/ Bibel heute
Der Gute Hirte
Der Bibeltext Johannes 10,11-21 – ausgelegt von Esther Mann.
Ich bin der gute Hirte. Der gute Hirte lässt sein Leben für die Schafe. Der Mietling, der nicht Hirte ist, dem die Schafe nicht gehören, sieht den Wolf kommen und verlässt die Schafe und flieht – und der Wolf stürzt sich auf die Schafe und zerstreut sie –, denn er ist ein Mietling und kümmert sich nicht um die Schafe.[...]
Das Bild vom guten Hirten
Stellen Sie sich ein Gemälde vor, auf dem der gute Hirte zu sehen ist. Meist trägt er ein Lamm auf seinem Arm oder auf den Schultern. Daneben fließt ein kleiner Bach und ich kann fast sein Plätschern hören. Grünes, frisches Gras ist zu sehen mit ein paar Blümchen dazwischen. Um ihn herum grasen die Schafe und geben ein friedliches Bild ab. Der Hirte wirkt stark und groß und hat alles im Blick. Es wirkt entspannend auf mich, denn das Bild strahlt eine gewisse Ruhe aus.
Der Hirte ist zuständig für die Schafe und trägt die volle Verantwortung. Er sorgt für das Futter, ist immer in ihrer Nähe und er kennt seine Schafe sogar mit Namen. Er führt sie zum Trinken an eine Quelle oder einen Bach. Der Hirte weiß, was seine Schafe gerade brauchen. König David aus dem Alten Testament hat mir im Psalm 23 ein wunderbares Bild vom guten Hirten vor Augen gemalt. Sehr realistisch spricht er auch die Gefahren an, die oft nicht auf den schönen Gemälden dargestellt werden. Dunkle Täler und wilde Tiere lauern auch schon damals. David kämpft mit Löwen und Bären für seine Schafe. David ist ein guter Hirte. Jesus benutzt dieses Bild, weil die Menschen um ihn herum dieses Bild kennen. Schafe gehören damals zum normalen Leben und sie sichern das Überleben der Menschen. Sie geben den Menschen Nahrung und Wolle, sie vermehren sich, machen aber auch jede Menge Arbeit. Wie heißt es so schön: eine Kuh macht Muh, viele Kühe machen Mühe. Bei den Schafen ist es nicht anders. Deshalb braucht der Schäfer seine Mitarbeiter, um die ganze Arbeit zu bewältigen.
Guter Hirte und Mietling – der Ernstfall
Wenn bei Tag die Schafe schön grasen und ungestört sind, ist das sicher kein schlechter Job. Was ist allerdings, wenn ein Schaf krank wird, wenn eine Geburt ansteht oder wenn ein wildes Tier kommt? Dann erst kommen die wahren Qualitäten eines angestellten Hirten ans Tageslicht. Die schlechten Hirten lassen die Herde im Stich. Die sogenannten Mietlinge laufen davon.
Jesus sagt es ganz klar und direkt: Ein guter Hirte setzt sein Leben ein für die Schafe. Dieser Beruf ist also tatsächlich lebensgefährlich.
Echte Schafhirten gibt es auch noch heute und ich freue mich, wenn ich eine Herde am Straßenrand entdecke. Aber Jesus gebraucht die Schafherde mit dem Hirten hier als Bild für unser Leben. Hirten tragen Verantwortung für Menschen, die ihnen anvertraut sind. Sei es im Beruf, in der Familie oder in der Kirche. Leider gibt es auch heute noch die sogenannten Mietlinge, die ihre Aufgaben nicht ernst nehmen. Das ist schlimm und hinterlässt oft großen Schaden. Jesus möchte, dass wir verantwortungsvoll sind in unseren Aufgaben und lebt es uns vor.
Jesus – der Hirte, der sein Leben hingibt
Er möchte unser Hirte sein. Wir sollen auf ihn hören, seine Stimme kennenlernen und ihm vertrauen. Er möchte uns den Weg zeigen, den wir gehen sollen. Er hat den Überblick und liebt uns so sehr, dass er sein Leben für uns hingibt. Das tut Jesus, obwohl er uns sehr gut kennt – er kennt auch unsere Schattenseiten. Er sagt: „Ich kenne euch sogar so gut, wie mein Vater mich kennt.“
Heute drücke ich es so aus: Jesus und sein Vater sind so eng miteinander verbunden, dass kein Blatt dazwischen passt.
Jesus gibt sein Leben hin für die ganze Menschheit. Er stirbt am Kreuz von Golgatha, und zwar in liebevoller Absprache mit seinem Vater im Himmel. Gott liebt uns Menschen so sehr, dass er bereit ist, seinen Sohn auf die Erde zu schicken. Jesus ist mit diesem schweren Weg einverstanden. Er sagt hier: Ich habe die Macht und die Freiheit, mein Leben hinzugeben und es wieder neu zu empfangen. Jesus geht freiwillig diesen Weg des Opferlammes. Er sieht selbst, dass sein Weg im wahrsten Sinne des Wortes not-wendig ist. Er wendet die Not der Menschheit und gibt der ganzen Welt eine Zukunft, nämlich ewiges Leben in der Gegenwart Gottes. Das ist der eigentliche Auftrag, den Jesus hier auf Erden hat. Auch für uns ist es freiwillig, ihn als persönlichen guten Hirten anzunehmen. Niemand wird gezwungen, den Jesusweg zu gehen. Allerdings gilt es dann auch, mit den Konsequenzen zu leben.
Eine Herde, ein Hirte – über alle Grenzen hinaus
Seine Zuhörer sind sehr aufmerksam und hören kritisch zu. Sie können und wollen seine Worte nicht verstehen und geraten sogar in Streit miteinander. An Jesus scheiden sich auch heute noch die Geister.
Einige der Zuhörer erleben wohl davor mit, wie Jesus einen blindgeborenen Mann heilt. Und das ausgerechnet an einem Sabbat. Das ist anstößig. Jesus weiß das und fordert sie heraus. Aber er fasziniert sie auch, sonst wären sie ja nicht bei ihm geblieben. Dazu sagt Jesus auch noch etwas sehr Unverständliches für sie, nämlich: „Ich habe auch noch andere Schafe, die sind jetzt noch in anderen Ställen. Auch sie muss ich herführen und dann werden alle meine Nachfolger eine einzige Herde bilden mit einem Hirten.“
Heute, 2.000 Jahre, nachdem Jesus diese Worte gesprochen hat, lebe ich in der Nachfolge Jesu davon, dass er am Kreuz für mich gestorben ist. Ich komme aus einem sogenannten anderen Stall, weil ich keine jüdischen Wurzeln habe. Aber ich gehe den Jesusweg. Ich freue mich auf das ewige Leben beim guten Hirten. Sein stellvertretender Opfertod gilt für alle Zeiten und für alle Menschen. Gott sei Dank!
© Ruth Schneider / ERF
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