/ Bibel heute
Das Herz ist voll Not – Gott hört
Der Bibeltext Psalm 53 – ausgelegt von Christiane Meyer.
Eine Unterweisung Davids, vorzusingen, zum Reigentanz. Die Toren sprechen in ihrem Herzen: »Es ist kein Gott.« Sie taugen nichts; ihr Treiben ist ein Gräuel; da ist keiner, der Gutes tut. Gott schaut vom Himmel auf die Menschenkinder, dass er sehe, ob jemand klug sei und nach Gott frage.
1. Erschütterung über leere Gottesdienste
Als am Karfreitag – einem der höchsten Feiertage der Christen – nur eine Handvoll Menschen im Gottesdienst war, da war ich erschüttert und habe an die Worte aus Psalm 53 gedacht: „Gott schaut vom Himmel auf die Menschenkinder, ob jemand klug sei und nach Gott frage.“
Ich erlebe das immer wieder. Kaum noch Menschen fragen nach Gott. Immer mehr Menschen wenden sich ab, orientieren sich an anderen Dingen oder Werten. Es scheint auch eine gewisse Gleichgültigkeit zu herrschen. „Ist ja okay, wenn für dich der Glaube an Gott gut ist. Für mich ist da etwas anderes besser. So sind wir doch beide okay, nicht wahr?“ Jeder glaube an das, was ihr oder ihm wichtig ist. Die Eine an Gott, der Andere an Macht, der Nächste an Erfolg und so wird dann jede und jeder nach seiner Fasson selig – oder auch nicht.
Es ist aber ja auch schwierig, an einen Gott zu glauben, der unsichtbar ist. Ich denke, aber das größte Problem unserer Zeit ist, dass wir so viel Not und Probleme in der Welt sehen und erleben.
Da kommt schon mal schneller das Gefühl auf, dass Gott sich nicht kümmert, dass er nicht eingreift, dass Gott gleichgültig ist. Und wenn ich das glaube – dann kann es sein, dass ich selbst auch gleichgültig gegenüber Gott werde. Klar, warum sollte ich mich um Gott kümmern, wenn ich ihm scheinbar egal bin?
Doch so ist es nicht! Gott ist voller Liebe zu mir und zu jedem Menschen auf dieser Welt. Ihm ist unsere Not nicht egal! Das zeigt das Geschehen an Karfreitag – der qualvolle Tod Jesu am Kreuz – ganz deutlich.
2. David – ein Mensch im Gespräch mit Gott
Doch zurück zu Psalm 53. Es ist ein Psalm von David. Und David hat auch viel Not erlebt. Er war lange auf der Flucht, weil König Saul ihm nach dem Leben trachtete. Er musste sich verstecken und wurde verraten. Und später als König hat auch er viel Not gesehen.
Doch David bleibt immer im Gespräch mit Gott. Das unterscheidet ihn von vielen Menschen heute. David hat viel Not und Einsamkeit und Seelenqual erlebt. Wenn ich die Psalmen lese, dann sehe ich das sehr deutlich. Aber er ist mit all seinen Gedanken, mit all seinen Zweifeln und Gefühlen immer zu Gott gekommen. Er ringt mit Gott in seinen Nöten, er schreit seine Zweifel heraus. Und dann äußert er immer wieder sein Vertrauen auf Gott. Er erwartet alles von ihm. Er rechnet mit Gottes Hilfe, mit Gottes Eingreifen.
Wie ist das bei mir? Wie sehr vertraue ich auf Gottes Eingreifen? Rechne ich mit seiner Hilfe? Oder spreche ich in meinem Herzen: Es ist kein Gott?
David hatte es, trotz aller Not, ein bisschen leichter als wir heute. Wir hören Nachrichten aus aller Welt. Sehen schreckliche Bilder von Not in fernen Ländern. Lesen Kommentare zum Zeitgeschehen im Internet und den sozialen Netzwerken, die uns in Zweifel stürzen können. Zweifel an allem und jedem. Auch an Gott.
„Da ist keiner, der Gutes tut, auch nicht einer“ sagt David. Ja, das Gefühl habe ich auch immer wieder.
Und doch ist es nicht wahr.
3. Lichtblicke – Menschen, die sich an Jesus orientieren
Es gibt überall auch Lichtblicke. Menschen, die Gutes tun, nach Gott fragen, Menschen, die sich an dem orientieren, was sie bei Jesus sehen. Jesus, der uns gezeigt hat, wie Gott ist und was unsere Aufgabe in dieser Welt ist: Ein Licht sein für andere, die in der Dunkelheit sind. Salz sein in unserer Welt. Spürbar anders. Menschen, die sich nicht an dem orientieren, was in unserer Gesellschaft im Mittelpunkt steht: das Streben nach Macht und Ansehen, Erfolg und Geld und mich selbst verwirklichen. Nein, wir sollen Menschen sein, die sich an Jesus orientieren. An seinem ganz anderen Konzept für unser Leben. Liebt eure Feinde, dient einander, achtet aufeinander, seid zu allen freundlich und wertschätzend, setzt euch für die Schwachen ein, stellt euch nicht selbst in den Vordergrund und so vieles mehr. Jesus lehrt uns auch, das Leid nicht zu verdrängen, sondern hindurchzugehen. Immer weiter Gutes zu tun.
David leidet darunter, dass er das nicht erlebt. Er klagt Gott sein Leid darüber, dass die Menschen nichts mehr von ihm erwarten und auch nicht mehr das Gute tun, das sie tun sollten.
Er sieht die Folgen dieser Abkehr von Gott, der Abkehr von dem Leben, das Gott für sie gedacht hat. Die Übeltäter lassen sich nichts sagen, sie fressen das Volk, sie erschrecken da, wo es eigentlich nicht nötig wäre.
All das sind Folgen dessen, dass Menschen – damals wie heute – nichts mehr von Gott erwarten und sich auch in ihrem Tun nicht mehr an Gott orientieren. Sie lassen sich nichts sagen, wissen selbst alles besser. Halten sich selbst für klug und merken so oft nicht, was aus ihrer scheinbaren Klugheit für Unglück entsteht. Sie fressen das Volk – sie unterdrücken eine große Zahl Menschen, die in Armut, Obdachlosigkeit und Ausgrenzung leben. Fressen und gefressen werden – wie im Tierreich. Keiner will das Opfer sein und so werden viele zu Tätern.
Sie erschrecken, wo kein Schrecken ist – wie viele Ängste (heimliche und offene) gibt es in der Welt? Wie viel Angst vor der Zukunft ist da, die gestillt werden könnte durch Vertrauen darauf, dass Gott in Liebe zu uns steht, alles in seiner Hand hat und es letztlich zum guten Ziel führt.
Vertrauen in Gott könnte die Angst zum Schweigen bringen.
4. Einladung: Machen Sie es wie David
Wenn Sie also das nächste Mal entmutigt vor den Nöten der Welt oder Ihres eigenen Lebens stehen, dann machen Sie es wie David:
Sagen Sie Gott all das, was in Ihrem Herzen ist – und dann vertrauen Sie und tun das Gute – so gut sie können.
Das wird alles verändern.
© Ruth Schneider / ERF
Ihr Kommentar