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/ Wort zum Tag

Das Ziel im Blick

Die Bibelstelle Hebräer 12,1-2 – ausgelegt von Silke Stattaus.

Lasst uns laufen mit Geduld in dem Kampf, der uns bestimmt ist, und aufsehen zu Jesus, dem Anfänger und Vollender des Glaubens.

Hebräer 12,1–2

Es ist viele Jahre her zu DDR-Zeiten. Durch ein kleines – nein, eigentlich ein großes – Wunder bekommen wir die Möglichkeit, einen nagelneuen Trabbi zu kaufen. Ohne zwölf Jahre Wartezeit, wie das damals üblich war. Eine Frau, die uns wohlgesonnen ist, überträgt uns ihre Auto-Anmeldung, weil sie selbst kein Auto mehr braucht.

Unsere Freude ist riesig. Allerdings liegt meine Fahrschulprüfung schon einige Zeit zurück. Fahrpraxis habe ich kaum. Also muss ich wieder üben. Im normalen Straßenverkehr klappt das ganz gut. Wenn da nur nicht die vielen Autobahnbaustellen wären. Davor habe ich Respekt. Was ist, wenn ich plötzlich zwischen einem Auto und der Leitplanke fahre? Wenn der Platz eng wird? Wenn ich einen Schlenker mache oder die Spur nicht halten kann?

Von dieser Sorge erzähle ich einem guten Freund. Er hört mir aufmerksam zu und gibt mir dann einen einfachen Tipp: „Du wirst keinen Schlenker machen, wenn du dein Ziel im Blick behältst. Schau nicht nach rechts und nicht nach links auf das, was dir Angst macht. Schau nach vorne – und behalte dein Ziel im Auge.“

Diese Begegnung liegt inzwischen über vierzig Jahre zurück. Aber bis heute denke ich in engen Baustellen oder schwierigen Verkehrssituationen an diesen Rat: Behalte dein Ziel im Blick.

Als ich den heutigen Tagesvers aus der Herrnhuter Losung lese, kommt mir dieser Satz sofort wieder in den Sinn. Er steht im Hebräerbrief und wurde an die Jesusnachfolger im ersten und zweiten Jahrhundert geschrieben.

Sie sind entmutigt. Ihr Glaube bringt ihnen Schwierigkeiten ein. Sie werden angefeindet, ausgegrenzt und teilweise sogar gewaltsam verfolgt. Wie sollen sie da zuversichtlich bleiben?

Der unbekannte Schreiber gibt ihnen eine klare Orientierung:

Schaut nicht auf das, was euch Angst macht. Schaut auf Jesus.

„Lasst uns laufen mit Geduld in dem Kampf, der uns bestimmt ist, und aufsehen zu Jesus.“

Das klingt zunächst einfach. Aber jeder weiß: So leicht ist das nicht. Wer Angst hat, schaut automatisch auf das Problem. Auf das, was eng wird, bedrohlich oder unsicher.

Darum erinnert der Hebräerbrief seine Leser an ihr eigentliches Ziel: Jesus. Ihm wollen sie gehören, treu bleiben. Und andere Menschen zu ihm einladen.

Doch der Schreiber macht ihnen nichts vor. Der Weg des Glaubens kann anstrengend sein. Er spricht sogar von einem Kampf. Deshalb braucht es Geduld und Ausdauer.

Aber er sagt auch: Dieser Weg führt nicht ins Leere. Denn Jesus selbst ist der „Anfänger und Vollender des Glaubens“. Das heißt: Er hat den Glauben in uns begonnen – und er wird ihn auch ans Ziel bringen. Darauf dürfen Christen vertrauen.

Wir leben heute in einem Land, in dem wir unseren Glauben frei bekennen dürfen. Wir können uns zu Jesus stellen, ohne Verfolgung fürchten zu müssen. Das ist ein großes Geschenk. Und für mich ein täglicher Grund zur Dankbarkeit.

Gleichzeitig frage ich mich: Wie lebe ich meinen Glauben in dieser Freiheit?

Vielleicht hilft mir auch dabei der einfache Rat unseres inzwischen verstorbenen Freundes, den er mir für die Autobahnbaustellen gegeben hat:

  • Schau nach vorne.
  • Behalte dein Ziel im Blick.

Und ich ergänze: Schau auf Jesus!

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