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/ Bibel heute

Zur Ruhe kommen

Der Bibeltext Hebräer 4,1-13 – ausgelegt von Traugott Farnbacher.

So lasst uns nun mit Furcht darauf achten, dass keiner von euch zurückbleibe, solange die Verheißung noch besteht, dass wir in seine Ruhe eingehen. Denn es ist auch uns verkündigt wie jenen. Aber das Wort, das sie hörten, half jenen nichts, weil sie nicht im Glauben vereint waren mit denen, die es hörten. Denn wir, die wir glauben, gehen ein in die Ruhe, wie er gesprochen hat: »Ich schwor in meinem Zorn: Sie sollen nicht in meine Ruhe eingehen.« Nun waren ja die Werke von Anbeginn der Welt gemacht;[...]

Hebräer 4,1–13

1. Die Verheißung der Ruhe Gottes

Zur Ruhe aus und in Gott kommen – dieser Gedanke durchzieht unsere Verse wie ein roter Leitfaden. Wie ein faszinierendes Sehnsuchts-Ziel oder einen rettenden Raum beschreibt sie der Hebräer-Brief. Wir besitzen sie noch nicht, haben diesen Zustand noch nicht erreicht. Schon im Alten Testament war dies ein wichtiges Anliegen: Gott verheißt es und die Gläubigen bewegt die Hoffnung, dahin zu kommen. Uns Christen ist verheißen, in diese Ruhe eingehen zu dürfen; bei ungläubiger Verweigerung des Willens Gottes und seiner Heilsbotschaft können wir diese aber verpassen. Ist es höchstes Ziel, in diese Ruhe der vollen Gemeinschaft mit Gott zu gelangen, so doch kein Automatismus, als müsse unsere Wanderzeit doch dort enden. Wir können das verfehlen, sagt der Hebräerbrief, der für manch strenge Aussagen über den Weg des Glaubens an Jesus Christus bekannt ist. Nichts jedoch kann Gottes Zusage infrage stellen, dass diese Gottesverheißung gültig bleibt oder aber, dass dies alles nur Ergebnis harter menschlicher Mühe sei.
 

2. Das menschliche Sehnen nach Ruhe und Gottes schöpferisches Wirken

Gehören Sie zu den Menschen, die immer aktiv, voll beschäftigt sein müssen – oder sehnen sie sich öfters nach Orten und Zeiten der Stille? Manchmal kommen wir in der Tat alle an Grenzen; da können oder wollen wir nicht mehr. Endlich mal Ruhe, stressfrei, es gut sein lassen. Auch Glaubenskämpfe können müde machen, zumal wenn uns Menschen oder Erfahrungen von außen oder innen her in Zustände von Unruhe versetzen. Die Bibel kennt uns Menschen gut und weiß, dass stimmt, was der Kirchenvater Augustin später so beschrieb: „Unruhig ist unser Herz, bis es Ruhe findet in Dir.“

Wäre Gott nur ein Herzens-Wunsch, so würde der uns nichts nutzen und nichts bewirken. Der Hebräer-Brief dagegen zeigt uns den heiligen Gott, dessen Wirken vom Anbeginn der Schöpfung an alles durchwaltet und weiter gestaltet. Seinem genialen Schaffen verdankt sich alles und ist zudem Vorbild für uns. Denn auch Gott ruhte von seinen Werken – nämlich am siebten Tag.
 

3. Gottes Reden durch die Geschichte – vom Ungehorsam zum Hören

In den langen Perioden der Auflehnung, des Ungehorsams gegen diesen Gott war die Tür in diese Gottes-Ruhe verschlossen. Der Hebräerbrief-Schreiber mahnt daher seine Leser, neu darauf zu hören, wie Gott in der Geschichte an seinem Volk gehandelt hat. Unter Josuas Einführung ins Land der Verheißung war diese Ruhe noch nicht eingetreten. Und dem David wurde gesagt: „Heute, so ihr seine Stimme hört, dann verstockt euer Inneres nicht.“ Dass diese Stimme nie verstummte, dass Gott immer neu zu den Seinen sprach – eine sehr wohltuende Erkenntnis, mehr noch: Hinweis darauf, dass das Stimmengewirr, manch sinnloses Geplapper inklusive, nie das mächtige heilige Reden Gottes übertönen können.
 

4. Noch unterwegs – und doch getragen von Gottes Fürsorge

Wir Christen sind noch nicht an diesem Ziel der großen Ruhe angekommen – auch wenn viele das Ziel ihres Lebens so sehr ersehnen: endlich zur völligen Ruhe zu kommen! Ich denke an manche Bekannte, die aus diesem Leben satt und müde scheiden wollen, hinüber in die Ewigkeit – aber dieser Zeitpunkt steht eben gar nicht in deren Händen. Und solange wir noch unterwegs sind, ums Auskommen kämpfen, gute Pläne gelingen lassen wollen, Erfolge für uns und diejenigen, die zu uns gehören, erarbeiten, Früchte im Glauben – da sind wir eben noch nicht angekommen. Einmal aber werden wir nicht mehr darum kämpfen müssen, angenommen und akzeptiert zu sein. Wir werden einmal zu Hause sein – geschützt, geborgen, stressfrei, sorgenfrei, ohne ständige Absicherung durch den Rückspiegel. Nicht herumgescheucht, von Termin zu Termin gejagt. Einmal werden die Probleme, Anfeindungen, Geschichte sein. Noch wandern wir durch kleine oder große Wüsteneien und fragen, wie es denn weitergehen kann. Wie stärkend war damals schon die Zusage an Mose: Gott hat dein Wandern durch diese große Wüstenei auf sein Herz genommen. Da blitzt schon etwas auf von dieser übergroßen Fürsorge des Vaters im Himmel: Ihr wollt und sollt zur Ruhe kommen!

Der Hebräer-Brief spricht von dem Leben, wie es Gott von Anfang an gewollt und uns zugedacht hat: Mit dem Schöpfer und uns selber in Übereinstimmung leben, unter seinem guten Willen und Gebot – nie aber ohne Verheißungen für die Ziele vor uns. Einmal werden wir im geistlichen Land der Verheißung angekommen sein. Das heißt: Erleben, schmecken, dass Gott nun seine Verheißungen erfüllt hat, wie er sie seiner Gemeinde gegeben hat. Welch eine Labsal sind solche Zusprechungen der Heiligen Schrift!

Davon gibt uns gerade der Gemeinde-Gottesdienst einen Vorgeschmack: Da vernehmen wir nichts weniger als seine heilvolle Stimme. Da geben wir Gott Einlass in unsere äußeren und inneren Türen. Dabei geht es nicht um Gefühlszustände. Da wird nichts billig harmonisiert, sondern das Wort trifft unser Innerstes, wir erheben seinen hohen Namen, werden uns unseres Lebensziels bewusst. Werden wir nicht simpel bestätigt in dem, was wir sind, sondern ausgerichtet. Alles kommt auf den Prüfstand. Gottesdienste sind keine Pause vor dem Sturm oder oberflächliche Schönwetter-Minuten. Das Alte Testament bringt das Leben wie es wirklich ist, mitsamt der Geschichte des Volkes des ersten Bundes als eine höchst wechselhafte, angefochtene zur Sprache. Bis auf die Friedenszeit unter Salomo war das Volk fast nur von Bedrohung, Abfall und Unruhe hin und her geworfen: Gar viel auf und ab, viel Versündigen und dann Sühne finden. Die Propheten drohten damals dem Volk: „Ihr sollt es nicht sehen und diese angenehme Ruhe nicht finden.“ Weil sie vom Heiligen Israels in Ruhe gelassen werden wollten, begaben sie sich in Gefahrenzonen. Vor Gott bleibt eben alles offenbar – und er bestimmt, wie weit weg oder wie nahe an ihm dran wir sind.

Zur Zielbeschreibung gehört für diesen Brief und auch die anderen Schriften des Neuen Testamentes, dass wir einst Rechenschaft abzulegen haben. Bleibt also alles offen, alles in der Schwebe?! Müssen wir mit Angst und Unruhe diesem großen Tag der Begegnung mit Gott entgegensehen und -gehen? Nein, denn Christen glauben der Verheißung, dass wir eines Tages in seine Ruhe eingehen! Unsere Berufung und Erwählung, die können den Herrn nicht gereuen: Ruhe, Ankommen, Erfüllung – darauf leben wir hin und das macht unsere Hoffnung aus und motiviert, im Glauben treu zu bleiben.

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