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/ Bibel heute

Ewig und vollkommen

Der Bibeltext Hebräer 7,23-28 – ausgelegt von Jürgen Schmidt.

Auch sind es viele, die Priester wurden, weil der Tod sie nicht bleiben ließ; dieser aber hat, weil er ewig bleibt, ein unvergängliches Priestertum. Daher kann er auch für immer selig machen, die durch ihn zu Gott kommen; denn er lebt für immer und bittet für sie.[...]

Hebräer 7,23–28

1. Eine vertraute Methode – und ein besserer Weg

Vor wenigen Monaten ist mein Vater im Alter von etwas mehr als 100 Jahren verstorben. Beim Lesen des Bibeltextes wurde ich an ihn erinnert. Mindestens einmal im Monat fragte er mich früher höflich: „Kannst Du mich mal zur Bank fahren?“ Er hatte ausgefüllte Überweisungsträger dabei und wollte gerne wieder seine Kontoauszüge abholen. Ich habe es für mich als „Ausflug mit dem Vater“ verbucht, denn ich kannte einen besseren Weg. So hat er irgendwann auch zugestimmt, dass ich alle seine Bankgeschäfte per Homebanking erledigen konnte, während er mir über die Schulter schaute. Seine alte, vertraute Methode war weder falsch noch schlecht, aber es gab aus meiner Sicht eine bessere.
 

2. Die alttestamentliche Ordnung: Gesetz, Priester und Sühne

Gott hat im Alten Testament eine Ordnung eingerichtet. Er hat seinem Volk das Gesetz und einen Hohepriester sowie viele nachgeordnete Priester gegeben. Dieses Gesetz hat den Menschen klar gemacht, wie die Beziehung zu ihrem Gott aussehen sollte und wie sie untereinander gut leben konnten. Gleichzeitig spürten die Israeliten aber jeden Tag, dass sie es nicht schafften, diese Regeln einzuhalten. Wann immer sie versagten, hatten sie Sünde auf sich geladen. Und diese trennte sie von ihrem Gott und all seinen Zusagen an Hilfe und Segen, die er versprochen hatte. Das ist bis heute so! Der liebevolle Herr im Himmel ist gleichzeitig der heilige Gott, der mit Sünde keinen Pakt schließen wird. Aber er sehnt sich auch nach den Menschen, die er gewollt und geschaffen hat. So hat er damals einen Weg aufgezeigt, wie die Beziehung zu Gott wiederhergestellt werden kann. Sünde ist in Gottes Augen so gravierend, dass sie nur durch Tod gesühnt werden kann. Damals bereuten Menschen ihre Sünde vor Gott, wenn sie einsichtig waren, und opferten je nach Schwere der Schuld ein kleines oder großes Tier. Durch das Sterben dieses Tiers konnte Gott erkennen, dass es dem Menschen ernst mit seiner Buße war. Daher gab es am Tempel viele Priester, die den Opferdienst taten und den Menschen dann die Vergebung Gottes zusprachen. Das mussten diese Priester auch für sich selbst tun. Einmal im Jahr trat der oberste Priester, auch Hohepriester genannt, im allerheiligsten Inneren des Tempels vor Gott, um für sich und das ganze Volk die Versöhnung für alle Schuld zu erbitten.
 

3. Das unvollkommene System und Gottes vollkommene Lösung

Der Autor unseres Bibeltextes erklärt, dass das alles aber unvollkommen war: Die Versöhnung geschah immer nur für das, was die Menschen im Rückblick bereuten. Sie mussten immer wieder kommen. Auch die Priester waren vergängliche Menschen, immer wieder andere übernahmen dieses Amt. Viele Tiere starben. Das Problem konnte damals nur punktuell, aber nicht grundsätzlich gelöst werden.

Bis Gott höchst persönlich handelte! Nur er konnte das Problem grundsätzlich und ein für alle Mal lösen! Die Logik ist nachvollziehbar: Einer sollte für alle Schuld der Welt sterben. Einer, der sichtbar machen sollte, dass Gott, der Allmächtige, gleichzeitig heilig ist und Sünde verabscheut, weil sie überhaupt nicht zu ihm passt – und der außerdem voller Liebe zu uns Menschen ist. Deshalb schickte er seinen Sohn Jesus Christus auf die Erde. Er kam als Baby einer irdischen Mutter zur Welt. An Weihnachten denken Christen daran und feiern diese Geburt. Jesus sollte als Sohn Gottes und gleichzeitig Mensch erleben, was es heißt, ein richtiger Mensch zu sein – mit allen Mühen und Schmerzen, inmitten eines Umfelds voller Lügen, Intrigen, Hass und Brutalität. Dennoch aber war er nie damit verwoben, er blieb ohne Sünde und konnte dadurch das unschuldige Opfer sein, das die Sünde der Welt vor Gottes Angesicht sühnt. Somit wurde Jesus Christus ein Hohepriester, wie es in der Ordnung Gottes schon im Alten Testament vorgesehen war. Allerdings musste er nicht mehr täglich und immer wieder die Sühne vor Gott erbitten, vielmehr wurde er der bessere Hohepriester, eigentlich der Beste. Weil er unschuldig war und nicht für sich selbst sühnen brauchte. Was er tat, gilt für immer und ist vollkommen!

Es klingt wie ein Aufatmen, wenn es in der Mitte des verlesenen Bibeltextes heißt: „Einen solchen Hohenpriester mussten wir haben.“

Oder, wie eine andere Übersetzung formuliert: „Ein solcher Hohepriester war genau das, was wir nötig hatten.“ Gott hat dieses Sühneopfer seines eigenen Sohnes damit bestätigt, dass er ihn aus Tod und Grab geholt hat. Christen denken an Ostern daran, dass man Jesus im Grab suchte, aber nicht fand. Einige Male erschien er seinem Team, das ihn für drei Jahre begleitet hatte, völlig überraschend. Sie wurden zu Augenzeugen dafür, dass er tatsächlich lebte. Damit wurde die unendliche Kraft und Macht unseres Gottes deutlich sichtbar, denn – vom Tod nach drei Tagen im Grab zurückbringen, das kann kein Mensch! Das muss Gottes Handeln sein!

Jesus, so bezeugt es die Bibel, hat sein Menschsein wieder abgelegt, ist für uns der vollkommene Hohepriester geworden, regiert nun mit Gott und sitzt an seiner rechten Seite auf dem himmlischen Thron.
 

4. Das Beste annehmen – Einladung zur persönlichen Entscheidung

In mir klingen die Gedanken, dass unser Gott einerseits seine guten Prinzipien durch die Jahrtausende bewahrt und gültig hält, andererseits aber dennoch ein Gott der Veränderung und Weiterentwicklung ist. Ich lerne daraus, dass es nicht gut ist, immer nur am Alten festzuhalten. Sicher wäre es nicht weise, alles Alte für schlecht zu erklären. Aber es besteht die Gefahr, Entscheidendes zu übersehen. Es hat mich gefreut, dass sogar mein alter Vater zu einer Veränderung zum Besseren bereit war.

Das Allerbeste ist, dieses Opfer von Jesus Christus am Kreuz von Golgatha als Sühne für die eigene Schuld zu akzeptieren und diesem liebevollen und heiligen Gott zu vertrauen. Nehmen Sie sich Zeit, studieren Sie die Details dazu in der Bibel. Das haben wir alle ausnahmslos nötig. Und erleben Sie, welch ein Geschenk es ist, befreit von Schuld mit diesem Jesus im Alltag unterwegs zu sein. Gerne wiederhole ich diese Einladung, wie sie bereits im 4. Kapitel des Briefs an die Hebräer steht: „Darum lasst uns mit Zuversicht zu dem Thron der Gnade hinzutreten, damit wir Barmherzigkeit empfangen und Gnade finden zu der Zeit, wenn wir Hilfe nötig haben.“

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