/ Wort zum Tag
„Darf‘s ein bisschen mehr sein?“ – Wie Gott mit uns umgeht
Die Bibelstelle Ruth 2,12 – ausgelegt von Monika Scherbaum.
Boas sprach zu Ruth: Du bist gekommen zu dem HERRN, dass du unter seinen Flügeln Zuflucht hättest.
„Darf’s ein bisschen mehr sein?“ – diesen Satz höre ich oft beim Metzger. Meist mit einem Lächeln gesagt, leicht, fast nebenbei. Natürlich ist es kein Geschenk, sondern die Frage, ob es ein wenig mehr sein darf, als ich bestellt habe. Und doch hat dieser Satz etwas Freundliches: ein kleines „Mehr“ als notwendig. Ein Wort, das mich an Großzügigkeit erinnert.
Mit diesem Gedanken tauche ich in die Geschichte von Ruth ein. Ihr Weg besteht aus einfachen, treuen Schritten: früh aufstehen, hinaus aufs Feld, Ähren sammeln. Harte Arbeit – staubig, unscheinbar, ohne Applaus. Und doch sieht Gott genau ihr Leben und beschenkt sie.
Die Losung präsentiert uns den Kern aus Ruth 2,12: „Du bist gekommen zu dem HERRN, dass du unter seinen Flügeln Zuflucht hättest.“ Ein Satz voller Wärme und Nähe.
Doch heute darf es ein bisschen mehr sein. Darum hören Sie den ganzen Vers aus Luther 2017: „Der HERR vergelte dir deine Tat, und dein Lohn möge vollkommen sein bei dem HERRN, dem Gott Israels, zu dem du gekommen bist, dass du unter seinen Flügeln Zuflucht hättest.
Drei Gedanken dazu:
1. Ein bisschen mehr Segen
Boas sieht Ruths Weg und spricht dieses Segenswort, es wirkt fast priesterlich. Er rechnet mit Gottes Handeln, Lohn und Zuwendung.
2. Ein bisschen mehr Blick
Gott sieht die Treue, die niemand sieht. Ruth kommt mit leeren Händen, doch mit einem vollen Herzen. Und Boas macht ihr klar: Gott übersieht das nicht.
3. Ein bisschen mehr Nähe
Zuflucht unter Gottes Flügeln ist ein zärtliches Bild von Geborgenheit, Schutz und Nähe. Ruth kommt müde und fremd und Gott macht sie zu einer Frau, die unter seinen Flügeln wohnt. Gemeint ist, sie darf ganz bei Gott geborgen sein.
Gottes Großzügigkeit zeigt sich bei Ruth im Kleinen: ein Feld, auf dem sie sammeln darf; ein Mann, der sie freundlich behandelt; genug Getreide für den Tag. Hinter all dem steht Gottes liebevolle Hand. Und diese Spur führt weiter zu Jesus: Er gibt nicht nur Brot, er gibt sein Leben. Durch Jesu Sterben und seine Auferstehung schenkt Gott Rettung und Versöhnung.
Wer von Gottes Großzügigkeit berührt wird, spürt den Auftrag, sie weiterzugeben – im Blick, im Zuhören, im Dasein für andere. Ruth ist eine Fremde im Land, und sie wird nicht übersehen. Das stellt auch mir die Frage: Wie gehe ich mit Menschen um, die wenig haben, wenig gesehen werden, wenig zählen?
Und es kann sein: vielleicht erleben Sie selbst gerade ihr Leben als „Ährenlesen“ – treue, unscheinbare Schritte, die kaum jemand wahrnimmt. Gott sieht sie. Und er lädt Sie ein, heute irgendwo ein kleines „Darf’s ein bisschen mehr sein?“ weiterzugeben: ein bisschen mehr Zeit, ein bisschen mehr Geduld, ein bisschen mehr Liebe.
Gott gibt Ihnen die Fülle, aus der Sie leben und er birgt Sie unter seinen Flügeln.
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