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Jesus und noch etwas anderes?

Die Bibelstelle Kolosser 1,27 – ausgelegt von Bernhard Heyl.

Seinen Heiligen wollte Gott kundtun, was der herrliche Reichtum dieses Geheimnisses unter den Völkern ist, nämlich Christus in euch, die Hoffnung der Herrlichkeit.

Kolosser 1.27

Da ist einiges im Argen bei den Christen in Kolossä. Vermutlich von Epaphras, einem Mitarbeiter des Apostels gegründet, ist dort eine große judenchristlich geprägte Gemeinde entstanden. Ziemlich bald schon kommt es dort allerdings zu Schwierigkeiten, auf die sich Paulus andeutungsweise in seinem Brief bezieht. Irrlehrer unterschiedlicher Couleur treten auf, die zum einen die straffe Hinwendung zu einer neuen Gesetzlichkeit propagieren, zum anderen gibt es auch mystisch-philosophische Einflüsse, die eine Art esoterische Variante des Christentums vertreten. In beiden Fällen geht es um die Frage, ob der Glaube an Jesus allein genügt oder ob es zum vollkommenen Christsein irgendein „Jesus und noch etwas anderes“ braucht. Ob es da noch irgendwelche Geheimnisse gibt, die man offenbaren muss. Das ist eine durch die ganze Kirchengeschichte immer wieder aktuelle Auseinandersetzung und ist es auch heute noch. In seinem Kommentar zum Kolosserbrief schreibt Heiko Krimmer in der Einleitung: „Wer das „Christus allein“ antastet, der rüttelt am Fundament!“ Paulus setzt sich interessanterweise nicht im Detail und ausführlich mit den Irrlehren auseinander, sondern wählt einen anderen Weg. Er stellt Christus ins Zentrum und beschreibt die Herrlichkeit, Fülle und die Hoffnung, die uns in ihm gegeben ist. Christus ist das Ebenbild des unsichtbaren Gottes, schreibt er in V. 15 im ersten Kapitel. Das, wozu wir als Menschen ursprünglich geschaffen wurden und bestimmt sind, ist in Jesus vollkommen da und sichtbar geworden. In ihm wohnt alle Fülle, wurde alles geschaffen, ist die Welt versöhnt worden und er ist in allem der Erste – schreibt der Apostel weiter. Ich habe den Eindruck, er versucht mit seinen Worten auszudrücken, was nicht mehr in Worte zu fassen ist. Die Herrlichkeit Gottes in Christus! Und geradezu unvorstellbar ist nun, dass dieser Christus in uns – den Glaubenden – wohnt. Das ist allemal Grund zu Freude und Dankbarkeit und der Kern christlicher Botschaft. Der Ausleger Werner de Boor schreibt dazu: „‚Christus in uns‘ – wie haben wir uns an den Umgang auch mit den größten Worten gewöhnt. Wie Kinder mit Diamanten und Perlen spielen, als ob es Glasscherben und Steine wären, so werfen wir mit den biblischen Begriffen umher und ahnen nicht mehr, was für ungeheure Dinge in ihnen uns gesagt sind!“

Der, in dem alles geschaffen ist, was im Himmel und auf Erden ist, das Sichtbare und das Unsichtbare, Throne, Herrschaften, Mächte und Gewalten – der, der vor allem war und in dem alles seinen Bestand hat – der nimmt Wohnung in uns, seinen Nachfolgern. Wenn das mal keine gute Nachricht ist! Das muss uns einfach zu Hoffnungsmenschen machen, die von dieser Hoffnung der Herrlichkeit leben und zehren und sie in die Welt hinein ausstrahlen. Wenn Sie das auch nur ansatzweise verstehen und sich davon erfüllen lassen, dann suchen Sie nicht nach anderem oder gar mehr. In Jesus, dem Christus in mir, habe ich alles. Mehr geht nicht!

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