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Die Bibelstelle Psalm 68,6–7 – ausgelegt von Rahel Haller.

Ein Vater der Waisen und ein Helfer der Witwen ist Gott in seiner heiligen Wohnung, ein Gott, der die Einsamen nach Hause bringt, der die Gefangenen herausführt, dass es ihnen wohlgehe.

Psalm 68,6–7

In diesem Losungstext der Herrnhuter Brüdergemeine für heute gibt der Psalmbeter Aufschluss über Gottes Charakter und lässt uns in sein Herz blicken. Während in den Psalmen und Schriften des Alten Testaments oft Gottes Größe und seine Herrlichkeit betont werden, werden hier vier Beispiele für Gottes barmherzigen Umgang mit den Menschen und seinen Charakter genannt.

Gott ist ein Vater der Waisen, ein Helfer der Witwen. Er bringt die Einsamen nach Hause und führt die Gefangenen aus dem Gefängnis. Was haben diese Gruppen gemeinsam? Vielleicht sind Sie schon darauf gekommen: Gemeinsam haben alle Gruppen, dass sie sich in einer Art von Not befinden und wahrscheinlich am Rande der Gesellschaft stehen. Damals ist die Familie die Lebensversicherung, sodass man als Waise oder als kinderlose Witwe wirklich nichts hatte. Und auch die Gefangenen und Heimatlosen befinden sich in mehr oder weniger hoffnungslosen Situationen.

Ich möchte einen Aspekt hervorheben, den dieser Vers über Gott zeigt. Gott ist ein Gott, der die sieht, die übersehen werden. Alle vier Personengruppen, die angesprochen werden, sind nicht Menschen, denen es an nichts fehlt und die alles haben. Auf die Frage „Wie geht es dir?“ antworten sie wahrscheinlich ehrlich: „Nicht gut, ich bin einsam“, „Ich lebe in dem und dem Bereich nicht in Freiheit“ oder „Ich habe niemand, der mich liebt und sich um mich kümmert“.

Leider werden in jeder Gesellschaft, egal ob in Jerusalem zur Zeit des Alten Testaments oder heute in Berlin, New York oder in Ihrer Straße, solche Menschen oft übersehen. Vielen geht es so. Und diese Menschengruppen sind nicht die Ausnahme. Heimatlose, Geflüchtete, Menschen mit zerstrittenen oder gar keinen Familien, in der Gesellschaft Benachteiligte, Kranke, Hilflose, wären heute vielleicht die, an die etliche zuerst denken.

Und wenn ich ganz ehrlich zu mir selber bin: Entweder gehören Sie und ich zu einer der vorher genannten Menschengruppen und haben das Gefühl, oft übersehen zu werden oder kein Verständnis in Ihren Nöten zu finden. Oder Sie gehören zu der Gruppe, die andere Menschen in Not – auch unabsichtlich - oft übersehen. Sei es im Bus, auf der Arbeit oder in der Gemeinde. Das ist traurig, aber leider wahr. Ermutigend ist, dass dieser Vers uns zeigt, dass trotz unseres Versagens Gott diese Menschen sieht, sie liebt und ihnen helfen will. Damals und auch heute.

Ich denke an Beispiele in der Bibel wie Hagar, die Gottes Hilfe in der Wüste erlebt. Oder die Witwe, die Gott durch den Propheten Elia versorgt. Die Besessenen, die Jesus im neuen Testament befreit. Und auch heute finden einsame Menschen in Gemeinde Familie, werden frei von Gebundenheit und finden ein Zuhause in der Familie Gottes. Und das ist ermutigend, denn auch wenn der Psalmbeter diesen Vers vor vielen Jahren geschrieben hat, ist Gottes Güte und Barmherzigkeit eine Realität, die Sie und ich heute noch genauso erleben können. Unser Wunsch sollte sein, dass wir jedem Menschen, dem wir begegnen, eine Begegnung mit diesem guten Gott wünschen. Denn auch heute, an diesem Tag, in diesem Moment, ist Gott ein Gott, der die sieht, die übersehen werden.

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