/ Bibel heute
Das Leben im Licht
Der Bibeltext 1. Johannes 1,5-10 – ausgelegt von Lars Zimmermann.
Und das ist die Botschaft, die wir von ihm gehört haben und euch verkündigen: Gott ist Licht, und in ihm ist keine Finsternis. Wenn wir sagen, dass wir Gemeinschaft mit ihm haben, und wandeln doch in der Finsternis, so lügen wir und tun nicht die Wahrheit. Wenn wir aber im Licht wandeln, wie er im Licht ist, so haben wir Gemeinschaft untereinander, und das Blut Jesu, seines Sohnes, macht uns rein von aller Sünde.[...]
Über dem Atlantik: Fehler erkennen und abfangen
Mehrere Jahre flog ich als Pilot über den Atlantik. Diesen queren täglich bis zu 4000 Flüge von Nordamerika nach Europa und umgekehrt. Es geht zu wie in einem Bienenschwarm. Alles aber schön geordnet auf Flugstraßen, die wie Autobahnen angeordnet sind. Es ist wichtig, dass jedes Flugzeug seine Wegpunkte einhält und zu einer bestimmten Zeit in einer bestimmten Höhe und mit einer festgelegten Geschwindigkeit überfliegt. In den Weiten dieses Ozeans gibt es keine Bodenfunk- und Radarstellen. Noch vor fünf Jahren mussten die Piloten mühsam via Langwellenfunk diese Punkte und Zeiten durchgeben. Je nach Position sitzt dieser Funklotse im kanadischen Gander oder im schottischen Prestwick. Das Ziel: Navigationsfehler zu entdecken und die aktuelle Position des Flugzeugs zu verfolgen.
Und doch: Wir Menschen machen Fehler. Täglich. NASA-Untersuchungen zeigen, dass jeder Pilot pro Stunde 3–5 kleinere Fehler macht. Die Luftfahrt ist deshalb so sicher, weil sie, wie andere Hochrisikobranchen auch, Fehler erwartet und abfängt. Fehler werden durch die Zusammenarbeit im Cockpit offen angesprochen und korrigiert.
Das muss ich lernen und vor allem zuallererst akzeptieren.
Warum ist es aber so schwer für uns Menschen, Fehler und Sünden einzugestehen?
Verbergen oder bekennen
Im 1. Buch Mose, Kapitel 3, 8 heißt es: „Und sie hörten Gott den Herrn, wie er im Garten ging, als der Tag kühl geworden war. Und Adam versteckte sich mit seiner Frau vor dem Angesicht Gottes des Herrn zwischen den Bäumen.“
Wie töricht, zu meinen, ich könne mich vor Gott verstecken. Vor allem die Frage nach dem „Und was dann?“ wird gerne ausgeblendet.
Adam und Eva wussten, sie haben eine Sünde, einen großen Fehler begangen. Sie haben sich überreden, sich verleiten lassen.
Vor allem sind sie ihren eigenen, persönlichen Wünschen und Vorstellungen gefolgt. Sie haben sich eingeredet, es wird schon nicht so schlimm sein. Und was machen sie dann aus dieser Haltung heraus? Anstatt es Gott zu gestehen und um Verzeihung zu bitten, versuchen sie es, sich zu verbergen. Sich in die Finsternis zu flüchten. Aber denke ich nicht auch so?
Die Bibelverse aus dem 1. Johannesbrief bieten die Lösung und zeigen mir doch zugleich das Dilemma auf. Gott mein Licht, die Wahrheit durchdringt alles Dunkle.
Die Finsternis, die Sünde ist mir vergeben durch den Herrn Jesus Christus. Ich bin eingeladen, ein neues Leben, das Licht, durch ihn zu finden.
Es muss aber mit der persönlichen Erkenntnis beginnen: Ich mache Fehler, bin nicht perfekt, werde auch verleitet. Ich soll dies erkennen, mir eingestehen, auch widerstehen und Gott um Vergebung bitten. Eigentlich ganz einfach.
Ausbildung, Selbstüberschätzung und Sicherheitskultur
In meiner Ausbildung zum Piloten fiel es mir teilweise nicht leicht, mein Können als Pilot einzuschätzen. Ich habe zu Beginn wenig Erfahrung und beginne mit kleinen Schritten, um schließlich große Verkehrsmaschinen zu fliegen. Auf diesem Weg sind Fehleranalyse und Umsicht immer meine Wegbegleiter. Heute sage ich: Gott, der Herr, ist für mich immer ein treuer Wegbereiter, der seine schützenden Flügel über mir ausbreitet.
Da gibt es aber immer, ich nenne sie, die „Top-Gun“-Piloten. Wie Maverick und der Titel dieses Hollywood-Blockbusters aussagen, fürchten sie weder Tod noch Teufel.
Bei ihnen scheint einfach alles zu klappen, mühelos lernen sie den Stoff und fliegen das Flugzeug scheinbar ganz grazil. Unsere Fluglehrer vergleichen natürlich nie öffentlich und stellen auch niemanden bloß. Was im Cockpit geschieht, bleibt im Cockpit. Es gibt wenige, die offen über ihre Fehler, Probleme und vielleicht auch Ängste sprechen. Es gilt, das Bild des perfekten Piloten zu wahren.
Dieser Selbstüberschätzung wirken Trainings entgegen. Sie sensibilisieren die professionellen Piloten und Flugbesatzungen dafür, dass es die Kleinigkeiten sind, die in einer Verkettung von unglücklichen Umständen zu einem Unglück führen können. Dennoch ist da die Tendenz, zu meinen: Das kann mir nicht passieren.
Die sogenannte Just Culture, übersetzbar durch Fehlerkultur, ist eine elementare Sicherheitsgrundlage im Luft- und Schienenverkehr. Die Einrichtung dieser Fehlerkultur ist gesetzlich von jedem Unternehmen gefordert. Man darf Fehler machen und melden, um für sich und andere im Unternehmen diese systematisch zu analysieren und Gründe für den entstandenen Fehler zu finden. Oftmals sind es tiefer liegende, systembedingte Ursachen und Risiken, die man feststellen und dann abstellen muss. Der Faktor Mensch bleibt aber immer.
In meiner Funktion als Notfall- und Kommunikationstrainer war es mir immer wichtig, auch eigene Fehler offen als Beispiele zu benennen. Dazu gehört eine Portion Mut und Selbsterkenntnis.
Der Faktor Mensch
Wie befreiend ist die Wahrheit! Wenn ich ins Licht trete und meine Schuld bekenne.
Fehler, Sünden, die ich im Leben begangen habe, werden wieder reingewaschen. Von diesem Zeitpunkt an beginnt ein neues Leben. Ich bin durch Christus neu geboren.
Was bleibt: Der Faktor Mensch. Ja, auch als Christ sündige ich weiter. Solange ich auf dieser Erde lebe, ist die Sünde da.
Da ist die Versuchung, der Neid über die vermeintlich besseren Lebensumstände des Nachbarn, die Selbstüberschätzung, das eigene Ego, die eigene Wahrheit über Beziehungen, wer welche Schuld auf sich geladen hat und wer sich bei mir zu entschuldigen hat. Ich möchte vielleicht die Position meines Vorgesetzten, weil ich denke, ich kann den Job besser machen. Der Mensch spielt sich oft gerne selbst als Richter auf, will aber nicht selbst gerichtet werden.
Wer meint, mich trifft keine Schuld, macht sich selbst etwas vor. Schlimmer noch: Mit einer solchen Einstellung kehre ich das Wort um und sage zu Gott: Es ist nicht so, du bist der Lügner! Dasselbe gilt für Menschen, die sich als Christen bezeichnen, aber dann nicht nach Jesu Vorbild leben, kritisieren, verurteilen, verunglimpfen – schlicht seinen Nächsten nicht lieben.
Gefährlich sind auch die kleinen Sünden, manchmal einfach nur Gedanken, die anderen verborgen bleiben. Sie sind plötzlich da und irgendwie auch normal. Ich mache mir mein eigenes Bild. Wird schon nicht so schlimm sein. Die heutige Achtsamkeitskultur stellt mich dabei in den Mittelpunkt. Ich darf das! Es dient meinem Wohlbefinden. Das ist nicht schlecht! Doch ist es!
Sünde bleibt Sünde. Johannes der Täufer nennt es klar beim Namen: Tue Buße, kehre um und nimm Jesus Christus als deine Wahrheit an.
Schlimm, wenn ich in meinem Leben nie diese Erkenntnis erlange, dass ich etwas korrigieren – Schuld eingestehen – muss.
Dann verbaue ich mir auch den Weg der Buße und den Weg zur Wahrheit. Ich werde fehlgeleitet, auf Basis meiner eigenen Fehleinschätzung.
So ist es nicht verwunderlich, dass in der modernen Luftfahrt der Mensch der häufigste Grund für Flugkatastrophen ist. Ursache: Fehleinschätzung der Lage und fehlendes Situationsbewusstsein.
Die für uns Menschen und Christen unbequeme Wahrheit: Wir sündigen und sind eingeladen immer wieder um Vergebung bitten. Nur so bleiben wir in Gemeinschaft mit Jesus Christus – auf Ewigkeit! Helfen wir uns gegenseitig auf diesem Weg, vergeben und bekennen einander unsere Sünden, vor Gott, vor Jesus und unseren Mitmenschen.
© Ruth Schneider / ERF
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