/ Wort zum Tag
Haltet mich nicht auf!
Die Bibelstelle 1. Mose 24,56 – ausgelegt von Albrecht Kaul.
Haltet mich nicht auf, denn der HERR hat Gnade zu meiner Reise gegeben.
Es ist eine der zärtlichsten Geschichten des Alten Testamentes. Isaak, der verheißene Sohn des Stammvaters Abraham, kommt ins heiratsfähige Alter. Der Vater möchte, dass er eine Braut aus seinem Heimatland Mesopotamien bekommt. In dieser Zeit ist die Brautschau eine Sache der ganzen Familie. So schickt Abraham seinen treuen Vertrauten Elieser auf die Spur in das ca. 700 km entfernte Nahor, Isaak dort eine Frau auszusuchen. Eine beschwerliche Reise von mehreren Wochen mit offenem Ausgang.
Wie er das Mädchen Rebecca trifft und wie behutsam er seine Aufgabe angeht, das müssen Sie mal im 1. Mosebuch Kapitel 24 lesen. Schließlich ist alles klar. Rebecca ist einverstanden und auch ihre Familie stimmt zu. Das soll jetzt noch ein paar Tage gefeiert werden und man will sich auch ausgiebig von Rebecca verabschieden. Da sagt der Brautwerber Elieser: „Haltet mich nicht auf, denn der Herr hat Gnade zu meiner Reise gegeben“. Diesen Satz möchte ich Ihnen heute zusprechen. Sicher sind Sie nicht dabei, ein junges Paar zu verkuppeln, diese Zeiten sind ja gottseidank vorbei. Aber wie ist es mit der Umsetzung von Erkenntnissen, mit dem Anpacken von Aufgaben, die Ihnen schon länger klar sind?
Sven, so nenne ich den jungen Mann, hatte während einer Freizeit den Eindruck, dass Jesus ihn ruft, in den hauptamtlichen Dienst zu gehen. Doch die Zweifel sind groß und er ist sehr unsicher. Seine Eltern sind total dagegen und Freunde raten ihm, nicht auf die unsichere Kirche zu setzen. Zwei Jahre kämpft Sven mit der Entscheidung und dann schreibt er an eine kirchliche Hochschule und hofft auf eine Absage, weil diese Ausbildungsstätte sehr begehrt ist und immer viel mehr Bewerber als Plätze hat. Das Wunder geschieht und Sven bekommt eine Zusage. Jetzt ist für ihn klar: Das ist Gottes Weg mit mir. Jetzt gibt es für ihn kein Zögern und kein Halten mehr. Er kündigt zum nächstmöglichen Termin im Betrieb, schreibt eine Mail an alle seine Freunde und fährt zu den Eltern, um ihnen den Entschluss mitzuteilen. Nichts kann ihn mehr aufhalten, zielstrebig geht er diesen Weg, weil er weiß, es ist Gottes Weg mit mir, er hat Gnade.
Da ist eine ältere Frau, die sich nicht traut, ins Altenheim zu gehen. Zu viele Einschränkungen, zu viel neue Umstände, vor denen sie Angst hat. Ihre Tochter rät ihr zu, doch den Platz im Altenheim anzunehmen, doch sie will nicht. Da stürzt sie in der Wohnung hin und hätte sich fast das Bein gebrochen. Sie überlegt, wie schwierig wäre es jetzt, mit gebrochenem Bein allein hier zu leben? Da ist ihr der Platz mit sicherer Versorgung im Altenheim plötzlich wie ein Fingerzeig Gottes – er hat Gnade zu ihrer Reise gegeben und sie willigt ein. Jetzt ist sie versorgt und wenn etwas passiert, dann kann ihr besser geholfen werden.
Sie sind heute nicht auf Kuppeltour wie Elieser, Ihre Berufungsentscheidung ist auch längst gelaufen, vielleicht sind Sie auch noch nicht auf Hilfe angewiesen, aber die Entschlusskraft, Zweifel und Bedenken hinter sich zu lassen, um Gottes Weg zu folgen, die wünsche ich Ihnen für alles, was heute vor Ihnen steht.
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