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/ Bibel heute

Jesus muss weg!

Der Bibeltext Johannes 5,19-23 – ausgelegt von Reinhart Henseling.

Da antwortete Jesus und sprach zu ihnen: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Der Sohn kann nichts von sich aus tun, sondern nur, was er den Vater tun sieht; denn was dieser tut, das tut in gleicher Weise auch der Sohn. Denn der Vater hat den Sohn lieb und zeigt ihm alles, was er tut, und wird ihm noch größere Werke zeigen, sodass ihr euch verwundern werdet. Denn wie der Vater die Toten auferweckt und macht sie lebendig, so macht auch der Sohn lebendig, welche er will.[...]

Johannes 5,19–23

1. Die Provokation: Wer ist dieser Jesus?

Die Selbstvorstellung Jesu bringt die jüdische geistliche Elite zur Raserei, für sie sind seine Worte unglaublich, eine nicht zu überbietende Gotteslästerung, die schlimmste, die sie sich vorstellen können.

Dafür muss er schnellstens mundtot gemacht werden. Seine Auslöschung ist sofort beschlossene Sache! Jesus, muss weg! Der Wanderprediger, der immer wieder aneckt, den bis heute kein Mensch voll verstehen kann, der Mann, der 100 Fragezeichen aufwirft – der mir persönlich aber göttlichen Frieden und ewig gültige Vergebung gebracht hat. Mein Retter, mein Gott!

„an JESUS scheiden sich die Geister!“

So ist es bis heute. Die einen verehren ihn, jubeln ihm zu – andere verteufeln ihn: Bauernfänger, Hochstapler – in ihren Augen ist er der größte Störenfried in der jüdischen Geschichte! Jesus antwortet seinen Anklägern in göttlicher Identität, mit göttlicher Autorität: Ich bin der Messias – von Gott gesandt! Ich bin der Sohn Gottes – gottgleich! Ich bin Gott – der Herr aller Herren, der Welt- und Menschenschöpfer! Ich sage immer die Wahrheit – darauf kannst du dich verlassen. Auf mein Wort kannst du dein Leben aufbauen – das gilt bis heute für sie und mich!
 

2. Wahrer Gott und wahrer Mensch – das Geheimnis der Person Jesu

JESUS – wahrer GOTT und wahrer Mensch!

Jesus ist nicht 50 % Gott und 50 % Mensch, sondern 100 % Gott und 100 % Mensch! Er ist kein Mischwesen, kein Halbgott, ihn gab und gibt es nur ein einziges Mal – der einzigartige, unvergleichliche Sohn Gottes! Jesus ist ganz Mensch, Maria hat ihn geboren, er besitzt einen menschlichen Körper, kennt Gefühle, er empfindet Hunger, Schmerz, Trauer und erlebt Versuchungen – wie Sie und ich! Er weiß, wie wir leben, wie wir ticken, was wir empfinden, und was uns bewegt! – Der allmächtige Gott ist uns im Menschen Jesus so nahegekommen, dass er sein Leben mit uns geteilt hat.

Jesus ist zugleich viel mehr als nur ein besonderer Mensch, viel mehr als das, was ich denken kann – das Johannesevangelium nennt ihn das „ewige Wort Gottes“, das schon vor der Schöpfung der Welt existiert. Er besitzt nicht nur göttliche Autorität – auch über den Sabbat – er kann alles tun, was göttlich ist, z. B. Sünden vergeben, Wunder wirken, Tote auferwecken! Er besitzt zugleich auch dieselbe göttliche Natur, wie Gott der Vater, er ist „wahrer Gott, vom wahren Gott“.

Immer wieder hat man versucht, diese Exklusivität zu beschreiben, man sprach von der „Wesenseinheit“ von Gott und Jesus, beide sind aus einer „göttlichen Substanz“. Später sprach man von zwei Naturen: „unvermischt“ = Gott bleibt Gott, während er Mensch wird; „unverwandelt“ = die göttliche Natur wird nicht menschlich und die menschliche nicht göttlich; „ungetrennt und unzerteilt“ = es gibt keinen Moment, in dem Jesus nur eines von beidem ist – beide Naturen, die menschliche und die göttliche sind untrennbar in seiner Person vereint. Jesus sagt: „Ich und der Vater sind eins.“

„Der Mann, der in kein Schema passt!“

Der Vater ist ganz Gott, der Sohn ist ganz Gott, aber sie sind nicht dieselbe Person. Weil diese Aussagen unser Denken sprengen, hat sich im Laufe der Geschichte die Rede vom „Drei-Einen-Gott“ entwickelt, die versucht, das Unbeschreibliche für uns verständlich zu machen: ein Gott, zwei Personen, bzw. mit dem Heiligen Geist drei Personen, die Trinität, die im Wesen völlig eins ist!
 

3. Jesus handelt in vollkommener Einheit mit dem Vater

Gott und ich, wir sind vollkommen identisch! Sagt Jesus.

Ich bin nicht nur ein Vertreter Gottes auf dieser Erde, sein Handlungsbevollmächtigter – ich handle aus meiner eigenen göttlichen Autorität heraus. Ich stehe über allen Propheten der Geschichte – Mose eingeschlossen. Sie haben euch nur Gottes Pläne mitgeteilt, ich bin Mitgestalter aller göttlichen Pläne.

Ich bin aber kein Konkurrenz-Gott zu Jahwe, kopiere ihn nicht, bin kein anderer hinter oder neben ihm, nicht der „zweite“ Gott, kein „kleinerer“ Gott, sondern Gott selbst! Wer mich gesehen hat, der hat Gott, den Vater gesehen! Das heißt für Sie bis heute: Wenn Ihnen Jesus begegnet ist, haben Sie Gott persönlich kennengelernt, den einzigen lebendigen Gott der Geschichte! Wer an Gott glaubt, der ist ein Freund Jesu – d. h., der hat Gott zum Freund!

„Der Sohn kann nichts von sich aus tun…!“

Klingt das nicht eher abhängig, schwach, unfähig oder sogar ohnmächtig? – Absolut nicht! Jesus erklärt: Mein Wille steht vollkommen im Einklang mit dem Willen meines Vaters, ich handle niemals unabhängig von ihm. Mein Wollen und Tun sind identisch mit Gottes Wollen und Tun. Meine Worte kommen nicht nur von Gott, sie sind Original-Worte des allmächtigen Vater-Gottes. Ich bin nicht weniger Gott als mein Vater, aber als Mensch und Sohn handle ich in vollkommener Abhängigkeit von ihm. – Das möchte ich gerne von Jesus lernen, genau nur das zu tun, was Gott an meiner Stelle heute tun würde. Ich möchte ihm gefallen, zu seiner Ehre leben!

Ich handle immer in vollkommener Einheit mit dem Vater.

Ich wirke die gleichen Werke wie er, ich tue genau das, was Gott tut: neues Leben geben, Kranke heilen, Leben retten, Tote auferwecken… Ich mache es auf die gleiche Art und Weise, wie mein Vater – in einmaliger göttlicher Harmonie und Qualität – mein Handeln ist echtes Gottes-Handeln. Gott zieht sich nicht zurück, aber er tritt uns Menschen im Sohn gegenüber. Das bedeutet, wenn ich Jesus im Evangelium handeln sehe: beispiellos barmherzig, gerecht, wahrhaftig… und liebevoll, Menschen zugewandt, dann sehe ich, wie Gott zu uns Menschen ist, zu Ihnen und mir – unvergleichbar gütig und gnädig! Die Liebe Jesu ist Gottesliebe, die mir ganz persönlich gilt, und mein Leben unvergleichlich reich beschenkt!
 

4. Vollmacht über Leben, Tod und Gericht

„Der Vater wird ihm noch größere Werke zeigen…!“

Mit einem vollmächtigen Satz heilt Jesus den Gelähmten, der 38 Jahre bettlägerig erkrankt ist – lässt sich das noch toppen? Er kann noch viel mehr – Jesus ist der Herr über Leben und Tod, kann Verstorbene zu neuem Leben erwecken, jetzt schon und am Ende der Tage. Dafür ist er in diese Welt gekommen, um uns Leben zu bringen, in göttlicher Qualität, geistliches Leben, das in die Ewigkeit hinein Bestand hat. Außerdem hat ihm der Vater auch das Gericht übertragen. Wer wissen will, wie Gott über ihn urteilt, muss Jesus fragen. Jesus weiß alles, was der Vater tut, und kann alles, was dieser kann, für beide gibt es keine Grenzen. Es lohnt sich, mit ihnen in Liebe verbunden zu sein, dann bin ich mit der göttlichen Weltleitung in direktem Kontakt.

„Der Vater liebt den Sohn…!“

Es geht um die ewige Liebesbeziehung in Gott selbst! Bevor er unsere Welt schuf, gab es diese Liebe schon. Der Gott, der selbst die Liebe ist, liebt den Sohn! Die Autorität und das Handeln Jesu beruhen auf dieser liebevollen, einzigartigen Beziehung zwischen dem Vater und dem Sohn. Das ist mehr Liebe als ich denken und mein Herz erfassen kann. Aus dieser innergöttlichen Liebe heraus, sendet der Vater den Sohn, sie ist auch die Triebkraft, die Jesus freiwillig ans Kreuz gehen lässt! Es ist die unvergleichliche Liebe Gottes, die mir Sünder nachgegangen ist, die mich herausgeliebt und gerettet hat. Liebe, die ich nicht kopieren – aber erleben kann, die mein ganzes Leben lebenswert und mich unvergleichlich glücklich macht.

„Damit sie alle den Sohn ehren, wie sie den Vater ehren…!“

– Ehrerbietung gegenüber dem Sohn ist keine Konkurrenz zur Ehre Gottes, sondern der legitime biblische Weg, Gott zu ehren. Für beide gilt: gleiche göttliche Würde und gleiche Ehre und Anbetung!

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Kommentare (3)

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Günther R. /

Herzlichen Dank. Die ganze Christologie des Nizänums konzentriert zusammengefasst. Super!

Torsten /

Danke. Sehr zu Herzen gehend die Trinität betrachtet.

Rike /

Wunderbar herausgestellt, wie unvergleichlich Jesus ist, ganz hervorragend, herzlichen Dank! Hoffentlich hören heute viele diese sehr gute Auslegung!