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/ Bibel heute

Zions künftige Herrlichkeit (1)

Ursula Hellmann über Jesaja 60,1-14.

Mache dich auf, werde licht; denn dein Licht kommt, und die Herrlichkeit des HERRN geht auf über dir! Denn siehe, Finsternis bedeckt das Erdreich und Dunkel die Völker; aber über dir geht auf der HERR, und seine Herrlichkeit erscheint über dir. Und die Völker werden zu deinem Lichte ziehen und die Könige zum Glanz, der über dir aufgeht.[...]

Jesaja 60,1–14

Advent, Advent! Ein Lichtlein brennt! Das liegt jetzt auch bereits drei Tage zurück! Ist es denn draußen dunkel – nichts mehr zu sehen? Aber nein! Die Straßenbeleuchtung flackerte schon kurz nach drei Uhr auf, die Wände der Häuser rechts und links und gegenüber bekamen schon viele Stunden vorher helle Lücken in ihre dunkle Fassade. Außerdem stehen an der Straße entlang seit Tagen neonbeleuchtete Weihnachtsbäume in den Vorgärten. Ganz zu schweigen von der Scheinwerfer-Karawane in beide Richtungen der Bundesstraße. Da kann ich wirklich nicht sagen: Draußen ist es dunkel, und alle Menschen warten sehnsüchtig darauf, dass das Licht endlich kommt.

Tja, Jesaja, da bist du wohl mit der Ankündigung, das Licht wäre zumindest auf dem Weg zu uns, ein bisschen sehr spät dran. Außerdem verkündigst du deine - an sich ja recht positive - Nachricht in einer -entschuldige bitte – ziemlich kryptischen Form: „Mache dich auf, werde licht!“ Bitte schön, wer soll sich aufmachen und zu was und wohin?

Reklame fürs Licht?

Leute, die du kanntest, die deine Art zu reden verstanden, die konnten sich hoffentlich daraus einen Reim machen. Aber ich blick‘ das nicht. Es würde mich schon interessieren, was hinter deinem anscheinend wichtigen Aufruf steckt. Es labern jeden Tag so viele Anwerber in allen Medien, die was von mir wollen; das geht mir so was zum einen Ohr rein, zum andern raus und landet sofort in meinem Kopf-Papierkorb. Du kommst aber nicht bloß aus den Zwischen-Spot-Clips von gestern!

Wenn ich das richtig getestet hab, hast du schon vor bald 3000 Jahren diese Licht-Reklame, also diese Reklame für das Licht - öffentlich gemacht. Das soll einer verstehen! Selbst zu deinen Lebzeiten hatten die Bewohner von Städten und Dörfern bestimmt genug Fantasie, sich für die dunklen Wochen des Jahres Lichtquellen auszudenken. Schließlich mussten sie ihre Arbeit auch dann erledigen – und dafür waren Lampen dringend nötig.

War vielleicht doch nicht so cool, meiner Kollegin zu versprechen, wirklich jeden Tag mal reinzugucken in dieses Taschenbuch mit dem ulkigen Titel ‚Herrnhuter Losungen‘. Ja, ich weiß, es hat was mit der Bibel zu tun. Da muss wohl auch dieses komplette Kapitel drin sein, wo dieser Spruch von heute zu gehört.  Aber die Silke darf nicht auch noch erwarten, dass ich mir erstmal die ganze Doktorarbeit von diesem Jesaja durchlese, bis ich Klartext versteh. Ich hab es ihr nun mal versprochen, und es sind ja auch nur noch drei Wochen bis zu den letzten Seiten. Wenigstens tu ich ihr heute mal den Gefallen und lese die Seite in der Bibel durch, wo der Tagesspruch zugehört. Irgendwo hab ich doch letztens eine Bibel gesichtet, stimmt! Mutter hatte alles aus dem Schrank geräumt wegen Weihnachtsputz-Anwandlung. Dabei war auch das dicke Buch; und das steht akkurat wieder an seinem Platz! Also dann - auf in den Kampf! Inhaltsverzeichnis ist immer gut – und da hab ich es auch schon. Jesaja! Wieviel Seiten sind das? Zum Glück nicht am Stück, nur artikelweise.

Da ist Kapitel Nummer 60. In echt –es fängt genau mit dem Satz aus dem blauen Heft an. Dein Licht kommt! Schön! Dann bin ich mal gespannt, wann du schellst. Nein, ich bin eigentlich gar nicht so unfair. Ich krieg das schon hin mit dem Lesen der Seite. Es ist ja niemand hier, dem ich laut vorlesen muss. Bloß, wenn so eine Stelle kommt, die mir gefällt, dann denke ich eben laut drüber nach! Das hier zum Beispiel: „Deine Söhne werden von ferne kommen zu dir und deine Töchter auf dem Arm hergetragen werden.“

Erinnerungen an Oma

Das fand ich früher cool. Wenn Oma Geburtstag hatte, wurden wir alle eingeladen in ihr Haus mit Garten und dahinter eine große Wiese. Oma freute sich immer ganz doll, wenn alle ihre Kinder, Enkel und Urenkel am langen Tisch zusammensaßen, wo ihre superleckeren Kuchen auf uns warteten. Als Oma 90 wurde, kamen sogar der Bürgermeister und ein paar reiche Ladenbesitzer. Alle brachten Geschenke mit und küssten Oma die Hand. Oma war ein Schatz! Meist gab es viel zu viel zu essen und zu trinken. Das hat sie am nächsten Tag in dieses Kinderheim gebracht. Fand ich mega-lieb von ihr. Sie konnte aber auch streng sein. Als wir einmal in ihrem Wohnzimmer Fußball gespielt haben - und ihr gutes Geschirr stand noch auf dem Tisch – nur hinterher nicht mehr - oha! Da gab es für unsere Weltcup-Anwärter monatelang Hausverbot! So klein mit Hut waren wir da. Hätten wir nur auf sie gehört und ihr zuliebe ganz woanders Tore gekickt.  Wie war es denn bei dir, alter Jesaja? Hattest du auch so eine einmalige Oma?

Erst mal ein Stück weiterlesen. Moment – was steht da? „In meinem Zorn habe ich dich geschlagen, aber in meiner Gnade erbarme ich mich über dich.“

Das ist ja krass! Jesaja scheint tatsächlich in seiner Familie so einen richtigen Menschen gekannt zu haben. Schimpfen und bestrafen, wie es eben nötig ist und dann schnell wieder gut miteinander sein. Bei so jemandem sind Kinder gerne zu Gast oder sogar zuhause! Was da sonst noch steht, das kriegt aber sogar die beste Oma der Welt nicht hin. Die Völker der ganzen Welt mit ihren Regierungen sollen zu dem liebenswürdigen Hausherrn kommen? Und auch der komplette, kriegsgeschockte Libanon mit all seinen Bäumen aus wertvollem, teurem Holz – eh, das muss ja wohl nur als Beispiel dastehen! Aber wer redet denn so wie meine Oma und ist doch irgendwie himmelhoch von ihr verschieden? Und wer kann es sich leisten, alle Schätze der Welt sein Eigentum zu nennen – und das auch noch mit vollem Recht?

So langsam dämmert mir eins, liebe Kollegin Silke: Du hast mir mit deinem handlichen Geschenk eine zentnerschwere Fuhre aufgeladen!

Wenn jetzt zwei Sekunden Pause hier entstehen, denken Sie sich nichts dabei. Ich fange nur an zu hoffen, dass dieser Lichtstrahl wirklich zu mir unterwegs ist und er dahin leuchtet, wo ich jemanden finde, der meiner Oma ähnlich ist. Jemand, der aber nicht weg geht und mich traurig zurücklässt. Dieser Jesaja hat wohl schon damals echt Kontakt mit diesem mächtigen Herrn gehabt. Und dass er auch vor 3000 Jahren seine Info direkt von Demselben bekam, der auch den Libanon schon kannte und den Staat Israel! Ich sag jetzt erstmal nichts mehr und bin richtig gespannt auf morgen!

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Kommentare (3)

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Rike /

Wenn Frau Hellmann im Krieg leben, Verfolgung erfahren oder an Hunger leiden müsste, wie viele andere Christen auf dieser Welt, wüsste sie, was Jesaja mit Dunkelheit und Finsternis meint und würde mehr

Barbara O. /

Ganz toll Frau Hellmann wie ansprechend natürlich freundlich unterhaltend Sie auch biblisch Unbedarfte aber Neugierige mitnehmen.
Das macht ja mir als 66jährige alte Häsin Freudigkeit auch mal mehr

Felix /

Sehr schöne ansprechende Andacht.
So lebensnah und echt und ungekünstelt!
Ohne die sonst zu hörenden Floskeln.
Hätte noch viel länger zuhören können!
Die Andacht und Verfasserin vermittelte bei mir schöne Momente und Hoffnung :-)
Vielen Dank dafür!!