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/ Bibel heute

Freiheit, die Jesus meint

Der Bibeltext Johannes 8,31-36 – ausgelegt von Margit Weigelt.

Da sprach nun Jesus zu den Juden, die an ihn glaubten: Wenn ihr bleiben werdet an meinem Wort, so seid ihr wahrhaftig meine Jünger und werdet die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch frei machen. Da antworteten sie ihm: Wir sind Abrahams Nachkommen und sind niemals jemandes Knecht gewesen. Wie sprichst du dann: Ihr sollt frei werden?[...]

Johannes 8,31–36

Wahre Jüngerschaft: An Jesu Wort bleiben

Jesus spricht im Tempel noch einmal zu den Menschen. Es sind eindeutige Worte, die bewirken, dass nun viele an Jesus glauben. Zu diesen gläubig gewordenen Juden redet Jesus nun weiter: „Wenn ihr meine Worte ernst nehmt und euch danach richtet, wenn ihr tut, was ich euch gesagt habe, dann seid ihr wirklich meine Jünger und gehört zu mir. Ihr werdet die Wahrheit erkennen und die Wahrheit wird euch frei machen.“

Da sind wohl so einige Fragezeichen in ihren Köpfen aufgetaucht. „Was redest du denn da? Warum sollen wir frei werden? Und wovon sollen wir überhaupt befreit werden? Wir sind doch freie Menschen, noch nie waren wir Knechte, um irgendjemanden zu dienen!“
 

Verschiedene Gesichter der Freiheit

Es gibt sicherlich verschiedene Gesichter der Freiheit. Wenn ich ein kleines Mäuslein aus den Pfoten meiner Katze entwende und ich ihr so die Freiheit wiedergebe, ist es vermutlich nur eine Frage der Zeit, bis sie dem nächsten Räuber begegnen wird. Keine Freiheit auf Dauer.

Martin Luther spricht von der „Freiheit eines Christenmenschen“ und meint damit: „Ein Christenmensch ist ein freier Herr über alle Dinge und niemandem untertan.“ Ich sehe das so: Wenn ich Jesus nachfolge und an seinem Wort bleibe, bin ich frei und gerechtfertigt vor Gott. Ich muss mir das Heil nicht erst durch gute Werke verdienen. Dann heißt es weiter bei Martin Luther: „Ein Christenmensch ist ein dienstbarer Knecht und jedermann untertan.“ Das bedeutet für mich: Aus Liebe und Dankbarkeit für die von Jesus geschenkte Freiheit diene ich meinem Nächsten gern, aus freiem Willen, ohne Zwang.

Über Dietrich Bonhoeffer lese ich, dass er seine Gefangenschaft im KZ auch im Angesicht des Todes mit unglaublicher Ruhe und Gelassenheit ertragen kann. Er weiß sich geliebt und geborgen in Gottes Hand. „…Dein bin ich, o Gott!“ Das ist eine große innere Freiheit.
 

Der Glaube als zarter Keim: Die Reaktion der Tempelbesucher

Wie ist das nun mit der Freiheit der Juden zur Zeit Jesu? Politisch ist ihre Lage nicht gerade rosig, denn das Land ist ja unter römischer Besatzung. Das Volk sehnt sich nach einem mächtigen, starken Befreier. Diese Gruppe um Jesus, gerade hier im Tempel zum Glauben gekommen, versteht nicht, was Jesus meint.

Der Glaube ist anfangs noch wie ein kleiner, zarter Keim. Zeit und gute Nahrung sind nötig, damit er Wurzeln schlagen und wachsen kann. Wer neu zum Glauben an Jesus Christus kommt, wird Vieles prüfen und hinterfragen. Ein Umdenken und veränderte Gewohnheiten sind die Folgen, aber das geht meistens nicht von heute auf morgen.

So ist es wohl auch bei den Tempelbesuchern. Sie können mit dem, was Jesus ihnen sagt, nichts anfangen. Deshalb widersprechen sie Jesus empört: „Wir sind doch Abrahams Nachkommen! Noch nie haben wir einem Herrn als Sklaven gedient! Was redest du denn da von frei werden?“ Als „Abrahams Kinder“ sind sie stolz auf ihre Abstammung, und dadurch haben sie auch eine gewisse innere Freiheit. Aus der Geschichte Israels ist ihnen sicher bewusst, dass ihr Volk sich immer wieder unter fremde Herrschaft beugen musste. Aber nun fühlen sie sich wohl in ihrem Stolz verletzt. Niemals sind sie Sklaven gewesen, wovon sollen sie jetzt frei werden?

Übrigens hat schon Johannes, der Täufer, dieses Problem mit den „frommen“ Pharisäern, die zu ihm an den Jordan kommen. Auch ihnen sagt der Täufer: „Euere Abstammung von Abraham allein wird euch gar nichts nützen. Kehrt um und tut Buße!“
 

Freiheit von der Sünde: Der Sohn macht frei

Jesus meint mit seinen Worten eine ganz andere Art von Gefangenschaft und Knechtsein. Er spricht von der Unfreiheit durch Sünde. Unter Sünde verstehen sie den Verstoß gegen die Zehn Gebote. Nur wer die Gebote und Gesetze befolgt, gilt als Gerechter. Nach unserem heutigen Verständnis verstehe ich Sünde als das Getrenntsein von Gott. Das habe ich allerdings auch selbst verschuldet. Die Zehn Gebote gelten für mich als Christin auch heute noch wie für die Juden damals.

Wer Sünde tut, ist der Sünde Knecht. So drückt es Jesus aus. Kein Mensch ist frei von Sünde. Das ist eine Tatsache, solange ich in dieser Welt lebe. Ich sündige in Gedanken, Worten und Werken. Was passiert dann? Erkenne ich mein falsches Verhalten, oder ignoriere ich es? Versuche ich, aus eigener Kraft das Geschehen wieder gut zu machen? Rede ich mir vielleicht ein: „So schlimm ist das nun auch nicht, sowas macht doch jeder mal.“ Damit belüge ich mich selbst, habe der Verführung durch den „Vater der Lüge“, dem Teufel, Raum gegeben. Somit bin ich in seiner Hand, gefangen in der Sünde, der Sünde Knecht! Diese Erkenntnis kann mich ganz stark nach unten ziehen, runterdrücken!

Ein Knecht hat seine Freiheit verloren, er muss sich beugen und seinem Herrn dienen. Sein Herr darf über ihn verfügen, kann ihn jederzeit aus dem Haus schicken oder ihn verkaufen, womöglich in eine noch schlimmere Knechtschaft. Keine gute Aussicht!

Im Gegensatz zum Knecht darf der Sohn im Haus seines Vaters bleiben. Er hat ewiges Wohnrecht, als Erbe auch Macht und Entscheidungsgewalt. Hier spricht Jesus von sich selbst. Er ist der Sohn Gottes, der Sohn Davids, er kann wirklich frei machen.

Er sagt später: „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben.“

Wer an sein Wort glaubt und danach handelt, ist sein Jünger und wird die Wahrheit, Ihn selbst also, erkennen und frei werden!

Ich bin so froh und dankbar dafür, dass sein Wort für Sie alle und mich heute auch noch gilt!

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