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/ Bibel heute

Zungenrede und prophetische Rede (2)

Andreas Reinhardt über 1. Korinther 14,12-25.

So auch ihr: Da ihr euch bemüht um die Gaben des Geistes, so trachtet danach, dass ihr sie im Überfluss habt und so die Gemeinde erbaut. Wer also in Zungen redet, der bete, dass er’s auch auslegen könne. Denn wenn ich in Zungen bete, so betet mein Geist; aber mein Verstand bleibt ohne Frucht.[...]

1. Korinther 14,12–25

Sie haben vielleicht schon einmal in einem Gottesdienst erlebt, dass Sie berührt und ermutigt wurden, weil eine Person erzählt hat, wie Jesus sie verändert hat. Sicher sind sie auch schon mehrmals durch die Predigt und das Lesen von Bibelworten getröstet und im Glauben gestärkt worden. Mich hat zum Beispiel bei einem Gottesdienst in der Passionszeit die Predigt sehr angesprochen und meinem Glauben neuen Mut gegeben. Wenn sie vor knapp 2000 Jahren einen Gottesdienst der Gemeinde in Korinth besucht hätten, wäre ihnen nicht verborgen geblieben, dass einige Gemeindeglieder in fremden Sprachen laut beteten. Manchmal wurde das Gesagte auch übersetzt. Der Inhalt war ermutigend. Aber meistens endeten die Beter, ohne dass jemand etwas dazu erwähnte. Schade, die entsprechende Person machte nämlich einen sehr zufriedenen Eindruck, und musste etwas Schönes erlebt haben.

Der Apostel Paulus, der Gründer der Korinther Gemeinde, erfuhr davon, dass die sogenannte Zungenrede bzw. Sprachenrede in den Gottesdiensten immer beliebter wurde. Da aber meistens kein Ausleger dabei war, machte er sich Sorgen darum, dass die Gottesdienste dort ihren eigentlichen Auftrag nicht erfüllen konnten. Nämlich

erstens: Gott zu ehren und ihn zu loben,

zweitens: Die Christen im Glauben zu stärken und zu ermutigen; und

drittens: Nichtchristen die frohe Botschaft des Evangeliums weiterzusagen.

Stattdessen hörte Paulus davon, dass einige Christen in Korinth sich selbst in den Mittelpunkt stellten, anstatt Gott die Ehre zu geben. Auch wurden die eigenen Bedürfnisse über die der Mitchristen gestellt. Für Menschen außerhalb der Gemeinde hatten viele von ihnen keinen Blick. Der Apostel Paulus ermutigte dazu, die Gaben zu fördern, die der ganzen Gemeinde dienten. Dabei verglich er vor allem zwei sogenannte Geistesgaben miteinander. Geistesgaben sind besondere Fähigkeiten, die der Heilige Geist den Christen zuteilt, sie dienen dazu, Gemeinde Jesu zu bauen.

Die Gabe der Zungenrede

Bei der Geistesgabe der Zungenrede spricht der oder die betreffende in einer Sprache, die er nicht kennt und nicht erlernt hat. Er spricht diese Sprache vorübergehend und kennt selbst den Inhalt nicht. Darum bedarf es eines anderen Christen, der die Geistesgabe der Auslegung hat und somit den Zuhörern den Inhalt mitteilen kann. Paulus selbst hatte diese Gabe der Zungenrede. Er wusste also, wie schön und erhebend sie für den ist, der sie besitzt. Aber wenn niemand da ist, der sie auslegen, also übersetzen konnte, „bleibt sie ohne Frucht.“ Er schreibt den Christen in Korinth: „Wenn du Gott lobst im Geist, wie soll der, der als Unkundiger dabeisteht, das Amen sagen auf dein Dankgebet, da er doch nicht weiß, was du sagst? Dein Dankgebet mag schön sein; aber der andere wird dadurch nicht erbaut.“ (Vers 16-17) Für Paulus ist die Vorliebe der Korintherchristen für die Zungenrede ein Beweis dafür, dass sie geistlich noch nicht die nötige Reife hatten. Dann nämlich würden sie einer anderen Geistesgabe viel mehr Bedeutung zumessen:

Die Gabe der prophetischen Rede

Der Gabe der prophetischen Rede, bzw. der Weissagung. In meiner Studienbibel mit Sprachschlüssel wird diese Gabe folgendermaßen beschrieben: „Die neutestamentliche Prophetie oder Weissagung ist eine Gabe des Heiligen Geistes. Sie ist im Neuen Testament nicht einfach eine Zukunftsvoraussage, sondern eine Deutung von Menschen und Geschehnissen im Licht des Wortes Gottes. Sie sieht den Menschen aus Gottes Perspektive und überführt ihn von dessen Sünde. Damit wird sie zur wichtigsten Gnadengabe für den Bau der Gemeinde.“ Soweit das Zitat aus der Studienbibel.

Der Apostel Paulus besaß beide Geistesgaben, sowohl die Gabe der Zungenrede wie auch der Prophetischen Rede. Die Zungenrede nutzte er so, dass kein Chaos entstand. Für ihn war offenkundig, dass die Prophetische Rede keine Auslegung nötig hatte, und somit für alle zum Segen werden konnte. Paulus hatte unter anderem durch diese Gabe viele Menschen zu Christus geführt. Für die gläubigen Christen war er zudem ein einzigartiger Ermutiger, der dem Herrn in allen Lebenslagen vertraute. Dadurch lebte er vor, was für jede christliche Gemeinde, und vielleicht auch für jeden Christen, vorrangig sein sollte. Er hatte nämlich stets einen Blick für die Nichtchristen und gab ihnen, wo es möglich war, das Evangelium weiter. Die Ermutigung und Stärkung der Mitgeschwister im Glauben konnte und kann man sehr deutlich in seinen Briefen erkennen. Auch das Lob Gottes war in seinen Schriften und seinem Leben zum Mittelpunkt geworden. Die Christen in Korinth sollten diese entscheidenden Anliegen mit ihm teilen. Um dies in Bezug auf die Zungenrede und die Prophetische Rede zu verdeutlichen, gab der Apostel ihnen ein Beispiel. Er schrieb: „Wenn nun die ganze Gemeinde an einem Ort zusammenkäme und alle redeten in Zungen, es kämen aber Unkundige oder Ungläubige hinein, würden sie nicht sagen, ihr seid von Sinnen? Wenn sie aber alle prophetisch redeten und es käme ein Ungläubiger oder Unkundiger hinein, der würde von allen geprüft und von allen überführt; was in seinem Herzen verborgen ist, würde offenbar, und so würde er niederfallen auf sein Angesicht, Gott anbeten und bekennen, dass Gott wahrhaftig unter euch ist.“ (V. 23-25)

Paulus zeigte hier in einem realistischen Beispiel, welche Wirkung die Zungenrede auf Außenstehende haben würde: Sie würden die Anwesenden für verrückt halten. Was für eine viel bessere Auswirkung wird hier der Prophetischen Rede zugeschrieben. Menschen, die Gott bisher nicht persönlich kennengelernt haben, wird ihre Sünde zum Bewusstsein gebracht. Erschrocken stellen sie fest, wer sie, aus Gottes Perspektive gesehen, sind. Außerdem wird das Verborgene ihres Herzens offenbar. Etwas, das gewöhnlich verdrängt wurde, oder Menschen nicht erkennen wollten, wird plötzlich angesprochen. Wem so deutlich der Spiegel seines Lebens vorgehalten wird, und wer dies erkennt und bekennt, der erfährt die Liebe Gottes. Der lernt Gott als den kennen, der mit offenen Armen auf die Rückkehr seines verlorenen Sohnes bzw. seiner verlorenen Tochter wartet, und kann diesen liebenden Vater nun von Herzen danken und ihn loben.

Die Auswirkungen der Geistesgaben

Dies erlebte zum Beispiel einmal eine Frau aus Samarien, die Jesus an einem Brunnen begegnet war. Er begann ein Gespräch mit ihr, nachzulesen ist dies im vierten Kapitel des Johannesevangeliums. Nach dem Gespräch ging die Frau in ihre Stadt zurück, und sprach folgendes zu den Leuten: „Kommt, seht einen Menschen, der mir alles gesagt hat, was ich getan habe; ob er nicht der Christus sei! Da gingen sie aus der Stadt heraus und kamen zu Jesus.“

Unsere Gottesdienste sollen das Anliegen haben, verlorenen Söhnen und Töchtern die frohmachende Botschaft des Evangeliums zu bringen. Unsere Gottesdienste sollen die treuen Nachfolger Jesu ermutigen und ihren Glauben stärken. In dem allen soll Gott gepriesen, und ihm die Ehre gegeben werden. Dazu werden uns auch heute noch die entsprechenden Geistesgaben zur Verfügung gestellt.

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