/ Wort zum Tag
„Dein Glaube hat dir geholfen!“
Die Bibelstelle Matthäus 9,22 – ausgelegt von Claudia Schmidt.
Jesus sprach: Sei getrost, meine Tochter, dein Glaube hat dir geholfen. Und die Frau wurde gesund zu derselben Stunde.
Seit 12 Jahren ist Hanna unrein. Die ständigen Blutungen rauben ihr alle Kraft. Das jüdische Reinheitsgebot verbietet ihr jegliche Kontakte. Alles, was sie anfasst, wird unrein. Wer sie berührt, muss ein aufwendiges Reinigungprozedere durchlaufen. Sie ist wie eine Aussätzige. Isoliert, einsam, verzweifelt und müde.
Aber dann erfährt Hanna von diesem Mann aus Nazareth. Ein Wunderheiler. Jesus ist sein Name. Die Menschenmassen versammeln sich um ihn, als er in die Stadt kommt. Das ist ihre Chance. Mutig mischt sich Hanna unters Volk und drängt sich nach vorne zu Jesus. Wenn sie doch nur einen Zipfel seines Gewandes berühren kann, dann ist sie gesund. Diese Überzeugung gibt ihr Kraft. Sie lässt sich nicht abdrängen. Gleich hat sie es geschafft. Sie greift nach dem Saum seines Gewandes und spürt sofort, wie eine heilende Wärme sie durchströmt.
Aber dann hält Jesus abrupt inne, weil er spürt, dass eine Kraft von ihm ausgegangen ist. „Wer hat mich berührt?“, fragt Jesus in die Menge. Dutzende könnten es sein. Verlegen und schuldbewusst schaut Hanna unter sich. Sie hat das Gesetz gebrochen. Das hätte sie nicht tun dürfen. Ohne aufzublicken, spürt sie, dass Jesus sie anschaut. Er hat sie entdeckt. Zitternd vor Angst fällt sie vor Jesus auf die Knie und gesteht, was sie getan hat. Und was tut Jesus? Liebevoll wendet er sich ihr zu und sagt: „Sei getrost, meine Tochter, dein Glaube hat dir geholfen.“
Dieser Satz steht im Matthäus Evangelium, in Kapitel 9, Vers 22. Die gleiche Geschichte ist auch in Markus 5 und in Lukas 8 überliefert. In den biblischen Berichten hat diese Frau keinen Namen. Ich nenne sie Hanna, damit wir uns etwas besser in ihre Verzweiflung und Not hineinversetzen können.
In Matthäus 9, Vers 22 heißt es weiter: „Und die Frau wurde gesund zu derselben Stunde.“ Wie viele Menschen leiden heute unter einer unheilbaren Krankheit oder einer hoffnungslosen Situation und wünschen sich auch so eine „Sofortheilung“. Als Jesus damals auf unserer Erde ist, passieren solche Heilungen am laufenden Band. Die Menschen kommen in Strömen zu Jesus, um von ihm angerührt und geheilt zu werden.
Heute passiert es manchmal. Aber nicht immer. Nicht auf Knopfdruck. Zwei Dinge faszinieren mich an dieser Geschichte.
1. Der mutige Glaube dieser Frau. Als sie Jesus nachfolgt und sich in die Menge begibt, riskiert sie alles – Spott und Schande. Sie weiß: Ich muss diesem Jesus nahekommen. Ich muss ihn berühren. Dann werde ich heil.
2. Die Reaktion von Jesus. Er sagt nicht zu der Frau: „Meine Kraft hat dich gesund gemacht.“ Er sagt: „Dein Glaube hat dir geholfen, meine Tochter. Sei getröstet.“ Keine Bloßstellung. Kein Vorwurf. Jesus begegnet dieser Frau, die verzweifelt und zitternd vor ihm am Boden kniet, liebevoll und zugewandt. Und diese Begegnung ist am Ende für sie tröstend, wertschätzend, aufrichtend, heilend und lebensverändernd.
Ich wünsche Ihnen, dass auch Sie sich mutig auf den Weg machen, um Jesus zu begegnen und dass Sie dabei seine aufbauende und lebensverändernde Kraft und Nähe erfahren.
© Ruth Schneider / ERF
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