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/ Bibel heute

Vom Suchen und Finden

Der Bibeltext Johannes 6,22-27 – ausgelegt von Jörg Schmitz.

Am nächsten Tag sah das Volk, das am andern Ufer des Meeres stand, dass kein anderes Boot da war als das eine und dass Jesus nicht mit seinen Jüngern in das Boot gestiegen war, sondern seine Jünger waren allein weggefahren. Es kamen aber andere Boote von Tiberias nahe zu der Stätte, wo sie das Brot gegessen hatten, nachdem der Herr die Danksagung gesprochen hatte. Als nun das Volk sah, dass Jesus nicht da war und seine Jünger auch nicht, stiegen sie in die Boote und kamen nach Kapernaum und suchten Jesus.[...]

Johannes 6,22–27

1. Das Brotwunder und die Sehnsucht nach einem irdischen König

Brot – ist ein wesentlicher Bestandteil einer gesunden und ausgewogenen Ernährung. Mehr als 5.000 Menschen sind tags zuvor von Brot und Fisch satt geworden. Viele stehen einen Tag später noch unter dem Eindruck des Erlebten. Sie bewundern den, der das Brot verteilt hat: Jesus.

Das gemeinsame Mahl mit ihm gräbt sich in ihr Gedächtnis. Und in ihr Gewissen. Sie nehmen wahr, dass Jesus Gott, seinem Vater, für das Brot dankt. Und Jesus dankt als Herr. Er zeigt offen seine Stellung und wie eng er mit seinem Vater verbunden ist.

Aber diese Hinweise bemerken die Menschen nur oberflächlich. Das Brotwunder und ihr voller Magen sind ihnen wichtiger. Klar, da sind die Krankenheilungen von Jesus. Fesselnde und tiefgehende Predigten. Aber – diese gute Versorgung mit Brot und Fisch! Sie sehnen sich so sehr nach einem weltlichen König. Da bietet sich dieser Rabbi Jesus doch geradezu an! Der kann was!
 

2. Jesus zieht weiter – und die Menschen beginnen zu suchen

Und dann zieht Jesus ohne Abschied weiter. Der Ort der Speisung ist ohne ihn leer. Kein „Bis morgen in Tiberias!“. Jesus steigt stattdessen allein auf einen Berg. Für das Volk verliert sich hier seine Spur. Sein Weg bleibt ihnen unbekannt. Die Menschen haben es mit einem Herrn zu tun, der für sie unbegreiflich ist. Erstaunlich, dass das nicht in Ablehnung umschlägt.

Vielmehr wird ihnen klar: Es ist Jesus, der ihnen fehlt. Eine begonnene Gemeinschaft mit Christus birgt das Verlangen nach mehr. Diese Beziehung möchten sie darum fortsetzen. Die logische Folge: die Menschen beginnen, Jesus zu suchen. Begegnungen mit Jesus, dem Sohn Gottes, tut die Seele nicht einfach ab. Ob in der Bibel, ob im Gebet, in einem Lied, einem Gespräch mit anderen. Jesus rührt in meinem Innersten, in meiner Seele, bei jeder Begegnung etwas an.

Jesus hat also eine Sehnsucht in den Menschen ausgelöst. Aber ihr Blick hängt noch zu stark an den greifbaren Wundertaten. Wird sich etwas ändern, wenn sie ihn finden?

Und die Suchenden wenden dazu viele Mühen und Überlegungen auf. Fast schon so etwas wie Detektivarbeit. Sie prüfen Fakten, kombinieren und kommen zu einer Erkenntnis. Jetzt wissen sie, wo sie ihn finden. Und sie ahnen ein neues Wunder, das es zu erforschen gilt.

Das macht mich nachdenklich. Wie viel Energie wende ich auf, um Jesus zu suchen? Zum Beispiel in der Bibel. Oder im Gebet. Und wann suche ich ihn überhaupt? Nur im Notfall, wenn ich Hilfe benötige? Oder auch bewusst, um ihn zu loben, ihm zu danken? Vielleicht sogar für den täglichen Start in den Tag? Wie oft gibt es vermeintlich wichtigere Dinge, die zu erledigen sind. Dann rückt die Suche nach Jesus schnell in den Hintergrund.

Die fleißig suchenden Menschen finden Jesus schließlich. Er befindet sich am anderen Seeufer. Das stellt sie allerdings vor echte Verständnisprobleme. Wie ist ihm das nur gelungen?

Rabbi, wann bist du hergekommen?“ (Johannes 6,25) lautet die verwunderte Frage an Jesus. Wir hören darauf keine Antwort von ihm. Jesus erklärt sich nicht. Lässt sie nicht wissen, wie oder wann er den See überquerte. Nicht, weil er die Suchenden ausschließt. Er begegnet ihnen bewusst, aber sie sollen noch etwas Grundlegendes verstehen.

Ich stelle für mich fest: Es lohnt die Mühe, Jesus zu suchen. Auch wenn dazu ein See überquert werden muss. Jesus lässt sich gerne finden. Ich sehe sein liebevolles und geduldiges Interesse an jedem einzelnen dieser Menschen. Es geht ihm nicht um Massenabfertigung. Sein Wunsch nach Beziehung ist im Gegenteil immer höchstpersönlich.
 

3. Die Konfrontation: Selbstsucht statt Zeichen

Jesus sieht, dass die Menschen auf der richtigen Spur sind. Geduldig begegnet er ihrem inneren Wunsch nach noch mehr Wundern. Nach mehr Brot für den hungrigen Magen. Jesus schickt sie nicht frustriert weg, weil sie ihn noch nicht verstehen. Gerade weil er in ihre Herzen schaut und die Leere dort sieht, bleibt er.

Jesus gibt ihnen jedoch nicht, was sie wollen. Er wird stattdessen deutlich. „Wahrlich, wahrlich“ beginnt er seinen nächsten Satz. Er weiß, dass die Suchenden jetzt zuhören.

Das „Wahrlich“ entspricht dem „Amen“ im griechischen Urtext. Die Verdoppelung unterstreicht die Bestätigung der Worte, ihre Wichtigkeit. Ein Brauch, der schon im Alten Testament zu finden ist. Auch ich merke auf, jetzt muss auch für mich etwas Wichtiges kommen. Es würde sonst nicht in der Bibel stehen.

„Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Ihr sucht mich nicht, weil ihr Zeichen gesehen habt, sondern weil ihr von dem Brot gegessen habt und satt geworden seid“ (Johannes 6, 26). Ob die Menschen, die ihm mit so viel Mühe gefolgt sind, damit gerechnet haben? Er konfrontiert sie mit ihrer Selbstsucht. Jetzt sind ihre Herzen bloßgelegt.

Es sind nicht seine Zeichen, die ihre Suche nach Jesus bestimmen. Es ist nicht die göttliche Güte, die sie in die Boote nach Kapernaum treibt. Es ist vielmehr der eigene Vorteil. Das für sie nützliche Ergebnis. Das treibt sie an. Brote. Sattessen. Das wollen sie. Da gehen die Gedanken nicht weiter als bis zu ihrem Bauch.

Jesus möchte ihre Augen für den Blick über das Vergängliche hinweg öffnen. Er hat eine ungewöhnliche Speise, die er den Menschen geben will. Etwas für ihr ewiges Leben. Das soll den Menschen klar werden, zu denen Jesus spricht.

Ich frage mich, wie das wohl bei mir ist. Wie sehr verstellt mir das kurzlebige Brot für den Körper die Sicht? Schaue ich dann auch nicht mehr auf die ewigen Zeichen von Jesus? Die Zeichen, die mir klarmachen: da ist mehr als das körperliche Wohl. Jesus zeigt auf die Bedeutung des ewigen Lebens für den Menschen.

Ich erinnere mich an den Vers aus Johannes 1,50: „Du wirst noch Größeres als das sehen.“ Jesus sagt das zu Nathanael. Er sagt es auch zu mir. Er weiß, wie klein mein Glaube manchmal ist. Dann werden Gottes Zeichen nicht wahrgenommen. Vielleicht sogar wissentlich ignoriert. Mein Blick richtet sich auf das naheliegende Unwichtige. Das sind verpasste Gelegenheiten für meinen Glauben.

4. Das unvergängliche Brot – Jesus als ewige Speise

Das körperlich sattmachende Brot steht für die Menschen im Vordergrund. Der Geber dieser Gabe und seine Beweggründe nicht. Jesus wünscht sich, dass es umgekehrt ist. Vergängliche Speise bringt mich nicht weiter als einmal kurz satt sein. Die Leere und Sehnsucht wird bleiben.

Denn Jesus sieht in mein Herz. Kennt die wahren Sehnsüchte meiner Seele. Und er allein hat, was diese Sehnsucht ewig zu stillen vermag. Er hat die Antworten für mein Leben. Diese nicht vergängliche Speise kann nur von ihm, dem Menschensohn, kommen. Als Menschensohn beansprucht er die Vollmacht, die er von Gott bekommen hat.

Gottes Siegel weist Jesus als Bevollmächtigten aus. Er entscheidet, was vor Gott erlaubt ist. Niemand außer dem Sohn Gottes kann Menschen Vergebung ihrer Schuld und ewiges Leben zusprechen. Das macht ihn selbst zur unvergänglichen Speise.

Besser ewige Rettung für meine Seele durch Jesus als Brot für meinen kurzen Hunger. Körper mögen ohne Brot leben können. Seelen sind ohne Jesus nicht für die Ewigkeit bereit. Jesus allein gibt, erhält und nährt das ewige Leben.

Nachfolgern und Suchenden begegnet Jesus dort, wo sie ihn erkennen und begreifen können. Deutlich, aber niemals ohne Liebe und Mitgefühl. Denn darum kam Jesus in die Welt. Starb stellvertretend für die Sünden.

Ich verlasse mich auf das, was Jesus sagt. Sein Wort hat sich bis heute nicht geändert. Bei ihm finde ich wahres Leben. Unvergängliche Speise, die in die Ewigkeit reicht. Diesen ewigen Ausblick wünsche ich auch Ihnen. Das ist mehr wert als jedes noch so gut duftende Brot.

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