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Jesus – Gottes Sohn und kein König von Menschen gekrönt

Der Bibeltext Johannes 6,1-15 – ausgelegt von Gundula Opitz.

Danach ging Jesus weg ans andre Ufer des Galiläischen Meeres, das auch See von Tiberias heißt. Und es zog ihm viel Volk nach, weil sie die Zeichen sahen, die er an den Kranken tat. Jesus aber ging hinauf auf einen Berg und setzte sich dort mit seinen Jüngern.[...]

Johannes 6,1–15

Wunder ziehen Menschen an

Da ist vielleicht was los: Jesus zieht durch die Lande, um Menschen zu erzählen, wie Gott ist. Und immer zieht er Massen von Menschen an. Alte und Junge, Männer, Frauen und auch Kinder sind unterwegs. Es spricht sich schnell herum, dass er Kranke heilt. Der jahrzehntelang Gelähmte kann wieder aufstehen und gehen. Selbst ein todkrankes Kind wird durch Jesus wieder gesund. Jesus spricht ein Wort und daraufhin ereignet sich ein Wunder, wenn Jesus will. Verständlich, dass solche Taten Menschen anziehen.

Wunder beeindrucken. Wunder sind wunderbar. Und hier ist der Mann, der Wunder kann. Wer würde sich da nicht aufmachen und ein Teil der Menschenmenge werden!

So auch hier. Viele, viele Leute drängen sich zu Jesus.
 

Philippus sieht nur das Unmögliche – Andreas das Mögliche

Diese Treffen ziehen sich über Stunden. Jesus selber denkt daran, dass sich bei den Zuhörern Hunger einstellen wird. Er fragt Philippus, wo in dieser Gegend Brot zu bekommen ist. Der Berichtsschreiber Johannes erklärt gleich, dass für Jesus gar nicht fraglich ist, dass er die Menschen sättigen kann. Jesus weiß, dass er im Namen seines Vaters im Himmel Wunder vollbringen kann. Mit der Frage nach dem Brot will Jesus den Glauben von Philippus testen, wie es heißt. Und Philippus reagiert so richtig menschlich. Er guckt nur auf all die Umstände und sieht nur Unmögliches.

Selbst ein bisschen Brot für jeden kostet ein Vermögen. Und wer hat schon ein Vermögen? Das geht nicht, ist viel zu teuer. Brot für alle ist unmöglich, so seine Reaktion. Können Sie ihn auch so gut verstehen? Der Blick richtet sich so schnell auf die Umstände und da sehe ich meist Defizite. Ich sehe viel eher, was fehlt, woran es mangelt, anstatt auf das, was da ist. Ich sehe, wie knapp die Zeit ist, das Geld, die Ressourcen. Geht nicht, heißt es dann oft und Pläne werden begraben. Hätte Philippus aus diesen Gründen vielleicht die Versammlung aufgelöst und die Menschen nach Hause geschickt? „Geht nach Hause, liebe Leute. Denn wir haben kein Brot für Euch.“ Welche Chancen hätte er da verpasst! Hätte er doch nur auf Jesus geguckt!

Der Jünger Andreas ist anders. Er guckt sich die Menschen an und entdeckt einen Jungen, der Brote und Fische dabeihat. Wenigstens ein Bisschen hat dieser Junge – aber für Andreas scheint auch dieses bisschen Etwas viel zu wenig, um den Hunger aller Menschen dort zu stillen. Trotzdem schlägt er einen Weg ein, den Philippus nicht gegangen ist: Andreas bringt das bisschen Etwas zu Jesus.
 

Das Wunder der Brotvermehrung: Aus wenig wird Fülle

Jesus handelt nun so, wie es angesichts dieses Mangels niemand erwartet. Er weist seine Jünger an, dafür zu sorgen, dass alle einen Platz zum Sitzen finden. Sie sollen sich alle lagern auf das grüne Gras. Sogleich kann die Mahlzeit beginnen. Fünftausend Männer nehmen also Platz. Die anwesenden Frauen und Kinder tun das Gleiche. Was für eine riesige Schar an Menschen versammelt sich da!

Bevor Jesus nun mit einer Predigt über Gottes Reich beginnt, nimmt Jesus die fünf Brote und dankt Gott dafür. Er bittet seine Jünger um die Verteilung der Brote. Und was geschieht? Die Jünger gehen in die Menschenmassen mit dem Bisschen, was sie haben und verteilen das Brot. Doch das Brot wird nicht weniger. Stück für Stück wird ausgeteilt. Jeder bekommt so viel er braucht, um den Hunger zu stillen. Psalm 23 wird lebendig: mir wird nichts mangeln. Er weidet mich auf einer grünen Aue. So erfahren es Menschen Jahrhunderte vor unserer Erzählung im Leben mit Gott. Und so erleben es die Vielen in unserer Geschichte auch.

Ja, es bleibt sogar Brot über. Nicht nur ein magerer Rest. Nachdem alle über fünftausend Leute gut gesättigt sind, können die Jünger mit allen Brotresten noch zwölf Körbe füllen. Die Zahl zwölf weist auf Vollkommenheit hin, das gesamte Volk Israel. Reiche Fülle und volle Genüge zeigt sich in den zwölf Körben, die die Jünger am Schluss der Mahlzeit noch einsammeln. Mit Jesus geschieht das Wunder, dass aus bisschen viel wird. Genug für alle. Mit dem Verteilen der Fische verhält es sich genauso. Die zwei Fische reichen für Tausende von Menschen. Jeder bekommt nach seinem Bedarf. Niemand bleibt hungrig. Jeder bekommt genug. So ist Jesus. Er kann Wunder vollbringen. Aus ganz wenig kann er viel machen, wenn wir es ihm geben und ihm vertrauen.
 

Jesus – mehr als ein König nach Menschenmaß

Das beeindruckt die Menschen. Diesen Wundertäter Jesus wollen sie zum König machen. Schließlich erfüllt er genau ihre Bedürfnisse. So stellen sie sich den König vor, der ihnen gefällt. Er gibt, was sie wünschen. Solch ein König ist ihnen genehm. Sie sehen wohl das Wunder, das Jesus vor ihren Augen tat. Aber sie deuten es anders als Jesus es gemeint hat.

Jesus tut die Wunder nicht um ihrer selbst willen. Vielmehr soll an den Wundern deutlich werden, wer er ist, in wessen Auftrag er bei den Menschen ist. Mit den Wundern zeigt er sich als Gottes Sohn. Mit Jesus wird Gottes Wort Mensch. Mit ihm erfüllt sich die Verheißung eines Retters.

Jesus lässt sich vom jubelnden Volk nicht zum König krönen. Das wäre ein König nach menschlichem Willen. Jesus zieht sich eiligst zurück an einen einsamen Ort ohne die Menschen, die ihn nicht verstehen. Erklären und verstehen lassen sich Wunder nicht. Sonst wären sie ja keine Wunder. Aber in dem Wunder will Jesus erkannt werden als Gottes geliebter Sohn, den Gott auf die Welt schickt, um Menschen zu retten und zu erlösen.

Gemeint ist damit nicht vordergründig der Hunger nach Brot. Nein, Jesus rettet aus der Verlorenheit hinein in ein Leben mit Gott. Es kommt auf das Vertrauen an. Im Vertrauen zu Jesus wird alles aufgehoben, was uns von Gott trennt. Jesus schenkt enge Gemeinschaft mit Gott und das ist viel mehr als das Stillen von irdischem Hunger. Der Jünger Andreas macht es vor, indem er Jesus das Bisschen zeigt, was da ist. Vernünftig ist das nicht. Menschliches Denken kommt da an unaufhebbare Grenzen. Aber Vertrauen auf Jesus sprengt menschliches Denken hinein in tiefere Dimensionen. Im Glauben an Jesus eröffnen sich Möglichkeiten und neue Wege, an die niemand denkt. Wer die Geschichte von der wunderbaren Brotvermehrung liest und erkennt, dass Jesus Gottes Sohn ist, der wird gestärkt werden in seinem Glauben. Ich selber brauche diese Stärkung gerade jetzt und bin dankbar, davon gehört zu haben.

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