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26.11.2021 / Wochenrückblick / Lesezeit: ~ 4 min

Autor: Regina König

Abtreibung raus aus dem Strafgesetzbuch?

Der Freitagstalk des ERF Aktuell-Teams.

 

 

Der neue Koalitionsvertrag von SPD, Grünen und FDP will den   Schwangerschaftsabbruch aus dem Strafgesetzbuch streichen. Deutschland zählt mehr als 100 000 Corona-Tote. Die Debatte um eine mögliche Impfpflicht ist im vollen Gange, auch die Meinungen von ERF-Nutzer/innen prallen aufeinander. Trost in rauen Zeiten spendet in Berlin das Licht des europaweit größten Chanukka-Leuchters. Der Wochenrückblick mit dem Team ERF Aktuell - Andreas Odrich ist im Gespräch mit Regina König.


ERF: Regina, seit Mittwoch liegt der Koalitionsvertrag der künftigen Ampelregierung auf dem Tisch und dazu gibt es erste Reaktionen aus Kirche und christlichen Sozialverbänden.

Regina König: Ja, so hat sich z.B. der hannoversche Landesbischof Ralf Meister zu Wort gemeldet. Er sieht im Koalitionsvertrag ein Beispiel für die schwindende Bedeutung der Kirche.
 

ERF: Wie kommt er zu dieser Einschätzung?

Regina König: Der Bischof hat die Zeilen gezählt, die im Koalitionsvertrag der Kirche gewidmet sind. Das sind in Summe acht Zeilen. Insgesamt umfasst der Vertrag 178 Seiten. In einem Passus geht es dabei um das kirchliche Arbeitsrecht; die künftige Regierung will prüfen, „gemeinsam mit den Kirchen“, so der Koalitionsvertrag im Wortlaut, „inwiefern das kirchliche Arbeitsrecht dem staatlichen Arbeitsrecht angeglichen werden kann. Verkündungsnahe Tätigkeiten bleiben ausgenommen.“
 

Koalitionsvertrag: Schwangerschaftsabbruch raus aus Strafgesetzbuch

ERF: Reaktionen zum Koalitionsvertrag kommen auch vom Deutschen Caritasverband.

Regina König: Die Caritas honoriert die „anspruchsvollen Vorhaben im sozialen Bereich“. Der Vertrag mache sichtbar, wo die drängendsten Probleme seien, sagt die Präsidentin der Caritas, Eva Maria Welskop-Deffaa. Sie sieht in dem vorliegenden Vertrag z.B. eine Stärkung der häuslichen Pflege, sie begrüßt die Abschaffung der Sondersanktionen für Jugendliche in der Grundsicherung und den geplanten Heizkostenzuschuss für einkommensschwache Familien.


ERF: Übt die Caritas-Präsidentin auch Kritik?

Regina König: Ja, sie kritisiert u.a. die fehlende Sichtbarkeit von ethischen Leitlinien am Beginn und am Ende des Lebens.  Eva Maria Welskop-Deffaa wörtlich: „Wir hoffen, dass an Lebensanfang und Lebensende der Schutz des menschlichen Lebens und der Menschenwürde auch in der neuen Legislaturperiode höchste Priorität hat,“ so die Caritas-Präsidentin.


ERF: Gucken wir uns das etwas konkreter an und blicken z.B. auf das Vorhaben der Koalition beim Thema „Abtreibung“. Hier wollen SPD, Grüne und FDP eine umfassende Änderung des Abtreibungsrechts angehen.

Regina König: So soll z.B. Werbung für Abtreibung erlaubt werden. Bis jetzt verbietet das § 219a, den wollen die Koalitionäre ersatzlos streichen. Außerdem soll eine Kommission eingesetzt werden, die eine Regelung des Schwangerschaftsabbruchs erarbeitet außerhalb des Strafgesetzbuches. Denn nach dem Willen der drei Parteien soll Abtreibung keine Straftat mehr sein. 
 

Impfpflicht – Meinungen der ERF-Nutzer/innen prallen aufeinander

ERF: Das wird sicher für Debatten sorgen in unserer Gesellschaft oder zumindest in unseren Kirchen. Kommen wir zu einem anderen Thema, das zurzeit bewegt und aufregt: Corona und eine mögliche Impfpflicht. Für eine allgemeine Impfpflicht haben sich parteiübergreifend verschiedene Ministerpräsidenten ausgesprochen so wie leitende Geistliche aus beiden großen Kirchen. Und du, Regina, hast einen Kommentar zu diesem Thema geschrieben, wie sind die Reaktionen?

Regina König: Sehr unterschiedlich. Ich habe mich in diesem Kommentar gegen die Einführung einer Impfpflicht ausgesprochen, habe allerdings vehement für die freiwillige Impfung geworben. Das gefällt nicht allen Usern, so schreibt z.B. Bärbel: „Wenn Sie so argumentieren, tragen Sie nicht zum Frieden in der Gesellschaft bei, sondern befeuern die Spaltung. Schade.“

Renate schreibt: „Nein, als Christ werde ich nicht für die Impfung werben. Ich vertraue auf das Immunsystem, das den Menschen vom Schöpfer gegeben ist.“ Aber es gibt auch zustimmende Kommentare wie von Roland: „Herzlichsten Dank, ich werde diesen Beitrag so oft wie möglich weiterleiten.“ Oder Georg J.: „Besser kann man die derzeitige Situation nicht formulieren.“ An den Reaktionen kann man deutlich ablesen, wie unterschiedlich auch unter Christen die Meinungsbildung aussieht zum Thema Impfen und Impfpflicht.
 

Vierbeiner erschnüffeln Corona-Virus

ERF: Derweil zählt unser Land mehr als 100.000 Corona-Tote. Und in Dresden wurde in dieser Woche ein Impf-Team angegriffen. Ein Unbekannter hat einen Feuerwerkskörper gegen das Team geschleudert, der Sprengsatz detonierte im Gebäude. In Sachsen liegt die Inzidenz mittlerweile über 1000 und die Impfquote ist die niedrigste bundesweit. Corona hat unser Land im Griff, Schnelltests sollen Sicherheit geben, doch auch die werden knapp. Allerdings, die Tierärztliche Hochschule Hannover hat zusammen mit der Bundeswehr noch eine ganz andere Corona-Teststrategie entwickelt…

Regina König: Und zwar mit Hunden!  Der Studie zufolge können Spürhunde das Corona-Virus von anderen viralen Atemwegsinfektionen unterscheiden, und zwar so: sie erkennen beim Schnüffeln nicht die Viren selbst, sondern organische Verbindungen, die beim Stoffwechsel nach einer Infektion entstehen, das meldete der epd. Leider habe ich in meiner Heimatstadt so ein vierbeiniges Testteam noch nicht entdeckt….


ERF: Der Corona-Schnüffeltest – vielleicht ja bald im Einsatz an Bushaltestellen, Pflegeheimen oder vor Bürogebäuden. Denn schließlich ist die 3G-Regel jetzt bundesweit verpflichtend in öffentlichen Verkehrsmitteln und am Arbeitsplatz, und in Sachsen gilt 3 G ab diesem Sonntag auch im Gottesdienst. Der 1. Advent unter Corona-Bedingungen – das ist bedrückend. Und während wir als Christen in den Advent gehen, feiern Juden das Chanukka-Fest. Am Brandenburger Tor wird dazu heute der größte Chanukka-Leuchter Europas aufgestellt. 

Regina König: Und dieser Leuchter ist zehn Meter hoch. Die erste Kerze wird am Sonntag mit Einbruch der Dunkelheit entzündet. An der Zeremonie wird u.a. Bundestags-präsidentin Bärbel Bas teilnehmen und Schauspielerin Iris Berben hält die Festrede. Chanukka - das jüdische Lichterfest, acht Tage lang wird es gefeiert. Es erinnert u.a. an die zweite Einweihung des Tempels in Jerusalem. Mit diesem Lichterfest wollen sich Juden an Gottes Gegenwart erinnern.


ERF: Gottes Gegenwart leuchtet hinein in unsere Zeit – mit Chanukka-Leuchtern oder mit Adventskerzen. Nehmen wir diese Zuversicht mit hinein in das Adventswochenende. Das war der Wochenrückblick vom Team ERF Aktuell, am Mikrofon verabschieden sich Regina König und Andreas Odrich.
 

 Regina König

Regina König

  |  Reporterin
Für ERF Plus in Mitteldeutschland unterwegs. Sie ist verheiratet und hat vier Kinder.

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