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Du strahlst heute!

Die Bibelstelle Epheser 5,8 – ausgelegt von Gesine Möller.

Einst wart ihr Finsternis, jetzt aber seid ihr Licht im Herrn. Lebt als Kinder des Lichts.

Epheser 5.8

An einem lauwarmen Sommerabend sitze ich auf dem Balkon. Es ist schon so dunkel, dass ich kein Buch mehr lesen kann, ohne das elektrische Licht einzuschalten. Ich schaue in Richtung Wiese, die direkt an einen Wald grenzt. Da traue ich meinen Augen kaum. Die Wiese beginnt zu leuchten. Lauter kleine, helle, gelb-grüne Punkte erstrahlen und erlöschen wieder. Dazu ein Konzert von Gezirpe. Es ist wieder so weit – die Grillen sind auf Partnersuche. Sie locken mit ihrem Licht und ihrer Musik ein Weibchen an. Wer am schönsten und hellsten leuchtet, hat beste Chancen auf Erfolg. Das Phänomen, dass Tiere leuchten können, nennt sich Biolumineszenz. Eine chemische Reaktion im Körper der Käfer führt zu diesem Leuchten. Das ist in der Fauna gar nicht so selten. Ja, sogar 76 Prozent aller Tiere im Ozean leuchten, so steht es in einem Beitrag von Liz Angley, der 2025 bei National Geographic veröffentlicht wurde. Das ist faszinierend. Das Leuchten erfüllt mehrere Zwecke: Partnersuche, Beute anlocken, Verständigung unter Seinesgleichen.

Bei Menschen gibt es diese Fähigkeit nicht, obwohl es den Ausdruck gibt: Du strahlst ja heute! Es beschreibt einen Gesichtsausdruck, der davon zeugt, dass sich etwas sehr Schönes ereignet haben muss. Freude, Glück…irgendetwas in dieser Richtung. Das Strahlen kommt aus den Augen, dem Mund und der Körperhaltung. Auch dieses Strahlen bewirkt etwas. Einem strahlenden Menschen zu begegnen, führt oft dazu, dass auch das Gegenüber reflexartig zu strahlen beginnt. Im heutigen Bibelvers aus dem Epheserbrief, Kapitel 5,8 schreibt der Verfasser: „Denn ihr wart früher Finsternis, nun aber seid ihr Licht in dem Herrn.“

Jetzt habe ich schon erklärt, dass Menschen eigentlich nicht selbst leuchten können. Was sie aber können, ist die Eigenschaften und Wesenszüge Jesu Christi in sich wirken und aus sich herausströmen lassen. Das ist durch den Heiligen Geist möglich, den Christus in die Herzen der Menschen ausgießt. Dabei ist das Menschenherz wie ein Gefäß, so hat es der Zisterzienser Mönch Bernhard von Clairvaux beschrieben, das sich von Gott füllen lassen muss. Erst, wenn das Gefäß ganz gefüllt ist, kann es überfließen und zu anderen hinfließen. Erst, wenn ich selbst in Kontakt mit der lebendigen Quelle Jesus Christus in Verbindung gekommen bin, kann ich auch aus dieser Quelle schöpfen und für andere eine Inspiration, eine Tröstende, ein Zeugnis sein.

Was in der Tierwelt funktioniert, geht bei mir nicht. Und soll auch gar nicht gehen. Ich soll mit der Licht-Quelle verbunden sein. Ich soll und brauche nicht aus eigener Kraft und Anstrengung versuchen, ein Licht hervorzubringen. Ganz im Gegenteil. Die paulinisch anklingende Formulierung „in dem Herrn“ besagt es eindeutig, dass der Ursprung für das Lichtsein nicht in mir selbst zu suchen und zu finden ist, sondern ausschließlich im Herrn. In dem Herrn, der von sich selbst sagt: „Ich bin das Licht der Welt.“ Christus ist die einzig wahre Quelle für Licht und Liebe, aus der das Leben strömt. An ihn angeschlossen sein, in seiner Liebe zu bleiben und seine Werke zu tun, ist meine Bestimmung. In seinem Licht wandeln heißt dann auch, mit Güte und Gerechtigkeit dem anderen ins Gesicht sehen. Das meint der zweite Teil des Verses: Wandelt als Kinder des Lichts. Die Wesenszüge und Eigenschaften Jesu Christi sind wie ein Erbgut, das meine Persönlichkeit prägen will. Als Kind Gottes trage ich dieses Potenzial in mir, wenn ich durch den Glauben an Christus eine neue Kreatur geworden bin. Wenn ich wiedergeboren bin. Mein Umgang mit mir und anderen ist dann durchleuchtet von Gottes Barmherzigkeit, Güte, Wahrheit und noch viel mehr. Vielleicht und bestimmt sagt mein Gegenüber dann auch zu mir: Du strahlst aber heute wieder!

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