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/ Bibel heute

Pergamon – ein Kulturzentrum

Der Bibeltext Offenbarung 2,12-17 – ausgelegt von Jörg Schulze.

Und dem Engel der Gemeinde in Pergamon schreibe: Das sagt, der da hat das scharfe, zweischneidige Schwert: Ich weiß, wo du wohnst: da, wo der Thron des Satans ist; und du hältst an meinem Namen fest und hast den Glauben an mich nicht verleugnet, auch nicht in den Tagen, als Antipas, mein treuer Zeuge, bei euch getötet wurde, da, wo der Satan wohnt. Weniges aber habe ich gegen dich: Du hast Leute dort, die sich an die Lehre Bileams halten, der den Balak lehrte, ein Ärgernis aufzurichten vor den Israeliten, vom Götzenopfer zu essen und Hurerei zu treiben.[...]

Offenbarung 2,12-17

Ein Brief vom auferstandenen Christus: Aufbau des Sendschreibens

Soeben haben wir das dritte Sendschreiben gehört, das der Seher Johannes in seiner Offenbarung empfangen hat. Es ist nach demselben Schema aufgebaut wie die ersten beiden und die vier folgenden Sendschreiben: Empfänger ist die jeweilige Christengemeinde. Heute ist es jene in Pergamon in Kleinasien. Absender ist der auferstandene Christus. Er diktiert das Schreiben. Mit einer Christusbezeichnung aus dem 1. Kapitel der Offenbarung stellt er sich vor. Hier ist es das Symbol des scharfen, zweischneidigen Schwertes. Es folgt ein Gemeindespiegel. Der gibt die konkrete Situation der Gemeinde wieder. Zuerst wird die Gemeinde gelobt für ihre guten Werke. Die christliche Gemeinde leistet Widerstand gegen den römischen Kaiserkult. Dann werden den Gläubigen Schwachstellen im Gemeindeleben vorgehalten. Unter ihnen leben Menschen, die eine Irrlehre verbreiten. Christus ruft die Gemeinde zur Umkehr: „Tue nun Buße!“ Der Schluss-Refrain aller Sendschreiben lautet: „Wer Ohren hat, der höre, was der Geist den Gemeinden sagt!“ Dann folgt ein Siegerspruch. Denen, die die Anfechtungen überwinden, verheißt der kommende Christus himmlische Gaben. In Pergamon sind dies Manna und ein neuer Name auf einem weißen Stein. So weit ein Überblick zur Gliederung der heutigen Bibellese.
 

Leben, wo der Thron des Satans ist: Christsein in Pergamon

Schauen wir uns nun den Abschnitt etwas genauer an. Pergamon war am Ende des ersten Jahrhunderts Hauptstadt der römischen Provinz Asia. Es war ein Kulturzentrum mit einer mächtigen Bibliothek. Dort lagerten mehr als 200 000 Schriftrollen. Übrigens, vom Namen der Stadt Pergamon wurde das Wort Pergament abgeleitet. Dieses Schreibmaterial wurde dort erfunden und verdrängte den zuvor verwendete Papyrus. Als Christ in Pergamon zu leben, war schwierig. „Du wohnst, wo der Thron des Satans ist“, heißt es gleich am Anfang des heutigen Abschnitts der Bibellese. Pergamon war eine der großen Kultstätten der Antike. Besonders zwei seiner vielen Heiligtümer waren berühmt. Da war zum einen der Altar zu Ehren von Asklepios, dem Gott der Heilkunde. Dieser zog kranke Menschen von nah und fern in die Stadt. Und zum anderen stand dort der monumentale Altar zur Verehrung von Zeus und Athene. Er beherrschte damals das Stadtbild. Wir kennen ihn heute als Pergamonaltar und können ihn rekonstruiert im Pergamonmuseum in Berlin besichtigen. [Kommentar: Das Pergamonmuseum ist wegen Sanierung geschlossen. Der Saal mit dem Pergamonaltar soll nach bisheriger Planung frühestens 2027 wieder zugänglich sein. ]

Außerdem war Pergamon das Zentrum des Kaiserkultes in der Provinz. Der römische Kaiser Domitian forderte von seinen Untertanen göttliche Verehrung. Auch ihm zu Ehren wurden dort Statuen und ein Tempel errichtet. Wer sich weigerte, vom Kaiser als „Herrn und Gott“ zu sprechen, musste mit Verfolgung und Tod rechnen. Ständig schwebten die Forderungen des Kaisers wie ein Schwert über der Christengemeinde. Für sie war allein Jesus „Herr und Gott“. Darum wurden viele Christen ihres Glaubens wegen getötet. So wie Antipas von Pergamon. Ihn nennt Christus in diesem Sendschreiben seinen „treuen Zeugen“ der frohen Botschaft. Katholische und orthodoxe Christen verehren Antipas als Heiligen und Märtyrer.
 

Lob und Tadel: Treue im Glauben statt fauler Kompromisse

Inmitten einer heidnischen Umwelt und des Kaiserkultes hat die Gemeinde in Pergamon den christlichen Glauben behauptet und bewahrt, bezeugt und nicht verleugnet. Dafür hat sie großes Lob verdient. Und doch müssen die Christen sich einen Tadel gefallen lassen. Christus wirft der Gemeinde vor, dass sich bei ihr Irrlehrer eingenistet hatten. Jene vertraten die Lehre Bileams und die Lehre der Nikolaiten. Zwei Strömungen, die die Einheit der Christengemeinde in Gefahr bringen konnten. Sie warben mit vermeintlich christlichen, verlockenden und eingängigen Parolen. Sie waren nicht bereit, sich voll und ganz für das Christentum zu entscheiden. Sie wollten die Vorteile beider Welten genießen. So lehrten sie, es sei nichts Böses dabei, wenn man sich als Christ der Welt anpasse. Wenn man Kompromisse schließe mit weltlichen Verhaltensweisen und weltlicher Sittenauffassung. Wenn man Götzenopferfleisch essen oder Unzucht treiben würde.

Christus kennt die Lage seiner Gemeinde. Er weiß, was in Pergamon geschieht. Damit die Unruhestifter die Christen nicht weiter im Glauben verwirren und vom wahren Glauben abbringen können, ist Korrektur notwendig. Christus fordert die Gemeinde auf, umzukehren von dem Weg, auf dem sie ist, und Buße zu tun. Sein Zorn richtet sich vor allem gegen jene, die die Gemeinde in die Irre führten, sie täuschten und verführten. Jenen droht Christus an, er werde mit ihnen streiten durch das Schwert seines Mundes.
 

Verborgenes Manna und ein weißer Stein: Hoffnung, die bleibt

Das Schwert ist ein Symbol für das strafende Gotteswort. Nach dem Hebräerbrief ist das Wort Gottes schärfer als jedes zweischneidige Schwert. Jesus Christus ist das fleischgewordene Wort Gottes an uns Menschen. Er ist Retter und Richter. Er lädt uns immer wieder ein, ermutigt uns und fordert uns aber auch auf, dass wir uns allein der Liebe Gottes anvertrauen. Darum: „Wer Ohren hat, der höre“. Wenn die Christen in Pergamon diesen Weckruf hören und ihren Glauben in der Not nicht verleugnen, wird ihre Glaubenstreue vom Herrn belohnt. Sie bekommen verborgenes Manna und einen weißen Stein, auf dem ihr neuer Name steht. Mit Manna speiste Gott das Volk Israel in der Wüste. Christus gibt sich allen, die treu sind und an ihn glauben, als Himmelsbrot, als Brot des Lebens. Ein weißer Stein bestätigte in Gerichtsprozessen zur Zeit der Offenbarung, dass die Person unschuldig ist und freigesprochen wird. Christus verspricht den Überwindern einen weißen Stein mit einem neuen Namen als Zeichen des Freispruchs vor dem Gericht Gottes.

Die Wörter weiß und neu sind typisch für die Offenbarung des Johannes. Weiß ist die Farbe des Himmels. Das Wort neu meint hier etwas, das es so bisher noch nicht gegeben hat: das neue Jerusalem oder ein neuer Himmel und eine neue Erde. In der Jahreslosung für 2026 verspricht Gott: „Siehe, ich mache alles neu!“

Das Sendschreiben an die Gemeinde in Pergamon kann auch heute Gläubige ermutigen, die in ihrer Not unsicher sind. Es gibt keinen Grund zur Resignation. Am Ende steht der Sieg Christi und das Kommen von Gottes neuer Welt. Ohne Tod, Leid und Tränen, Klage und Schmerzen. Das gibt Hoffnung zum Guten hin und Trost im Leben und im Sterben.

Sendetermine auf ERF Plus

Dienstag, 20. Oktober 2026, 05:45, 11:45, 19:00

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