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/ Bibel heute

Zungenrede und prophetische Rede (3)

Christa Geiß über 1. Korinther 14,26-33a.

Wie ist es nun, Brüder und Schwestern? Wenn ihr zusammenkommt, so hat ein jeder einen Psalm, er hat eine Lehre, er hat eine Offenbarung, er hat eine Zungenrede, er hat eine Auslegung. Lasst es alles geschehen zur Erbauung! Wenn jemand in Zungen redet, so seien es zwei oder höchstens drei und einer nach dem andern; und einer lege es aus. Ist aber kein Ausleger da, so schweige er in der Gemeinde und rede für sich selber und für Gott.[...]

1. Korinther 14,26–33a

Da scheint richtig was los zu sein in der Gemeinde! Psalm, Lehre, Offenbarung, Zungenrede und deren Auslegung – Elemente eines Gottesdienstes, die nur mit genügend kompetenten Mitarbeitenden funktionieren. Wenn Sie zu so einer Gemeinde gehören, gratuliere ich Ihnen! Aber – Sie ahnen es schon – viel Leben, gute Gaben, engagierte Mitarbeitende, die sich gerne und kreativ einbringen – das birgt Konfliktpotential. Schnell gehen die Vorstellungen auseinander: Wie soll der Raum gestaltet werden? Kanzel oder besser transparentes Pult? Gemeindegesang und Lobpreis mit Band oder eher mit Orgel? Soll Gebet und biblische Auslegung spontan und locker vom Hocker geschehen, oder nach dem sicheren Raster einer vorgegebenen Liturgie und Predigtreihe? In vielen Gemeinden haben unterschiedliche Überzeugungen bei diesen Themen zu Spannungen und sogar zu Spaltungen geführt.

Leitlinien für den Gottesdienst

Es scheint, dass es in der Gemeinde von Korinth ähnliche Konflikte gab. Paulus gab den Menschen, die sich dort versammelten, jedenfalls klare und detaillierte Anweisungen, wie sie miteinander umgehen sollten und wie ihr Gemeindeleben gelingen könnte.
In der damaligen, urchristlichen Zeit gestaltete man den Gottesdienst eher als Gebets-Gottesdienst und weniger als Predigt-Gottesdienst. Zu den Grundelementen gehörten der Psalm, die Lehre, die Offenbarung, die Zungenrede – verständlicher ist der Begriff „Sprachengebet“, oder: „Rede in fremden Sprachen“ – und deren Übersetzung. Jedes Gemeindeglied konnte sich mit der ihm entsprechenden Gabe einbringen und war somit beteiligt an der Verkündigung. Es gab keine Monologe, sondern einer knüpfte am Wort oder Gebet des anderen an. Man hörte aufeinander und empfing aus dem Hören auf den anderen selbst ein neues Wort. So entstand ein großer Reichtum an lebhaften Äußerungen. Doch lebhafte Vielfalt braucht Ordnung, eine Leitlinie, und vor allem ein übergeordnetes Ziel. Paulus gibt diese Leitlinie vor und benennt auch das Ziel: „Alles soll dazu dienen, die Gemeinde aufzubauen“, so steht es in Vers 26 am Ende. Und: „Gott geht es nicht um Unordnung, sondern um Frieden“, so in Vers 33a.

Die Landschaft der christlichen Gemeinden in heutiger Zeit ist bunt und vielfältig. Die Gestaltung der Gottesdienste ebenso. Und die Möglichkeiten, Lieder, Gebete und biblische Lehre hörbar und sichtbar zu machen, sind fast grenzenlos. Umso wichtiger erscheinen mir diese zwei Sätze des heutigen biblischen Textes:
„Alles soll dazu dienen, die Gemeinde aufzubauen.“ „Gott geht es nicht um Unordnung, sondern um Frieden.“

Wertschätzung und Demut im Gottes-Dienst

Aber wie wird das konkret? Was baut Menschen in einer Gemeinde auf? Was trägt zum Frieden bei? Die Antwort darauf kann nur im Hören gefunden werden, im Hören auf Gott. allein, aber auch gemeinsam als Verantwortliche, in Stille und Gebet. Und im Hören auf den anderen und die andere. Dieses Hören erfordert eine Haltung der Demut und gegenseitigen Wertschätzung. Eine Haltung der Achtung gegenüber Gott und seinem Wort und gegenüber den Menschen, die den Gottesdienst besuchen. Sinn und Zweck eines Gottesdienstes kann niemals die Selbstdarstellung von Menschen und ihren Gaben sein, egal in welcher Weise sie mitarbeiten. Der Name „Gottes-Dienst“ sagt es schon: Zuerst dient Gott uns Menschen. Er selbst möchte zu Wort kommen. Zuallererst bei denen, die im Gottesdienst mitwirken, schon bevor sie auf der Bühne stehen. Dann dienen Menschen Gott, indem sie mitbeten, mitsingen, mitlesen, mitverkündigen. Und das alles, damit Gott geehrt wird. Damit Menschen aufgebaut, gestärkt, getröstet, ermutigt werden. Damit Menschen Ausrichtung, Korrektur, Ermahnung erfahren.
Das kann in einem traditionell liturgisch gefeierten Gottesdienst genauso geschehen wie in einer freien, modern lebhaften Form. An der Gestaltung können Einzelne beteiligt sein oder Viele, Ausgebildete oder Laien. Die ganze Vielfalt der Gaben Gottes hat Platz, wenn sie in eine Ordnung eingebettet ist. In eine Ordnung, die Lebendigkeit und geistliche Frische nicht ausschließt. Diese Ordnung trägt den Namen „Friede“. „Gott ist nicht ein Gott der Unordnung, sondern des Friedens“, so sagt es Paulus im biblischen Text.

Frieden in der Gemeinde

Friede kann entstehen, wenn Gaben weder unterdrückt noch übermäßig betont werden. Wenn einer den anderen annehmen und gelten lassen kann. Das gilt für das Miteinander innerhalb einer Gemeinde ebenso wie für das Miteinander der unterschiedlich geprägten Gemeinden. Das trägt bei zum Lob und zur Ehre Gottes.

Diesem Abschnitt heute, wie auch den anderen Texten des 14. Kapitels aus dem 1. Korintherbrief, geht das 13. Kapitel voraus, das sogenannte „Hohelied der Liebe“. Ich meine: Nur mit diesen Worten kann der heutige Text recht verstanden werden. Ich zitiere einige Verse aus der Übersetzung der Basisbibel:

„Die Liebe ist geduldig. Gütig ist sie, die Liebe. Die Liebe eifert nicht. Sie prahlt nicht und spielt sich nicht auf. Sie ist nicht taktlos. Sie sucht nicht den eigenen Vorteil.“ (V.4u.5)

Die Liebe hört niemals auf. Prophetische Eingebungen werden aufhören. Das Reden in fremden Sprachen wird verstummen. Die Erkenntnis wird ein Ende finden.“ (V.8)

„Was bleibt, sind Glaube, Hoffnung, Liebe – diese drei. Doch am größten von ihnen ist die Liebe.“ (V.13)

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Kommentare (2)

Damaris /

Die Andacht ist sehr lebendig vorgetragen, nur das Wort "Mitarbeitende" stört mich gewaltig.

Hans-Rainer P. /

Schön, Sie reden ganz frisch daher! Hier im Text geht es um Mitarbeiter, eine allgemeine "Berufsbezeichnung", nicht um gerade ausübende Mitarbeitende!
Wir sollen uns doch nicht als Christen der Welt mehr