/ Wort zum Tag
Makellos
Die Bibelstelle Psalm 12,7 – ausgelegt von Karsten Hellwig.
Die Worte des HERRN sind lauter wie Silber, im Tiegel geschmolzen, geläutert siebenmal.
Eine Gesellschaftsanalyse: „Es sind nur noch wenige, die sich nach Gott richten. Es ist aus mit dem guten Miteinander. Verschwunden sind die Treuen, die Zuverlässigen unter den Menschen. Einer redet mit dem anderen Lug und Trug. Sie reden doppelzüngig, mal so und mal so - Heuchler mit großen Worten. Sie sagen von sich selber: ‚Durch unser Reden beweisen wir Stärke. Unsere Schlagfertigkeit steht uns bei. Wer kann uns schon was sagen?!‘“?
Diese Analyse lese ich in Psalm 12. Ich bin wirklich erschrocken darüber, wie sehr sich das nach heute anhört.
Wenige Tage vorher hatte ich den Artikel eines Politikers unserer aktuellen Regierung gelesen. Ich hatte ihm per Mail mitgeteilt, dass ich mich freue, dass jemand einfach mal die Wahrheit sagt und zugleich meiner Ratlosigkeit Ausdruck gegeben, was ich als einfacher Bürger tun kann. Ich bekam folgende Antwort:
„Dass Sie angesichts mancher politischer Entwicklungen Frustration empfinden, kann ich gut nachvollziehen. Bitte verlieren Sie dennoch nicht den Mut. Das Wichtigste, was Sie als Bürger tun können, ist genau das, was Sie bereits tun: kritisch bleiben, sich informieren und Haltung im eigenen Familien- und Bekanntenkreis zeigen. Ein gesellschaftliches Umdenken beginnt oft im Kleinen durch klare Worte.“ Soweit der Auszug aus der E-Mail.
Worte. Gebete. David hat damals die Klage-Analyse in sein Gebet genommen: „Hilf doch, HERR!“ Und Gott betont als Antwort seine Haltung und sagt: „Weil die Elenden Gewalt leiden und die Armen seufzen, stehe ich jetzt auf. Ich will den in Sicherheit bringen, gegen den sie anschnauben.“
Und David sagt daraufhin: „Die Worte des HERRN sind makellos; sie sind klar und rein wie Silber, das im Schmelzofen geläutert und siebenmal gereinigt wurde.“ Das ist das heutige Bibelwort der Herrnhuter Losungen aus Psalm 12,7. David stellt dem allgemeinen Rumgetrickse und Gelaber die Verlässlichkeit der Worte und Zusagen Gottes gegenüber.
Ich möchte mich darin üben diesem makellosen, lauteren Gotteswort zu vertrauen. Dem geschriebenen Wort und dem, was Gott daraus immer wieder in meinem Herzen verankert. Ich möchte geduldig bleiben trotz und gerade wegen der vielen Ungerechtigkeiten und Lügen in dieser Welt, in meinem Umfeld und in mir selber. Gott leidet mit und will helfen. Und gerade in schwierigen Situationen kommt seine Hilfe oftmals unerwartet klar durch.
Ich frage mich:
Wo kann ich mich mit einbringen in die Bewegung Gottes, der den Entrechteten und Benachteiligen nahesteht? Wo kann ich selber gerecht und hilfreich leben? Wie ist es mit meiner Wahrhaftigkeit bestellt?
Wir – meine Familie und ich - haben 4 Jahre in Ostberlin gelebt. Am Anfang mussten wir uns an die sogenannte Berliner Schnauze gewöhnen. Mit der Zeit hat sie uns gut getan. Direkt und herzlich waren die Leute. Klartext reden und nicht wie die Katz um den heißen Brei schleichen.
Wir bleiben immer bedürftig mit unseren Worten. Makellos sind allein die Worte des HERRN, wie wir es in dem heutigen Bibelwort lesen können. Ich bete darum, dass die Klarheit und Reinheit des Wortes Gottes auf mich abfärbt.
© Ruth Schneider / ERF
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