/ Wort zum Tag
Die Liebe zählt
Die Bibelstelle Johannes 13,34 – ausgelegt von Johannes Holmer.
Jesus spricht: Ein neues Gebot gebe ich euch, dass ihr euch untereinander liebt, wie ich euch geliebt habe, damit auch ihr einander lieb habt.
Eines der zentralen Wörter in der Bibel, im Christentum überhaupt und speziell beim Apostel und früheren Jünger Johannes ist das Wort „Liebe“. Es durchzieht fast alle seine Kapitel im Johannes-Evangelium und auch in seinen Briefen.
Da gibt es diesen besonders bekannten Vers im Johannesevangelium 3,16, in dem Johannes mir die Liebe Gottes so drastisch vor Augen malt, dass ich eigentlich gar nicht mehr anders kann, als zu antworten: Ja, Herr, diese Liebe soll mein Leben prägen, gestalten und durchziehen. Dort sagt Johannes: „So sehr (oder: auf solche Weise) hat Gott die Welt geliebt (und zwar den ganzen Kosmos und auch jedes einzelne Geschöpf), dass er seinen eigenen Sohn sterben ließ, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verlorengeht, sondern ewiges Leben hat“.
Wenn Gott fordert, dass wir einander lieben, dann bedenke ich: Unser Herr hat selbst vorgelegt. Er fordert nichts, was er nicht selbst radikal vorgemacht hat. Er hat mir das größte Beispiel göttlicher Liebe gegeben. Diese Liebe deckt sich mit dem, was der Apostel Paulus im 1. Korintherbrief, Kapitel 13 schreibt. Dort stellt er mir noch einmal ausdrücklich Gottes Liebe vor Augen und sagt: So sollst auch du es machen. Es zumindest anstreben. Denn schaffen werde ich das in meinem Leben so nicht. Aber die Messlatte ist aufgelegt: „4 Liebe ist geduldig, Liebe ist freundlich. Sie kennt keinen Neid, sie spielt sich nicht auf, sie ist nicht eingebildet. 5 Sie verhält sich nicht taktlos, sie sucht nicht den eigenen Vorteil, sie verliert nicht die Beherrschung, sie trägt keinem etwas nach. 6 Sie freut sich nicht, wenn Unrecht geschieht, aber wo die Wahrheit siegt, freut sie sich mit. 7 Alles erträgt sie, in jeder Lage glaubt sie, immer hofft sie, allem hält sie stand.“ (zitiert nach der Neuen Genfer Übersetzung)
Es geht bei dieser Liebe, von der Paulus redet – und auch bei der, von der Johannes redet, nicht um Sympathie. Es geht nicht darum, dass mir der andere gefallen muss oder ich ihn nett finde. Es geht einzig und allein darum, dass der andere zu seinem Recht kommt oder von mir gefördert wird. Es geht darum, dass ich ihn als radikal geliebtes Geschöpf Gottes sehe.
Bei der Trauung von meiner Frau und mir, hat der Pfarrer gesagt: „Wer glücklich werden will, der sollte lieber nicht heiraten – den anderen glücklich machen, das ist das Geheimnis der Ehe“. Und das auch dann, wenn der andere nicht immer dem entspricht, was ich von ihm erwarte.
Und das, was ich im Blick auf die Ehe sagen kann, sollte ich auch im Blick auf alles in der Gemeinde, in der Familie und in jeder Gemeinschaft sagen: Den anderen glücklich machen, den anderen sehen, den anderen fördern – darum geht es.
Wenn also Johannes in diesem heutigen Vers sagt: „Ein neues Gebot gebe ich euch, dass ihr euch untereinander liebt, wie ich euch geliebt habe“, dann bedeutet das genau dies. Du musst den, der dir Probleme bereitet nicht sympathisch finden – das funktioniert gar nicht, das kann keiner erzwingen. Und das hat Gott uns auch nicht vorgemacht und fordert es nicht von uns. Im Römerbrief (5,8) sagt Paulus: „Gott aber erweist seine Liebe zu uns darin, dass Christus für uns gestorben ist, als wir noch Sünder waren.“ Jesus ist für uns gestorben, als wir noch nichts von ihm wissen wollten! Und im Johannesevangelium (15,13) heißt es: „Niemand hat größere Liebe als die, dass er sein Leben lässt für seine Freunde.“ Hier ergänze ich vom Gesamtzusammenhang her: „Auch für seine Feinde“!
Immer habe ich Gott und seinen Sohn Jesus zum Vorbild und zur Messlatte!
Liebe ist nicht in erster Linie Gefühl, sondern die Entscheidung: Ich will versuchen, den anderen zu sehen, wie Gott ihn sieht, ihn mit Gottes Augen ansehen.
Das ist Gottes Rezept für alles in unserer Welt.
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