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Was ich nicht sehe, kann ich nicht glauben

Die Bibelstelle 2. Korinther 5,6-7 – ausgelegt von Gabriele Berger-Faragó.

So sind wir denn allezeit getrost und wissen: Solange wir im Leibe wohnen, weilen wir fern von dem Herrn; denn wir wandeln im Glauben und nicht im Schauen.

2. Korinther 5,6-7

„Was ich nicht sehe, kann ich nicht glauben.“ Das sagen kritische Zeitgenossen, die mit dem Glauben an Gott nichts anfangen können. Verständlich. Es ist schon etwas Besonderes, an einen Gott zu glauben, den man nicht sieht. Das sagte bereits einer der ersten Christen, der Apostel Paulus, der in seinem 2. Brief an die Gemeinde in Korinth im 5. Kapitel schrieb:

Solange ich noch in diesem Körper lebe, bin ich fern von Gott; denn unser Leben auf dieser Erde ist dadurch bestimmt, dass wir an ihn glauben, und nicht, dass wir ihn sehen.“
(2. Kor. 5,6-7)

Wir Christen glauben an Gott, ohne ihn zu sehen – da machen wir uns nichts vor.

Aber ist das wirklich so etwas Besonderes und Ungewöhnliches? Ich glaube, das kennen Sie auch, egal ob Sie Christ, Atheist oder sonst etwas sind. Wir alle vertrauen manchmal auf Menschen und Dinge, ohne sie zu sehen.

Beispiel: Liebe

Bestes Beispiel ist die Liebe. Wenn mein Mann sagt, dass er mich liebt, kann ich das nur glauben. Ich kann wohl kaum sein Gehirn aufschneiden, um dort seine Liebe zu sehen – wo wäre die überhaupt sichtbar? Trotzdem weiß ich, dass mein Mann mich liebt – ohne es wissenschaftlich beweisen zu können.

 Ich weiß es aus 1000 Kleinigkeiten: Wie er mich anschaut, umarmt, mir zuhört, mir treu ist, mich unterstützt – all das zeigt mir seine Liebe so klar, dass ich ihrer gewiss bin.

Gottes Liebe sichtbar

Genauso ist es eigentlich auch mit Gott. Auch, wenn ich seine Existenz und Liebe nicht sehen oder wissenschaftlich beweisen kann, so sehe und spüre ich es doch jeden Tag, dass Gott da ist …dass er für mich da ist: der Sonnenaufgang, die Ermutigung bei Schwierigkeiten, Kraft, wenn ich krank bin, Freunde und Gemeinde, sein Wort, seine Treue und Vergebung, und so vieles mehr – all das macht mich gewiss, dass Gott mich liebt.

Vergleich mit dem Wind

Jesus hat Gott und sein Wirken mal mit dem Wind verglichen:

„Der Wind bläst, wo er will, und du hörst sein Sausen genau; aber du weißt nicht, woher er kommt und wohin er fährt.“
(Johannes 3,8)

Obwohl man den Wind selbst nicht sehen kann, sieht und spürt man doch seine Auswirkungen und kann ihn sogar in km/h messen. Gott sehe ich genauso wenig, aber seine Auswirkungen sind auf Schritt und Tritt sichtbar: in der Natur, in der Welt, in meinen Mitmenschen, in meinem Leben.

Zweifel

Das heißt nicht, dass zum Glauben nicht manchmal auch Zweifel dazugehören.

Gott ist und bleibt unfassbar, nicht greifbar, gelegentlich scheinbar stumm und manchmal nur schemenhaft erkennbar. Und so muss es auch sein. Denn wäre Gott für uns Menschen sichtbar, erklärbar und wissenschaftlich beweisbar, dann wäre er nicht mehr Gott, sondern ein billiger Hosentaschengötze. Gott steht per Definition über allem und ist als Schöpfer des Universums außerhalb des Geschaffenen.

Daraus folgt logisch, dass ich kleines Menschlein ihn und sein Wesen, sein Handeln, Reden und Schweigen nicht immer verstehe; dass ich ihn nicht be-greifen kann. Und dass ich deshalb manchmal an ihm zweifle.

Aber das ist okay, denn wenn er wirklich existiert und Gott ist, dann steht er auch da drüber und kann mein Fragen und Zweifeln aushalten. So, wie der Wind trotzdem weht, ob ich ihn sehe oder nicht, egal ob ich seine Existenz anzweifle – so bleibt Gottes Da-Sein und seine Liebe bestehen, ob ich sie glaube oder bezweifle.

Deshalb darf ich zweifeln und diesen Zweifeln nachgehen, nach Antworten suchen und mit Gott ringen.

Gewissheit

Schön ist es, wenn am Ende des Zweifelns und Ringens stets doch wieder die Gewissheit steht, dass Gott mich nicht verlassen hat. So habe ich es häufig erlebt: In allen Lebens- und Glaubenskrisen, in und nach allem Zweifeln hat Gottes Liebe immer gewonnen und wurde mir wieder neu gewiss.

Trost

Daraus lässt sich Halt und Trost schöpfen, auch für die nächste Krise, auch für die dunklen Tage im Leben. So, wie es der Apostel Paulus in der Einleitung zum bereits zitierten Vers aus dem 2. Korintherbrief schreibt:

„So sind wir denn allezeit getrost und wissen:

Solange wir noch in diesem Körper leben, sind wir fern von Gott; denn wir leben im Glauben und nicht im Schauen. Aber wir rechnen fest damit, eines Tages bei Gott zuhause zu sein.“
(2. Kor. 5,6-8)

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Kommentare (2)

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Annelotte G.-S. /

"Wo das Wissen aufhört, beginnt der Glaube!"

Sabine /

Danke, Frau Berger-Farago, für diese schöne Auslegung des heutigen Verses, sie hat mich sehr angesprochen.