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Gott richtet und trägt sein Urteil selbst

Die Bibelstelle Psalm 76,9-10 – ausgelegt von Günther Röhm.

Das Erdreich erschrickt und wird still, wenn Gott sich aufmacht zu richten, dass er helfe allen Elenden auf Erden.

Psalm 76,9–10

Ich bin ein schreckhafter Mensch. Meine Frau und meine Kinder lachen oft, wenn ich mich in einer harmlosen Situation erschrecke, wenn ich zusammenzucke, zittere und manchmal sogar schreie. Weshalb ich so schreckhaft bin, weiß ich nicht. Allgemein lässt sich sagen: Ein Mensch erschrickt, wenn er in einer Situation, in der er sich sicher fühlt, plötzlich überrascht und vielleicht sogar überrumpelt wird.

Der Psalmbeter Asaph ruft im Ps. 76, 9b-10: „Das Erdreich erschrickt und wird still, wenn Gott sich aufmacht zu richten, dass er helfe allen Elenden auf Erden.“

Asaph weiß: Seine Zeitgenossen haben sich ein sehr einseitiges Gottesbild gebastelt. Sie denken von Gott, er sagt zu allem, was sie tun und treiben, „Ja und Amen“. Sie denken von Gott, er lässt fünfe grade sein. Sie denken von Gott, er nimmt sein Wort nicht so ernst.

Jetzt zeichnet Asaph in Psalm 76 ein anderes Gottesbild. In der Lutherbibel ist der Psalm 76 mit „Gott, der furchtbare Richter“ überschrieben. Gott ist kein Gott, der zu allem „Ja und Amen“ sagt. Gott lässt fünfe nicht einfach gerade sein. Gott lässt sein Wort nicht in Frage stellen. Gott ist ganz anders. Er passt in kein menschlich ausgedachtes Schema. Gott passt auch nicht in ein theologisches Schema. Gott lässt sich nicht instrumentalisieren. Gott lässt sich auch nicht von irgendwelchen Ideologien vereinnahmen. Gott lässt sich weder vor einen ideologischen noch vor einen theologischen Karren spannen. „Gott ist der ganz andere“, so hat es der Theologe Karl Barth ausgedrückt.

D.h. mit anderen Worten: Wenn sich Gott offenbart, dann erschrickt der Mensch. Der Mensch erschrickt, weil Gott so ganz anders ist. Im Hebräerbrief, Kapitel 10 Vers 31 heißt es: „Es ist schrecklich, in die Hände des lebendigen Gottes zu fallen.“ Besonders schrecklich ist es für den Menschen, der sich in seinem frommen System eingerichtet hat und Gott sich nach seinem Bild bastelt.

„Das Erdreich erschrickt und wird still, wenn Gott sich aufmacht zu richten…“,

so sagt Asaph. Gott ist ein Richter. Vor seinem Richterstuhl müssen alle Menschen erscheinen und offenbar werden. Das gibt ein großes Erschrecken.

So ähnlich hat es auch Hiob erlebt.

Hiob hat Hab und Gut und seine Kinder verloren. In seinem Unglück hadert er verständlicherweise mit Gott. Sein bisheriges Gottesbild passt mit seinem Leid und seinem Unglück nicht zusammen. Dann macht sich Gott auf und offenbart sich Hiob. Er stellt ihm Fragen über Fragen. Hiob erschrickt: Gott ist ganz anders! Hiob wird still und findet keine Worte mehr auf die Fragen Gottes. Das Gespräch Gottes mit Hiob ist nachzulesen im Buch Hiob ab Kapitel 38. Aber in den Fragen Gottes erlebt Hiob, wie Gott in seinen Richterfragen, ihm, dem Elenden und Leidgeprüften, hilft. Zum Schluss bekennt Hiob vor Gott: „Ich hatte von dir nur vom Hörensagen vernommen, aber nun hat mein Auge dich gesehen. Darum spreche ich mich schuldig und tue Buße in Staub und Asche.“ (Hiob 42, 5+6)  

Wenn Gott richtet, dann hilft ER dem Elenden auf Erden.

Dann steht ein leidgeprüfter, elender Hiob auf.
Dann steht ein gekreuzigter Jesus Christus von den Toten auf.

Dann schreibt der Apostel Paulus im Römerbrief, Kap. 8:

„So gibt es nun keine Verdammnis für die, die in Christus Jesus sind… Ist Gott für uns, wer kann wider uns sein? Der auch seinen eigenen Sohn nicht verschont hat, sondern hat ihn für uns alle dahingegeben – wie sollte er uns mit ihm nicht alles schenken? Wer will die Auserwählten Gottes beschuldigen? Gott ist hier, der gerecht macht. Wer will verdammen? Christus Jesus ist hier, der gestorben ist, ja mehr noch, der auch auferweckt ist, der zur Rechten Gottes ist und für uns eintritt. Wer will uns scheiden von der Liebe Christi? Trübsal oder Angst oder Verfolgung oder Hunger oder Blöße oder Gefahr oder Schwert? Aber in dem allen überwinden wir weit durch den, der uns geliebt hat. Denn ich bin gewiss, dass weder Tod noch Leben, weder Engel noch Mächte noch Gewalten, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Hohes noch Tiefes noch irgendeine andere Kreatur uns scheiden kann von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserm Herrn.“ (Röm. 8, 1 + 31-39) 

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