/ Wort zum Tag
Blick aus einer größeren Perspektive
Die Bibelstelle Hebräer 12,28 – ausgelegt von Luitgardis Parasie.
Darum, weil wir ein Reich empfangen, das nicht erschüttert wird, lasst uns dankbar sein und so Gott dienen mit Scheu und Furcht, wie es ihm gefällt.
Ein bitterkalter Tag am Frühlingsanfang. Schneeregen. Ich bin auf der Heimreise mit der Deutschen Bahn. In Kassel-Wilhelmshöhe muss ich umsteigen. Alle Züge Richtung Norden sind 90 Minuten verspätet. Das nimmt noch zu im Laufe der Zeit. Ich setze mich in ein Café. Um mich herum lauter Gestrandete wie ich.
Manche regen sich furchtbar auf. „Was für eine Katastrophe! Hier funktioniert ja mal wieder gar nichts!“ So reden sie. Irgendwann ist es mir zu viel. Ich sage: „Wissen Sie, wir sitzen hier im Warmen. Wir haben zu trinken und zu essen. Wir sind in Sicherheit. Es könnte uns echt schlimmer treffen.“ Auf einmal ändert sich die Stimmung. Alle stimmen mir zu. Bilder von den Kriegen sind auf einmal in den Köpfen präsent. Aus dem Iran, aus Israel. Aus der Ukraine, wo ein großer Teil der Infrastruktur zerstört wurde, Heizungen, Wasserleitungen. Wo die Menschen Angst haben, wo sie frieren und um ihre Zukunft bangen. „Sie haben recht, wir jammern auf hohem Niveau“, meinte einer, „wir sollten dankbar sein.“
Dabei gebe ich zu: Ich jammere selber auch manchmal. Nicht immer gelingt mir der Blickwechsel aus einer größeren Perspektive, von außen.
Und genau dazu ermutigt uns der Schreiber des Hebräerbriefs. Er schreibt im Hebräerbrief, Kapitel 12,28:
Darum, weil wir ein Reich empfangen, das nicht erschüttert wird, lasst uns dankbar sein und so Gott dienen mit Scheu und Furcht, wie es ihm gefällt.
Ein Reich, das nicht erschüttert wird. Wir erleben gerade viele weltpolitische Erschütterungen. Ich hätte vor 10 Jahren nicht gedacht, dass wir derart von Kriegen umgeben sein würden. Frieden schien doch in greifbare Nähe gerückt. Aber es war eine unrealistische Wolke, auf der ich schwebte. Ein friedliches Reich, das nicht erschüttert wird, das wird es wohl erst am Ende der Zeiten geben. In unserer Welt ist das Böse leider überaus aktiv.
Der Schreiber des Hebräerbriefs gibt der Situation einen neuen Rahmen: Er sagt: Denkt dran, ihr gehört zum Reich Gottes, das nicht erschüttert wird. Euer Schicksal wird nicht durch den Krieg besiegelt, und auch nicht durch persönliche Schicksalsschläge, durch Krebs oder Unfall. Euer Schicksal wird durch Gott besiegelt, es liegt in seiner Hand. Ihr seht jetzt nur einen kleinen Ausschnitt, den größeren Rahmen gibt Gott vor: Sein Reich, das ewig ist. Erinnert euch daran, und seid dankbar.
Ich komme noch mal auf die Deutsche Bahn zurück. Wir hatten Besuch von 7 Lehrern aus Tansania. Aus Hamburg sollten sie mit dem Zug nach Göttingen fahren und dort von ihren Gastfamilien abgeholt werden. Doch dann schrieb mir die Leiterin der Gruppe eine WhatsApp aus Hannover: Unser Zug fährt nicht weiter, er ist kaputt. Den nächsten Zug verpassten sie, weil kurz vor der Abfahrt das Gleis gewechselt wurde. Und als sie anderthalb Stunden später in einem Zug nach Göttingen saßen, blieb der nach 10 Minuten stehen und fuhr nicht mehr weiter, „behördliche Maßnahme“, hieß es. Sie kamen schließlich 4 Stunden verspätet in Göttingen an. Wir, die wir auf sie gewartet hatten, waren genervt. Aber unsere Gäste waren fröhlich und super gut drauf. Auf einen Zug oder Bus warten, ist für sie kein Ding, das ist Alltag in Tansania. Das Einzige, was sie wirklich wunderte, war die empörte Reaktion der deutschen Fahrgaste, als die Verspätungen angesagt wurden.
Tansanische Christen beten viel. Sie danken vor dem Essen und bedanken sich, wenn sie nach einer Reise gut angekommen sind. Ich finde, von dieser Haltung können wir uns gut was abgucken. Eins macht sie auf jeden Fall: Gute Laune.
Ihr Kommentar
Kommentare (5)
Bei diesem Text stellen sich mir zwei grundsätzliche Fragen:
1. Wie weit ist unser Land schon wirtschaftlich gesunken, dass man sich bereits mit Tansania vergleichen muss? 2. Ist es wirklich unsere … mehrAufgabe als Gläubige, die sich ständig verschlechternden Zustände in unserem Land (die zunehmend chaotische Verkehrslage, das aktuell kollabierende Gesundheitssystem und die sich stets verschlechternde Bildungssituation usw... ) situativ schönzureden?
Ich sage ja auch nicht zu einem schwer Lungenkranken im Krankenhaus: "Sei froh, dass du kein Krebs oder Aids hast!" Natürlich sollen wir dankbar sein für alles, was noch funktioniert. Aber viel ehrlicher wäre doch, zu den Leuten zu sagen: Schaut her, wohin uns die wachsende Gottlosigkeit gebracht hat! Wer einen Amtseid ohne Gott leistet, wer bei unseren christlichen Wurzeln, bei der Unverletzlichkeit der Ehe, beim ungeborenen Leben usw... die Axt ansetzt... Sollte der sich nicht wundern, wenn der Segen vom Lande weicht....und damit die Fehlentscheidungen überhand nehmen? Das würde die Leute vielleicht mal richtig zum Nachdenken bewegen: O Land, Land, höre des Herrn Wort!
Danke für dieses Wort zum Tag! Ja, auch ich habe neu und besser gelernt mehr Gott zu danken als zu jammern, weil das jammern mich immer mehr unzufriedener macht. Durch das Danken geht es mir besser und ich lebe besser und glücklicher durch Gottes Gnade.
Ich finde es sehr gut, dass die Autorin mit Bus und Bahn unterwegs ist, denn da ergeben sich immer unzählige missionarische Möglichkeiten, besonders in der 2. Klasse. Für alte und gesundheitlich … mehrbeeinträchtigte Personen ist es trotzdem sehr schlimm, so eine Bahn-Odyssee mitmachen zu müssen. Das sollte man bei allem Gute-Laune-Gefühl nicht vergessen. Für die körperlich Gesunden gilt dagegen: "Kaufet die Zeit aus, denn es ist böse Zeit!" Wer täglich Insolvenzen auf Rekordniveau auf seinem Schreibtisch zu bearbeiten hat, ahnt, dass wir uns in naher Zukunft noch an ganz andere Umstände gewöhnen müssen. Von den Christen aus Tansania können wir daher jetzt schon lernen, damit umzugehen. Sie danken Gott, dass überhaupt ein Bus kommt. Ich selbst kenne hier auch schon Menschen, die dafür beten, dass ihre Buslinie zur Arbeit erhalten bleibt.
Ich stimme Ihnen grundsätzlich zu. Allerdings ist es eben ein Unterschied, ob es in einem Land noch nie besser lief (Tansania), oder ob durch Brandmauern, Ausgrenzung von 25 Prozent der Bevölkerung … mehr(gerade durch die Kirchen), mutwilliger Zerstörung der Infrastruktur (Atomkraftwerke) durch ideologische Scheuklappen (angeblich Rettung des Klimas durch Deutschland), illegaler Massenmigration und Unterstützung von Kriegen (Ukraine) die Gesellschaft gespalten und die Wirtschaft und somit die Infrastruktur zugrunde gerichtet wird.
Sie dürfen gerne vier Stunden in einem Café zubringen und auf einen möglichen Zug-Anschluss warten. Ich will es nicht, obwohl ich Christ bin und mich auf das Neue Jerusalem freue.
Glauben Sie, dass es Gottes Wille ist, dass die Deutsche Bahn heruntergewirtschaftet wird und zum Gespött der Welt wird?