obelisken und Wandreliefs sind heute in namhaften Museen weltweit ausgestellt. Sie belegen die biblischen Berichte und enthalten mitunter Details, die sonst nur in der Bibel zu finden sind.
Die Vielzahl dieser Funde und die Präzision ihrer Übereinstimmung mit den biblischen Berichten bekräftigen, dass das Buch der Bücher keine Mythologie, keine Sammlung moralisch wertvoller Legenden, sondern ein historisch zuverlässiges Dokument ist.
Die Archäologie tritt hier als neutraler Zeuge für die Glaubwürdigkeit der Bibel auf und verleiht den Worten Jesu eine neue, ungeahnte Aktualität: „Wenn diese schweigen, so werden die Steine schreien“ (Lukas 19,40).
Doch die Steine bekräftigen nicht nur die historische Genauigkeit der Bibel. Auf demselben biblischen Fundament, auf dem der christliche Glaube gründet, gründet auch die enge Verbindung des jüdischen Volkes zu Jerusalem und zum Land Israel. Biblische Geschichte ist jüdische Geschichte.
Obwohl das jüdische Volk über lange Zeit im Exil lebte, war und ist es seit Jahrtausenden in Israel beheimatet und verwurzelt. Heute wird diese Verbindung zunehmend in Frage gestellt oder gar geleugnet. Doch biblische Orte wie Shilo und Jerusalem erzählen die Geschichte von jüdischen Menschen wie David und Hiskia, von ihrem Volk und seinem Glauben an Gott. An diesen Orten sind die Steine eindeutige Zeugen: Das jüdische Erbe im Land Israel und in Jerusalem ist unbestreitbar.
Dieser Artikel wurde bereitgestellt von TBN Israel. TBN Israel ist Teil der Sar-El Group, eine familiengeführte Unternehmensgruppe mit Sitz in Jerusalem, die Christen weltweit mit Israel verbindet – durch Medien, Reisen, Begegnungen und mehr. Weitere Informationen finden Sie auf: www.sareltours.com/de
Deine Meinung zählt!
Was hat dich inspiriert, berührt oder zum Nachdenken gebracht?