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/ Bibel heute

Wenn Dank und Lob mein Leben bestimmt

Der Bibeltext Psalm 92 – ausgelegt von Irmhild Schorre.

Ein Psalm. Ein Lied für den Sabbattag. Das ist ein köstlich Ding, dem HERRN danken und lobsingen deinem Namen, du Höchster, des Morgens deine Gnade und des Nachts deine Wahrheit verkündigen

Psalm 92

1. Gott danken und loben – morgens und nachts

„Das ist ein köstlich Ding, dem Herrn danken und Lobsingen deinem Namen, du Höchster, des Morgens deine Gnade und des Nachts deine Wahrheit verkündigen auf dem Psalter mit zehn Saiten, mit Spielen auf der Harfe. Denn du Herr, du lässest mich fröhlich singen von deinen Werken und ich rühme die Taten deiner Hände.“

Der Schreiber des Psalms gebraucht zu Anfang den Begriff „ein köstlich Ding“ als Ausdruck der großen Begeisterung, die ihn ergreift, wenn er dem Herrn dankt und ihn lobt. Wenn ich Gott lobe und danke, dann tue ich etwas, was Gott zusteht und was seiner Größe angemessen ist. Gleichzeitig tut es mir gut und macht mich froh.

Ich danke Gott für die Erfahrungen mit ihm in meinem Leben. Beim Danken erinnere ich mich an das Erlebte. Ich nehme mir Zeit, über Vergangenes nachzudenken. Manchmal weiß ich dann genau, wo Gott mir konkret geholfen hat. Dann ist die Situation so klar, dass ich nur sagen kann: Danke Herr!

Vieles begegnet mir auch nur wie ein flüchtiger Gedanke. Es ist so eine Ahnung, wo Gott überall seine Finger im Spiel hatte. In einem Lied von Manfred Siebald heißt es: „…mit Händen lässt sich manches greifen. Doch manche Wunder streifen mich nur heimlich – dann und wann“.

Wichtig ist es in jedem Fall, diese Gedanken festzuhalten und mit anderen zu teilen. Das Erlebte ist dann klarer in meiner Erinnerung und gleichzeitig macht es anderen Menschen Mut.

Aus dem Danken kommt das Lobsingen. Gott zu Lobsingen bedeutet, ihn durch Musik und Gesang mit freudigen Worten zu ehren und drückt tiefe Bewunderung und Dankbarkeit aus. Ich lasse nach außen, was mich bewegt. Ich habe nicht mich im Blick, sondern das, was Gott tut und wie er ist.

Gottes Gnade am Morgen in den Blick zu nehmen, bevor der Alltag nach mir greift, hilft ungemein. Es gibt mir Schwung, in den Tag zu starten und Dinge anzupacken. Ich überlasse das Feld nicht den Problemen, sondern Gott. Er sagt mir seine Hilfe und Treue fest zu. Ob ich mir gerade viel Zeit nehmen kann oder eher im Laufschritt unterwegs bin – die Verbindung zu ihm ist offen und er hört. Abends lege ich den Tag, so wie er war, zurück in Gottes Hände. Ich danke für das Gute und bitte um Vergebung für das, was nicht gut gelaufen ist. Nachts, wenn ich nicht schlafen kann, hilft es mir, mich an seine Zusagen, das bedeutet, an seine Wahrheit zu erinnern. Wenn dann Probleme oft übergroß werden, gibt er mir das richtige Augenmaß, sie einzuordnen. Ich gebe meine Sorgen bei ihm ab, muss mich nicht länger aufreiben und darf ruhig werden.

Lob und Dank gegenüber Gott kann ich durch Instrumente verstärken. Es ist wichtig zu üben, um gute Klänge hervorzubringen. Genauso lerne ich auch, Gott zu loben. Ich stimme mich innerlich ein, indem ich bewusst zur Ruhe komme und mich nicht ablenken lasse.

So wie es unterschiedliche Instrumente gibt, gibt es auch unterschiedliche Klänge beim Lob Gottes. Wichtig ist, dass der Klang aus meinem Herzen kommt.
 

2. Staunen und tiefe Gedanken und ein Blick auf Menschen ohne Gott

„Herr, wie sind deine Werke so groß! Deine Gedanken sind sehr tief. Ein Törichter glaubt das nicht und ein Narr begreift es nicht. Die Gottlosen grünen wie das Gras, und die Übeltäter blühen alle – nur um vertilgt zu werden für immer! Aber du Herr bist der Höchste und bleibest ewiglich.“

In diesem Abschnitt staunt der Schreiber des Psalms über die großen Taten und Werke Gottes. Er findet sie überall, in der Schöpfung, aber auch im konkreten Handeln in seinem Leben.

Beim Staunen über die Tiefe der Gedanken Gottes sehe ich ein Stück seiner unendlichen Weisheit, Dinge in der Schöpfung, die bis ins Kleinste durchdacht sind. Gott überblickt Zusammenhänge und Zeiträume. Manchmal bekomme ich davon etwas mit, wenn sich Dinge zusammenfügen, die bisher keinen Sinn ergaben. Doch oft verstehe ich Gottes Tun und Lassen nicht. Ich denke und handle nach meinen Maßstäben. Ich bete und es ändert sich nichts. Dann brauche ich Kraft, um diese Spannung auszuhalten. Dabei hilft es mir, wenn ich mich bewusst dafür entscheide, Gott auch jetzt zu vertrauen, dem Gott, über dessen Werke ich eben noch gestaunt habe. Er ist unergründlich in seinem Handeln und gleichzeitig ist er mir nahe in seiner Liebe und Treue und ich ehre ihn durch mein Vertrauen.

Für Menschen, die ohne Gott leben, ist solch ein persönlicher Umgang mit Gott schwer zu begreifen. Sie haben keinen Blick für seine Taten, wie zum Beispiel in der Schöpfung oder auch in ihrem Leben. Manchmal macht es mir zu schaffen, wenn ich sehe, mit welcher scheinbaren Leichtigkeit Menschen ohne Gott durch das Leben gehen. Doch das ist oft nur die Fassade; dahinter sieht es anders aus. Auf die Länge der Zeit fehlt ihnen die Quelle, aus der sie dauerhaft gespeist werden. Derjenige, der mit Gott lebt, hat Zugang zu dieser Quelle, unabhängig von seinen Lebensumständen.
 

3. Auswirkungen im Leben

„Der Gerechte wird grünen wie ein Palmbaum, er wird wachsen wie eine Zeder auf dem Libanon. Die gepflanzt sind im Hause des Herrn, werden in den Vorhöfen unseres Gottes grünen. Und wenn sie auch alt werden, werden sie dennoch blühen und frisch sein, dass sie verkündigen, wie der Herr es recht macht; er ist mein Fels und kein Unrecht ist an ihm.“

 

Hier vergleicht der Schreiber des Psalms den Gerechten, denjenigen, der sein Vertrauen auf Gott setzt, mit einem Palmbaum und einer Zeder. Palmen können sehr hoch werden und erreichen oft ein hohes Alter. Sie wachsen langsam. Übertragen auf mein Leben mit Gott ist es ein Bild dafür, dass bleibende Veränderungen in meinem Leben Zeit brauchen, um zu reifen und um Bestand zu haben. Zedern haben Eigenschaften, die ich in diesem Veränderungsprozess brauche. Zedern sind immergrün, robust und stark. Sie wachsen schnell und werden besonders groß. Auch längere Trockenheit halten sie aus. Diese Eigenschaften sind in mir angelegt, wenn ich in Gottes Nähe verwurzelt bin. Ich greife darauf zurück in jeder Lebenssituation, insbesondere auch dann, wenn die Umstände schwieriger werden.

Auch die Zeit des Alters hat der Dichter des Psalms im Blick. Wie ist das zu verstehen: Noch im Alter blühen, fruchtbar und frisch sein? Es geht hier um geistliche Vitalität und Frische. Sie kommen aus einer lebendigen Verbindung mit Gott – unabhängig vom Lebensalter. Es macht Mut zu wissen, dass das Leben im Alter nicht weniger Wert hat und trotz körperlicher Nöte kraftvoll und gesegnet sein kann. Im Rückblick auf sein Leben kommt der Schreiber des Psalms zum Danken und Loben. Er lässt die Menschen um sich her wissen, dass Gott es recht oder anders ausgedrückt richtig gemacht hat und auch zukünftig machen wird.

Am Ende dieses Psalms stellt sich die Frage: Wie werde ich jemand, der aus übervollen Herzen lobt und dankt? Gott entfacht sein Lob in mir, wenn ich ihn suche – in guten Zeiten und auch in der Not. Ich setze mich nicht unter Druck, wenn mein Jubel eher verhalten und leise ist. Gott hat mich gemacht mit meinen Charaktereigenschaften und sieht in mein Innerstes. Er sieht auch den kleinen Funken von Lob und Dank in mir. Eines nehme ich mir vor. Ich will dranbleiben, will Gottes Nähe suchen, meine Erfahrungen mit anderen teilen. Gott ist der Grund für Lob und Dank in meinem Leben und will den Funken in meinem Herzen überspringen lassen.

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