/ Wort zum Tag
Einer muss anfangen
Die Bibelstelle Epheser 2,12-13 – ausgelegt von Hartmut Völkner.
Ihr hattet keine Hoffnung und wart ohne Gott in der Welt. Jetzt aber in Christus Jesus seid ihr, die ihr einst fern wart, nahe geworden durch das Blut Christi.
Manchmal kommt es vor, dass Menschen sich versöhnen. Sie begraben alte Geschichten und gehen neu aufeinander zu. Sie fangen neu an. Das wirkt sich heilsam im eigenen Leben aus, in der Familie, bei den Kindern, bei Verwandten und Freunden. Wenn sich Menschen versöhnen, dann geschieht das erst vorsichtig und behutsam. Vor jeder Versöhnung lagen ja einmal Verletzungen und Trennung. Meistens auf beiden Seiten. Die Gründe sind unendlich, weil jeder anders verletzlich ist.
Meistens fängt einer an. Einer fängt an zu heilen. Einer sucht eine Lösung, ein neues Miteinander. Er legt eine Verletzungspause ein und lernt den anderen mit neuen Augen zu sehen. Das ist ein behutsamer Weg. Der andere geht darauf ein und vorsichtige Annäherung entsteht.
Was zwischen Menschen möglich ist, geschieht auch zwischen Gott und uns Menschen. Einer fängt an. In diesem Fall fängt immer Gott mit der Versöhnung an. Der Himmel steht offen und bietet neue Nähe, Freundschaft, Beziehung und Vergebung an. Über diese Veränderung der Beziehung zwischen Gott und den Menschen schreibt der Apostel Paulus in dem Brief an die Christen in der Stadt Ephesus.
Ihr hattet keine Hoffnung und wart ohne Gott in der Welt. Jetzt aber in Christus Jesus seid ihr, die ihr einst fern wart, nahe geworden durch das Blut Christi. (Epheser 2,12-13)
Paulus beschreibt das Leben der Menschen in Ephesus als Menschen, die ihren eigenen Impulsen folgten. Sie waren bestimmt und geleitet von ihrem eigenen Vorteil, von Begierden, von Habsucht, Eigennutz, Egoismus, Ausbeutung und Zorn. Jeder war sich selbst der Nächste. Das Leben war ausgerichtet und bestimmt durch das eigene Ich und die Konkurrenz gegenüber anderen. Wo Gottes Geist nicht herrscht, übernehmen andere Geister die Macht. Die Bürger von Ephesus waren in dieser Welt zu Hause.
Für die Christen in Ephesus und überall auf der Welt tut sich aber eine neue heilende Verbindung auf. Gott bietet Freundschaft an. Er hat sich aufgemacht, Menschen zu suchen. Er bietet Nähe an. Die Christen in Ephesus erleben durch die Begegnung mit Jesus ein ganz unerwartetes Geschenk. Der mächtige Gott verzichtet auf Rache und Strafe. Der allmächtige Gott bietet heilende Nähe an. Er schickt seinen eigenen Sohn als Versöhner in die Welt. Das ist eine heilsame Botschaft. Gott verzichtet auf sein Recht und bietet Liebe. Das ist zu schön, um wahr zu sein, aber es ist so.
Paulus spricht von der neuen Nähe. Früher waren Gott und Menschen weit entfernt. Jetzt sind sie nah. Die Brücke wird vom Himmel aus gebaut und kann von der Erde aus begangen werden. Er hat die Tür zu seiner Liebe aufgemacht und wir können hineingehen. Das Leben der Christen in Ephesus änderte sich durch diese Botschaft radikal. Sie blieben sündige Menschen, lernten aber Versöhnung mit Gott. Dadurch ergab sich vielfach die Versöhnung mit anderen. Die innere Heilung blieb nicht aus. Und so veränderte sich die gesamte Atmosphäre in der Gemeinde. Aus Ich-verliebten Menschen wurden Menschen, die Jesus-verliebt waren. Der Blick weitet sich und Menschen hatten Erbarmen und Zuwendung miteinander. Es entstand eine Gemeinschaft, die allen guttat.
Wenn Gott sich mit uns versöhnt, und wir darauf eingehen, entstehen heilende Beziehungen. Einer muss anfangen.
So ist Versöhnung
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Kommentare (2)
Wir sind immer für unsere eigenen Dinge verantwortlich vor Gott. Was auch zur Trennung von Beziehungen führen kann... Unvergebenheit ist ein schreckliches Gift. Die bittere Wurzel muss gezogen … mehrwerden. Wer nicht vergeben will, leidet weiter und die Folgen sind auch für ihn fatal. Bis hin das Gott am Ende ihn ablehnen muss. Siehe Gleichnis Jesu mit dem ungerechten Verwalter, dem vom Herrn vergeben wurde. Er aber selbst Schulden brutal eingefordert hat. Der kam schließlich in den Kerker um alles restlos zu büßen.
Wer ohne Schuld ist, werfe den ersten Stein. Sagt Jesus, als man ihm eine Frau allein als schuldig präsentiert. Der Mann dazu war nicht im Fokus. Wir haben also alle Schulden angesammelt, aber Jesus vergibt zuerst.
Was haben wir zu rechten anderen gegenüber?
Versöhnung ja, aber was kann ich tun, wenn mein Gegenüber sich nicht mit mir versöhnen will? Seine Fehler nicht einsieht. Weiter beten?