/ Wort zum Tag
Radikal beten
Dorothee Döbler über Hesekiel 11,19-20.
Ich will das steinerne Herz wegnehmen aus ihrem Leibe und ihnen ein fleischernes Herz geben, damit sie in meinen Geboten wandeln und meine Ordnungen halten und danach tun.
“Ich höre schon keine Nachrichten mehr", sagte mir vor ein paar Tagen eine Freundin. “Ich kann die vielen schrecklichen Nachrichten einfach nicht mehr hören." Oh ja, ich kann sie verstehen. Die Meldungen über Anschläge, Amokläufe, Kriegsgeschehen - ich fühle mich dem hilflos ausgeliefert. Kopf in den Sand oder Schutzpanzer anlegen, an dem alles abprallt - das wären meine liebsten Lösungswege, damit umzugehen.
Vor ein paar Tagen war ich auf einem “Abend der Versöhnung”. Ein messianischer Jude, also ein Jude, der den Glauben an Jesus Christus angenommen hat, und sein Freund, ein arabischer Christ, der in Gaza aufgewachsen ist, haben über ihren Weg erzählt. Sie sagten: Als wir Christ wurden, kamen wir beim Lesen des Neuen Testaments an die Stelle, an der Jesus sagt: ‘Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit all deinen Gedanken. Das ist das wichtigste und erste Gebot. Ebenso wichtig ist das zweite: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst (Matthäus 22:37-39).’ An anderer Stelle drückt Jesus es noch radikaler aus: ‘Liebet eure Feinde und bittet für die, die euch verfolgen (Matthäus 5,44–45).’ Wie soll das gehen, wenn wir jeden Tag Raketen über uns fliegen sehen? In Israel, wo durch den Abwehrschirm glücklicherweise kaum eine Rakete ein Ziel trifft. In Gaza, wo jede Rakete ein Ziel trifft. Wie wollen wir da Liebe füreinander empfinden? Aber Gott hat uns nicht herausgelassen aus diesem Gebot, sagen die beiden. Es steht unverrückbar dort und fordert uns heraus. Was können wir tun? Der erste Schritt ist zu beten. Denn das Gebet verändert Herzen. Wenn ich das Gebot der Feindesliebe ernst nehme, bin ich herausgefordert, radikal zu beten: für die israelischen Soldaten und für die Hamas-Kämpfer, für die Kriegsflüchtenden in Israel, in Gaza und in Syrien. Für die Angehörigen von Opfern auf beiden Seiten, für Gefangene in Gaza und in Israel. Für die Kinder, die mit Hass auf die jeweils anderen groß werden und diesen Hass dann als Erwachsene in Taten umsetzen. Wer die Not eines anderen mitfühlt, kann ihn nicht hassen. Wer Kontakt zum anderen sucht, vielleicht sogar eine Freundschaft beginnt, kann ihn nicht hassen. Wer für einen Menschen betet, kann ihn nicht hassen.
Aber was ist mit der Verheißung Gottes, als er zu Abraham sagt: “Deinen Nachkommen will ich dies Land geben (1. Mose 12,7)”? Die Verheißung bleibt. Aber wann sie sich endgültig erfüllt, steht in Gottes Willen, vielleicht auch erst in der Ewigkeit. Im Hier und Heute stehen wir in der Herausforderung der Nächsten- und auch der Feindesliebe. Denn Hass verhärtet unsere Herzen, macht sie hart wie ein Stein. Der Prophet Hesekiel erklärt, wie Gott es anders haben will: Und ich will ihnen ein anderes Herz geben und einen neuen Geist in sie geben und will das steinerne Herz wegnehmen aus ihrem Leibe und ihnen ein fleischernes Herz geben, damit sie in meinen Geboten wandeln und meine Ordnungen halten und danach tun. Wir können diesen Tag in der Ewigkeit sehen. Wir können aber auch heute schon daran arbeiten - mit dem Gebet.
Ihr Kommentar
Kommentare (4)
Werter Pfarrer i. R. Tews,
in der Coronazeit wurde mancher Fehler gemacht. Aber es waren dann doch nicht ganz so viele, wie Sie immer mal wieder darstellen. In Oberbayern waren jedenfalls etliche (evangelische) Kirchen ständig offen. Über die Heizkosten hat dann auch niemand gestöhnt.
Bei diesem "Wort zum Tag" nehme ich eine unangemessene Gleichmacherei wahr. Hier werden Akteure nebeneinander gestellt, bei denen ein genaueres Hinsehen sehr schnell große Unterschiede … mehroffenbart.
"...für die israelischen Soldaten und für die Hamas-Kämpfer ..."
Die israelischen Soldaten versuchen nach Kräften, zivile Opfer zu vermeiden (was natürlich nicht gelingen kann, weil die Hamas Zivilisten als Schutzschilde missbraucht).
Die Hamas-Kämpfer dagegen haben am 7. Oktober 2023 Zivilisten abgeschlachtet. Menschen, die nichts anderes gemacht haben als bei einem Musik-Festival zu feiern oder in ihren Häusern beim Frühstück zu sitzen etc.
"... für Gefangene in Gaza und in Israel"
Ja, es gibt Gefangene auf beiden Seiten. Aber die Palästinenser, die in israelischen Gefängnissen sitzen, haben etwas getan, das ihre Gefangennahme provoziert hat (und sei es "nur", dass sie Steine geworfen haben). Die Geiseln, die in den Händen der Hamas sind, haben absolut NICHTS getan, was ihre Gefangennahme rechtfertigen würde.
"... Für die Kinder, die mit Hass auf die jeweils anderen groß werden ..."
Ja, es gibt Hass auf beiden Seiten. Aber haben Sie in den Medien schon mal israelische Massen gesehen, die über den Tod eines Palästinensers gejubelt hätten? Ich nicht.
Palästinensische Massen, die über den Tod oder die Gefangennahme von Israelis gejubelt haben, die habe ich schon mehr als einmal gesehen.
Also, die Dinge bitte ein bisschen differenzierter betrachten!
Liebe Frau Döbler. Ein heikles Thema ! Würden die Bomben und Raketen in Gaza nicht treffen, würde das Töten und Morden noch von dort aus weiter gehen.
Jesus wusste gut zwischen Böse und Gut zu … mehrunterscheiden. Als ganz gut gemeinten Rat bitte ich Sie mal Luthers " Lehre von den 2 Reichen zu lesen und studieren. Ist auch bekannt unter dem Stichwort:"Lehre von den 2 Schwertern."
Hoch interessant und ganz wichtig um in der heutigen Zeit sich nicht aus der Verantwortung zu nehmen. Der Hinweis zum Gebet ist absolut wichtig.!!
Manchmal gilt es aber mehr zu tun, und dem Bösen mit Gewalt ein Ende zu setzen. Siehe Versuch von D. Bonhoeffer. ( Paul Schneider im KZ und seinen Rufen aus der Zelle zu den Gefangenen. Das ist mehr als Gebet. Das ist Beides.
Ein Ruderboot dreht sich im Kreise von nur mit einem Ruder ( Gebet) gearbeitet wird. Ebenso wenn "nur" mit dem anderen Ruder (aktiv und laut werden !) gearbeitet wird. Als ehemaliger DDR Pfr. haben meine Frau und ich Beide
Ruder bewegt. Leider ist als letztes Mittel Gewalt und Kampf auch Gottes Wunderwaffe. Siehe das ganze AT -aber auch im Neuen Testament.
Wir sind durch Jesus mit Ihnen total verbunden . Durch den Hl. Geist müssen wir immer " unterscheiden" lernen. Auch jetzt in der gegenwärtigen Zeit, so z.B. unsere Kirche in den 3 letzten Jahren in der Corona " Plandemie" total versagt hat und die Kirchen verschlossen hat. ( Außer in einer Ev.Gemeinde hier im Umkreis, wo Sonntags i m m e r Gottesdienst war ! Shalom.
Vielen Dank, lasst uns danach handeln!