/ Anstoß - Gedanken zum Tag
Ohne Ansehen der Person
Gedanken von Wolf-Dieter Kretschmer zur Bibelstelle Jakobus 2,8-9
Wenn ihr das königliche Gesetz erfüllt nach der Schrift: »Liebe deinen Nächsten wie dich selbst«, so tut ihr recht; wenn ihr aber die Person anseht, tut ihr Sünde und werdet überführt vom Gesetz als Übertreter.
Kennen Sie das auch? Die Theorie besagt das eine. Im alltäglichen Leben hingegen wird etwas völlig anderes praktiziert.
Offensichtlich haben die Christen im ersten Jahrhundert die gleiche Herausforderung gehabt. Das entnehme ich zwei Versen aus dem Jakobusbrief. Jakobus, der Leiter der Jerusalemer Gemeinde, schreibt im 2. Kapitel seines Briefs:
Wenn ihr das königliche Gesetz erfüllt nach der Schrift: »Liebe deinen Nächsten wie dich selbst«, so tut ihr recht; wenn ihr aber die Person anseht, tut ihr Sünde und werdet überführt vom Gesetz als Übertreter. Jakobus 2, Verse 8-9
Meinen Nächsten wie mich selbst lieben. Das ist Jesus zufolge Teil des Doppelgebotes der Liebe. Von einem Gesetzeslehrer nach dem größten Gebot gefragt, hat Jesus geantwortet: Das höchste Gebot besteht darin, Gott, den HERRN zu lieben. Daneben hat Jesus das Gebot gestellt: Liebe deinen Nächsten wie dich selbst.
Jakobus legt mir noch etwas ans Herz: Ich sündige, wenn ich Menschen unterschiedlich behandle.
Das ist ein hoher Maßstab, und ich frage mich: Wie kann ich heute danach leben? Vielleicht hilft es, dass ich mir vor Augen halte: Das Heil, das Jesus gebracht hat, gilt ausnahmslos allen Menschen in gleicher Weise. Gott macht keinen Unterschied, deshalb tue ich gut daran, ebenfalls alle Menschen gleich zu behandeln.
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Kommentare (2)
Jakobus 2, 1-13: Jakobus spricht in dieser Perikope über das Zusammenleben in der Gemeinde. "Denn wenn in eure Versammlung ein Mann mit einem goldenen Ringe käme ....", er bezieht die sündhafte … mehrUnterscheidung auf die Kriterien "arm" und "reich". Ferner meint in diesem Kontext "Nächster" (lat. proximus = der Naheste) das Gemeindemitglied.
Die zeitgeistliche Überdehnung des Begriffs "Nächster" hin zu "Alle" ist sicher nicht von Jakobus gemeint, denn wer vorgibt, alle zu lieben, liebt tatsächlich keinen.
Ich habe diese Bibelstelle immer als Mahnung gesehen und versucht, mich an ihr zu orientieren. Oft zählt nur das Geld, der Bildungsgrad oder das Ansehen der Person. Ich will auch die beachten, die nichts haben und mich nicht als etwas Besseres fühlen!