/ Wort zum Tag
Die Wirkung von Vorbildern
Roberto Tappert über Titus 2,7-8.
Sei du selbst ihnen ein Vorbild im Tun des Guten und, was die Lehre betrifft, ein Beispiel deines unbestechlichen Urteils, von allen geachtet und untadelig in der Verkündigung des gesunden Wortes, so dass dein Gegenspieler beschämt wird und nichts Schlechtes mehr über uns zu sagen weiß.
Der Apostel Paulus hat einen Brief an seinen Freund und Mitarbeiter Titus geschrieben. Titus war Grieche und fand wahrscheinlich durch Paulus zum Glauben an Jesus Christus. Später begleitete er Paulus auf einigen seiner Missionsreisen. Sogar als Paulus als Gefangener nach Rom gebracht wurde, war Titus an seiner Seite. Nach einem Zwischenstopp auf der Insel Kreta ließ der Apostel Titus mit dem Auftrag zurück, die dortige Gemeinde zu unterstützen. Das war eine große und herausfordernde Aufgabe. Deshalb schrieb Paulus ihm einen Brief mit wichtigen Hinweisen für diese Arbeit. In diesem sogenannten „Titusbrief“ steht im Kapitel 2, Verse 7 und 8: „Vor allem aber sei du selbst ihnen ein Vorbild im Gutes tun. In deiner Lehre zeige Unverdorbenheit und den gebührenden Ernst in gesunden, unanfechtbaren Worten, damit jeder Gegner sich beschämt fühlt und uns nichts Schlechtes nachsagen kann.“
Die christliche Versammlung auf Kreta war zu dieser Zeit noch nicht gefestigt. Es gab Christen mit einem unordentlichen Lebensstil, Auseinandersetzungen um Lehrfragen, die von untergeordneter Bedeutung waren, und Konflikte innerhalb der Familien. All das führte zu Streit und Spaltungen in der Gemeinde. In dieser Situation hatte Titus die wichtige Aufgabe, für Ordnung und Struktur zu sorgen. Paulus wies ihn besonders auf vier Dinge hin: Er sollte eine klare, unverfälschte Lehre verkündigen. Dazu war der gebührende Ernst in seiner Botschaft entscheidend. Auch im Alltag sollte er untadelige, heilsame Worte verwenden, die anderen helfen können. Und vor allem: Er musste selbst ein Vorbild sein! Nur wenn er ein vorbildliches Leben führte, konnte er andere von der Wichtigkeit seines Auftrags überzeugen. Paulus lag viel daran, dass die Christen ihren Gegnern keine Angriffsfläche boten. Wenn das, was Titus lehrte, wirksam werden sollte, bezeugte er es mit seinem eigenen Leben. Er stand also vor der großen Aufgabe, den Menschen vorzuleben, was Christus gelehrt und gelebt hat. In der Bibel stellt Gott verschiedene Menschen vor, die Christen ein Vorbild sein können, weil sie Gottes Wesen und seinen Willen abbilden. Vorbilder im Glauben, in der Liebe, in Treue, in Geduld und Standhaftigkeit, in Demut und Barmherzigkeit – all das kann ich bei ihnen finden.
Besonders das Leben Jesu kann den Gläubigen ein vorgelebtes Beispiel sein. Seine Gesinnung und sein Verhalten haben schon den ersten Gemeinden Orientierung gegeben. Deshalb nannte man sie später etwas spöttisch „Christen“, weil sie Christus so ähnlich waren. Es geht allerdings nicht darum, das Leben Jesu nur äußerlich nachzuahmen. Vielmehr sollen Christen ihr inneres Wesen von Jesus verändern lassen. Menschen, die sich zu Jesus bekennen, stehen unter besonderer Beobachtung ihrer Mitmenschen. Nichts macht jemanden unglaubwürdiger als der Widerspruch zwischen Worten und Taten. Andererseits kann ein besonnenes und ehrliches Leben durchaus anziehend für andere sein. Auf jeden Fall führt es dazu, dass Kritiker nichts Schlechtes mehr über diese Personen sagen können. Ein solches Leben kann die verändernde Kraft der Liebe Christi glaubhaft bezeugen. Das ist eine Herausforderung, mit der auch ich als Christ ein Leben lang beschäftigt bin. Dabei kann ich mein Herz, mein inneres Wesen, nicht selbst verändern. Doch Jesus kann es, wenn ich eine persönliche Beziehung zu ihm halte. Vielleicht wird Jesus dann auch durch mein Leben für andere sichtbar und anziehend.
Ihr Kommentar
Kommentare (2)
Da tatsächlich kein Mensch einen vollkommenen Lebenswandel führen kann, jeder und jede immer wieder neu schuldig wird vor den Augen Gottes und auch vor den Augen der Menschen, besteht die … mehrHerausforderung darin,eben ggf. mit meiner Schuld ehrlich zu leben, die Schuld zu bekennen und, soweit möglich, auch wieder in Ordnung zu bringen. Ich denke, das ist oft ein viel größeres Zeugnis als die Illusion eines perfekten Menschen denn den gibt es ja garnicht.
Ja, das gilt im ganzen Leben, nicht nur in den Kirchen und Religionen