/ Wort zum Tag
Menschenfischen
Die Bibelstelle Lukas 5,5 – ausgelegt von Hans-Martin Richter.
Simon sprach: Meister, wir haben die ganze Nacht gearbeitet und nichts gefangen: aber auf dein Wort hin will ich die Netze auswerfen.
Fischers Fritz fischt frische Fische. Der Zungenbrecher gehört zum Volksgut.
Es gibt eine weitere Redensart mit „fischen“, die kein Zungenbrecher – aber erklärungsbedürftig ist: Menschenfischen
Dieses Wort aus der Bibel bedeutet, die christliche Botschaft auf mutige Weise bekannt zu machen.
Das Neue Testament berichtet, wie ein Fischer namens Petrus zu einem Menschenfischer wird. Er sollte Frauen und Männer aus seinem Umfeld in die Gegenwart Gottes ziehen. Sie ließen sich taufen, veränderten ihr Leben und sammelten sich später in christlichen Gemeinden.
Der Arbeitsplatz des Petrus war zuerst der heute rund 20km lange See Genezareth. Seine Handwerkszeuge waren Boot und Fischernetz. Sein Erfolg? Er wusste, wo und wann er für reiche Beute die Netze auswerfen musste. Auch wenn er an manchen Tagen trotzdem nichts fing.
Einmal forderte ihn der Wanderprediger Jesus auf, sein Fischerboot als Verkündigungsort zur Verfügung zu stellen, als schwimmende Kanzel sozusagen. Petrus willigt ein. Nach der Predigt gibt Jesus, ausgebildeter Zimmermann, Petrus Anweisungen. - Das ist schwierig.
Eigentlich ist alles, was Jesus Leuten aufträgt irgendwie schwierig und unmöglich:
Einen Zollbeamten fordert er auf, urplötzlich seinen Arbeitsplatz zu verlassen.
Blinde sollen sehen, Lahme gehen.
Bei einem Sturm auf dem See fordert Jesus diesen Petrus auf, sein Boot zu verlassen und auf dem Wasser zu gehen.
Später überträgt Jesus den Auftrag des Menschenfischens an alle seine Nachfolger, die sich heute Christen nennen. Verstehen Sie sich als Christ oder Christin? Dann ist Menschenfischen Ihre Bestimmung. Durch Sie soll der christliche Glaube in Ihrem Umfeld bekannt werden. Ich höre die Stimmen: Das geht nicht, weil … wir zu wenig Zeit, Geld, Kraft und Ideen haben. Ich habe schon so viel erfolglos versucht. Das geht nicht. Auch nicht in unserer Gemeinde oder Kirche.
Ein positives Beispiel, wie heute Netze nach dem Wort von Jesus ausgeworfen werden:
Alle Familien, die zu einer kleinen Gemeindegründung in Brandenburg kommen, besuchten davor deren Krabbelgruppe. Dort hörten die Kinder und vor allem die Eltern erstmals biblische Geschichten und lernten christliche Lieder. Weil es in der Stadt ein Überangebot an Kita-Plätzen gab, boten alle Kitas plötzlich Krabbelgruppen an. Niemand kam mehr in die christliche Krabbelgruppe in den abgelegenen Stadtteil. Was jetzt?
Jesus sagt Petrus: Wirf die Netzte noch einmal aus, entgegen deiner Logik, entgegen deiner Erfahrung. Petrus antwortet: Auf dein Wort hin will ich es wagen. Er ahnt, dass die Worte von Jesus so stark sind wie die Worte von Gott, der bei der Schöpfung der Welt sagt „Es werde“ – und alles passiert so.
Und Petrus erlebt, wie sein Fischernetz übervoll wird, dass er im Sturm auf dem Wasser gehalten wird, dass durch Jesu machtvolle Worte Menschen aus festgefahrenen Lebensmustern ausbrechen und mutig einen neuen Weg gehen, usw.
In der Brandenburger Gemeindegründung gibt es übrigens seit neuem einen Eltern-Kind-Spielraum. Es kommen mehr Leute als zur Krabbelgruppe. Ein paar Mütter haben ihre Identität als Menschenfischer erkannt und sind bereit, im Vertrauen auf Jesu Worte die Netze neu auszuwerfen.
Vielleicht sind Sie in einem Umfeld, in dem eher die Leinen eingeholt werden, statt mutig den starken Worten von Jesus zu vertrauen. Ich lade Sie ein, mit Petrus zu bekennen:
„Wir haben die ganze Nacht gefischt und nichts gefangen. Aber auf dein Wort hin, will ich die Netze auswerfen.“ (Lukas 5 Vers 5)
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