/ Wort zum Tag
Wenn nicht jetzt, dann später
Die Bibelstelle Johannes 16,24 – ausgelegt von Klaus Jürgen Diehl.
Jesus spricht: Bisher habt ihr um nichts gebeten in meinem Namen. Bittet, so werdet ihr empfangen, auf dass eure Freude vollkommen sei.
Von dem großen Theologen und Naturwissenschaftler Karl Heim stammt das Wort: „Es gibt im Grunde nur zwei Arten von Menschen: Solche, die beten – und jene, die es aus welchen Gründen auch immer nicht tun“. Demnach zählt das Gebet zu den grundlegenden Merkmalen, durch die wir Menschen uns voneinander unterscheiden. Tatsächlich ist es so, dass auch in unserer säkularen Gesellschaft immer noch viele Menschen beten. Dabei sind sie häufig nicht wirklich davon überzeugt, dass ihre Gebete von Gott im Himmel gehört oder auch erhört werden. Für manche ist das Gebet eher ein meditatives Selbstgespräch mit der eigenen Seele mit dem Ziel, innerlich zur Ruhe zu kommen. Auf der anderen Seite aber sind manche Beter enttäuscht, wenn sie auf ihre Gebete keine Antwort bekommen. Viele stellen deshalb dann auch das Beten ein.
Im Neuen Testament ermuntert Jesus seine Anhänger immer wieder zum vertrauensvollen Gebet zu Gott als ihrem himmlischen Vater und verspricht ihnen dabei die Erhörung ihrer Gebete. So sagt er zu seinen Jüngern im Johannesevangelium, Kapitel 16, Vers 24: „Bisher habt ihr um nichts gebeten in meinem Namen. Bittet, so werdet ihr empfangen, auf dass eure Freude vollkommen sei“. Das klingt wie ein Blanko-Versprechen für die Erfüllung aller unserer Bitten, mit denen wir uns erwartungsvoll an Gott wenden.
Aber machen dabei auch Christen nicht die Erfahrung, dass sie eben nicht bekommen, um was sie manches Mal Gott inständig mit heißem Herzen gebeten haben? Ja, so ist es. Doch übersehen wir bei dem Versprechen Jesu oft die entscheidenden Worte, dass wir „in seinem Namen“ den Vater im Himmel bitten sollen. Nun, diese drei kleinen Worte sind keine unwesentliche Randbemerkung. Vielmehr will Jesus uns damit anleiten, dass wir uns in unsern Bitten von dem leiten lassen, was er in dieser Situation für uns vorgesehen hat und was darum aus seiner Sicht zu unserm Besten dient. Das bedeutet, dass wir zwar unsere Anliegen so vor unserm himmlischen Vater ausbreiten dürfen, wie uns zumute ist und welche Erfüllung wir von ihm erbitten. Aber wir sollen es zugleich in der Bereitschaft tun, dass Gott auf unser Gebet anders antwortet, als wir es zunächst konkret erhofft haben. Ebenso, wie es uns Jesus an anderer Stelle im Vaterunser gelehrt hat: „Vater dein Wille geschehe“! Das zu akzeptieren fällt uns nicht immer leicht, denn es fordert uns heraus, an unserm Vertrauen zu Gott festzuhalten, auch wenn manches in unserm Leben eben nicht wunschgemäß läuft.
Vor einigen Monaten starb der Württemberger Pfarrer Christian Lehmann im Alter von 48 Jahren. Er hat im Internet bis zuletzt offen über seine schwere Krebserkrankung gesprochen. Er hat dabei deutlich gemacht, dass er mit vielen anderen Gott inständig um seine Heilung bete und er die Hoffnung auf Heilung nicht aufgeben wolle. Aber dann sagte er in einem Gespräch mit dem ERF auch: „Wenn Gott mich in diesem Leben nicht wieder gesund macht, dann bin ich doch darin gewiss, dass er mir im künftigen Leben in seinem Reich völlige Heilung schenken wird“. Ich empfand diese Worte als ein starkes Zeugnis des Vertrauens, dass Gott sein Gebet um Heilung erhören werde – wenn nicht jetzt, dann später! Ich wünsche Ihnen, dass Sie sich durch Zeugnisse wie dem von Christian Lehmann immer wieder zu solch vertrauensvollem Gebet ermutigen lassen.
© Ruth Schneider / ERF
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