/ Wort zum Tag
Sind wir noch zu retten?
Die Bibelstelle Jona 2,7 – ausgelegt von Johannes Holmer.
Du hast mein Leben aus dem Verderben geführt, HERR, mein Gott!
Ich hörte vor einiger Zeit die Frage „Sind wir noch zu retten?“ im Zusammenhang mit einem politischen Vortrag. Gemeint war mit dieser Frage vor allem der Niedergang der Wirtschaft und damit des Wohlstands in unserem Land.
Natürlich kann ich diese Frage in den Zusammenhängen durchaus so stellen. Und es mag sein, dass die Antworten darauf nicht wirklich ermutigend oder positiv ausfallen. Doch sicher wird der eine oder andere unter uns diese Frage anders beantworten als sein Nachbar oder gar seine Kinder oder Eltern. Das hängt vielfach davon ab, in welch einer wirtschaftlichen Situation ich mich gerade befinde.
Jona, der kleine Prophet aus dem Alten Testament, den wahrscheinlich die meisten von uns irgendwie kennen, sagt, als er mit seinem Latein einmal völlig am Ende ist: „Du hast mein Leben aus dem Verderben geführt, HERR, mein Gott!“
Jona hat gerade eine gigantische Rettungsaktion Gottes erlebt. Er ist spürbar geschockt, oder doch zumindest extrem beeindruckt von dem, wie Gott mit ihm gerade umgegangen ist.
Jona hat den Auftrag von Gott bekommen, der großen Stadt Ninive auf dem Marktplatz eine Hammer-Rede von Untergang und Rettung zu halten. Er soll ihnen sagen: Wenn ihr euer gott-loses Leben nicht ändert, werdet ihr untergehen, und zwar wirtschaftlich, moralisch und politisch.
Doch Jona hat echt keine Lust, ihnen das so öffentlich zu sagen. Möglicherweise werden sie ihn für diese göttliche Botschaft ablehnen. Damals werden die Überbringer schlechter Nachrichten sogar direkt für den Inhalt der Nachricht verantwortlich gemacht – und dann schnell angefeindet und abgelehnt, manchmal sogar umgebracht. Jona kennt das. Also entschließt er sich, lieber das Weite zu suchen und nach Tarsis anstatt nach Ninive zu gehen. Sollen doch die Niniviten untergehen – was geht ihn das an. Allerdings hat seine göttliche Auftrags-Botschaft zwei Komponenten: Die zweite ist die der Rettung: „Wenn ihr zu Gott umkehrt, ist der Untergang abwendbar“. Das ist ja noch schöner, wenn dieses gottlose Volk umkehrt und dann sogar völlig ungeschoren davonkommt… Also will er ihnen diese Variante auch unterschlagen. Es kann doch sein, dass sie das wirklich tun und am Ende gerettet werden… Sie haben aber ja den Untergang mehr als verdient – sind sie doch für ihr zügelloses Leben bekannt…
Doch wenn Gott einen Auftrag erteilt, dann meint er es ernst. Jona hat nicht bedacht, dass Gott nicht einfach auszutricksen ist. Als er auf einem Schiff angeheuert hat, um nach Tarsis zu fliehen, sorgt Gott für eine große Seenot, in der die göttergläubigen Seeleute den Jona als den Urheber dieser Seenot ausmachen und ins Meer werfen.
Normalerweise wäre die Geschichte hier zu Ende. Aber nicht für Gott! Gott sorgt dafür, dass Noah von einem großen Fisch verschluckt wird und sich plötzlich im Bauch dieses Fisches unversehrt wiederfindet. In dieser fast kuriosen Lage realisiert Jona, dass Gott ihn retten will, damit er die vorgesehene Botschaft auftragsgemäß zu den Niniviten bringt. Er realisiert die Größe und Schöpfermacht Gottes. Und darum kapituliert er vor Gott und diesem Auftrag und wird bereit, ihn auszuführen.
Sie können diese Geschichte im Buch Jona zu Ende lesen. Im Moment aber ist dieser noch im Bauch des Fisches und denkt nach.
Plötzlich kommt es wie eine Erleuchtung über ihn und er beginnt, Gott anzubeten und zu ehren und ihm zu versprechen, dass er gehorsam sein wird.
Und hier kommt dieser eingangs gelesene Vers, eingebettet in die Verse davor und danach:
6 Wasser umgaben mich und gingen mir ans Leben,
die Tiefe umringte mich, Schilf bedeckte mein Haupt.
7 Ich sank hinunter zu der Berge Gründen,
der Erde Riegel schlossen sich hinter mir ewiglich.
Aber du hast mein Leben aus dem Verderben geführt, Herr, mein Gott!
8 Als meine Seele in mir verzagte, gedachte ich an den Herrn,
und mein Gebet kam zu dir.“
Gott hatte den Jona gerettet, damit er andere retten kann. Missionsauftrag ist immer Rettungsauftrag. Und es geht um Zeit und Ewigkeit, um alles oder nichts. Das ist auch heute so. Sind wir noch zu retten? So war die Frage am Anfang. Ja, wir sind es. Wenn Gott mich vom Verderben erlöst, dann immer, damit ich dies an die Menschen um mich herum weitergebe, nie zum Selbstzweck und nie nur für mich. Schon gar nicht geht es um Wirtschaft oder Politik, sondern immer um alles oder nichts, um Zeit und Ewigkeit!
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