/ Wort zum Tag
Jesus ist Jude
Die Bibelstelle Apostelgeschichte 13,23 – ausgelegt von Jutta Schierholz.
Aus Davids Geschlecht hat Gott, wie er verheißen hat, Jesus kommen lassen als Heiland für das Volk Israel.
Shabbat Shalom! Heute ist Samstag. Heute haben unsere jüdischen Mitbürger ihren Ruhetag. Ich freue mich, dass es in unserem Land jüdische Gemeinden gibt. Denn das Judentum ist die Grundlage des Christentums. Jesus ist Jude, ebenso wie Paulus, von dem der Lehrtext der heutigen Losung der Herrnhuter Brüdergemeine stammt. Dieser Vers steht in der Apostelgeschichte, Kapitel 13, Vers 23. Dort steht: „Aus Davids Geschlecht hat Gott, wie er verheißen hat, Jesus kommen lassen als Heiland für das Volk Israel.“
Paulus spricht diese Worte im Rahmen eines jüdischen Gottesdienstes in der Synagoge von Antiochia in Syrien. Denn Paulus glaubt, dass Jesus der Messias ist, auf den die Juden seit Alters her warten. Und er ordnet ihn hier in die jüdische Geschichte ein: Jesus steht in einer Linie mit David, dem großen König der Juden.
In Jesus ist die Erfüllung dieser alten jüdischen Hoffnung gekommen. Christen gibt es nur, weil es vorher schon Juden gab. Das Alte Testament, also die jüdischen Schriften, bilden die Basis für das Neue Testament. Deswegen verdienen Juden und deren Gemeinden gerade von Christen besonderen Respekt. Und deshalb finde ich es aber auch sehr betrüblich, dass jüdische Gemeinden und Einrichtungen in Deutschland derzeit nicht ohne Polizeischutz auskommen. In Berlin-Kreuzberg und Nord-Neukölln, wo ich arbeite, ist es besonders deutlich, warum das nötig ist. Immer wieder finden hier israelfeindliche Demonstrationen statt. Und in unmittelbarer Nähe des einen Platzes, wo sich oft Demonstranten versammeln, steht aber auch eine Synagoge. Die Synagoge am Fraenkelufer.
Mein Pastorenkollege Dietmar Päschel von der Adventgemeinde Hasenheide hat unmittelbar nach dem 7. Oktober 2023 eine Mahnwache vor dieser Synagoge initiiert. Immer freitagabends vor Beginn des Abendgebets versammeln sich Anwohner und Freunde der jüdischen Gemeinde vor der Synagoge und bleiben so lange dort, bis das Gebet in der Synagoge zu Ende ist. Natürlich ist dort auch immer viel Polizei vor Ort, aber diesen Menschen ist es wichtig zu zeigen: „Wir wollen, dass ihr als jüdische Gemeinde hier in Ruhe Gottesdienst feiern könnt. Wir wollen, dass es euch hier gibt, und wir wollen mit dazu beitragen, dass ihr euch hier sicher fühlen könnt.“
Diese Mahnwachen finden nun schon seit über zweieinhalb Jahren jeden Freitag statt. Dietmar, der Pastor, ist inzwischen nur noch selten dabei, aber es hat sich inzwischen eine feste nachbarschaftliche Gruppe gebildet, die dort vor der Synagoge zusammenkommt. Neue Freundschaften sind entstanden und es ist immer eine fröhliche Runde, die da zum Plaudern zusammenkommt. Da werden Neuigkeiten ausgetauscht, da werden Verabredungen getroffen, da wird auch viel gelacht und entspannt in den Abend hineingelebt. Ich finde es wunderbar zu sehen, dass der Schutz jüdischen Lebens auch Spaß machen kann. Und dass das auch anregende Impulse in die übrige Gesellschaft senden kann.
Ähnliche Initiativen gibt es auch an anderen Orten in Deutschland. Sie sind wichtig, gerade jetzt. Denn nur da, wo die Wurzeln des eigenen Glaubens gepflegt werden, kann dieser auch wirklich gedeihen.
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