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/ Bibel heute

Eine blühende Gemeinde, aber eine verführerische Prophetin

Der Bibeltext Offenbarung 2,18-29 – ausgelegt von Ade Gärtner.

Und dem Engel der Gemeinde in Thyatira schreibe: Das sagt der Sohn Gottes, der Augen hat wie Feuerflammen und seine Füße sind wie Golderz: Ich kenne deine Werke und deine Liebe und deinen Glauben und deinen Dienst und deine Geduld und weiß, dass du je länger, je mehr tust. Aber ich habe gegen dich, dass du Isebel duldest, die Frau, die sagt, sie sei eine Prophetin, und lehrt und verführt meine Knechte, Hurerei zu treiben und Götzenopfer zu essen.[...]

Offenbarung 2,18-29

Thyatira – Handelsstadt in Kleinasien

Heute reisen wir nach Thyatira – das heutige Akhisar in der Türkei. Diese Stadt war in der Antike eine bedeutende Handels- und Industriestadt in der kleinasiatischen Landschaft Lydien. Sie lag im Lykostal, an der Straße von Pergamon nach Sardes. Thyatira war für seine Textilindustrie und Purpurfärberei bekannt.

In der Bibel lernen wir in Apostelgeschichte 16 eine Frau von dort kennen, Lydia, eine Purpurhändlerin aus Thyatira. Sie wurde die erste Christin auf dem europäischen Kontinent. Die Gemeinde in Thyatira entstand vermutlich erst etwas später in der Zeit, als Paulus drei Jahre in Ephesus und der Region missionierte.
 

Das vierte Sendschreiben: Lob für die Gemeinde

Auch an diese Gemeinde in Thyatira richtete der auferstandene Jesus seine Botschaft. [Es ist] das vierte sogenannte Sendschreiben in der Offenbarung des Johannes. In der Stille und Abgeschiedenheit der Insel Patmos hat Jesus ihm diese Botschaft offenbart. Jede Gemeinde bekommt die zu ihr passende Botschaft. Die Botschaft Jesu an die Gemeinde in Thyatira beginnt mit den Worten: „Das sagt der Sohn Gottes, der Augen hat wie Feuerflammen und seine Füße sind wie Golderz.“

In allen sieben Sendschreiben stellt sich Jesus mit speziellen Eigenschaften und Wesenszügen vor. Hier einzigartig als der „Sohn Gottes“. Das ist mehr als ein Wesenszug. Das ist sein Hoheitstitel. Hier spricht Jesus, der Sohn des allmächtigen Gottes, des Kyrios und Weltherrschers, der Christus, der HERR der Gemeinde. Nun, was hat er denen in Thyatira zu sagen?

Lob und Tadel. Wertschätzung und Kritik. Das ist nicht bei allen sieben Gemeinden gleich. Die ersten vier bekommen Lob und Tadel zu hören. Die Gemeinden in Sardes und Laodicea bekommen nur Tadel, kein Lob. Und die Gemeinde Philadelphia bekommt nur Lob. Thyatira also bekommt beides. Zuerst kommt ganz viel Lob: Ich kenne deine Werke und deine Liebe und deinen Glauben und deinen Dienst und deine Geduld und weiß, dass du je länger, je mehr tust.

Eine blühende Gemeinde: Ich kenne eure ganze Gemeindearbeit und die Mitarbeitenden, wie sie sich engagieren. Ich sehe eure Programme, euer Gemeindeprofil und eure Positionierung in der Stadt. Toll! Mehr noch: Ich sehe eure Liebe untereinander und zu den Nichtchristen. Die strahlt wirklich aus in die Stadt. Ich sehe euren lebendigen Glauben und euren Glaubensmut. Ich sehe eure Geduld, Ausdauer und Standfestigkeit.

Was würden Sie selbst an Ihrer Gemeinde loben und wertschätzend erwähnen, wenn man Sie fragen würde? In beruflichen Mitarbeitergesprächen oder Paargesprächen kann man sich als Grundregel merken: Beginne erst mit dem Lob des anderen. Lieber zwei positive Dinge zuerst. Dann kann er oder sie die anschließende Kritik auch besser hören. 
 

Die Kritik: Isebel und ihre Verführung

Nach dem ausführlichen Lob nun also die Kritik von Jesus: „Ich habe gegen dich, dass du Isebel duldest, die Frau, die sagt, sie sei eine Prophetin, und lehrt und verführt meine Knechte, Hurerei zu treiben und Götzenopfer zu essen.“

Isebel kennen wir aus dem Alten Testament aus dem 1. Buch der Könige. Sie war die Frau von König Ahab im Nordreich Israel. Isebel ließ viele Propheten Jahwes, des Gottes Israels, verfolgen und töten. Und ihr Mann ließ Isebel gewähren. Sie hat auch den Baals-Kult in Israel eingeführt und die Anbetung der Fruchtbarkeitsgöttin Astarte in ihren Tempeln gefördert. Mit diesem Kult verbunden war eine andere Sexualmoral als im Glauben Israels. Da gab es Tempelprostitution. Religion und Liebe gingen ineinander über. Das war Sex und Gebet, beides hatte seinen Raum. Unter anderem dafür steht der Name Isebel.

Nun gibt es in Thyatira offensichtlich eine Isebel, eine die Gemeinde verführende und lehrende Prophetin. Offensichtlich sind dieser Prophetin in Thyatira viele Gemeindeglieder auf den Leim gegangen, haben sich verführen und irreführen lassen. Die Frau hatte offensichtlich eine starke religiöse Kraft, vielleicht auch eine erotische Ausstrahlung.

Die Isebel von Thyatira hat die Christen bei zwei Themen verführt: Essen von Götzenopferfleisch und Hurerei. Das Thema „Götzenopferfleisch“ ist heute für die Gemeinde Jesu kein Problem mehr. Anders verhält es sich mit dem zweiten Thema. Im Griechischen steht hier das Wort „porneusai“. Es steht da als Verb: also Hurerei treiben, Unzucht ausleben, Pornografie, Ehebruch begehen, freie Liebe proklamieren, usw. Es ging um sexualethische Themen. Es ging um ein selbstbestimmtes Leben und Entscheiden in allen diesen Fragen.

Gewiss gibt es in christlichen Gemeinden und Kreisen, auch in christlichen Familien und Partnerschaften nicht selten eine sehr enge und verkrampfte Sexualmoral, die wenig von der Freude an der Sexualität und dieser wunderbaren Gottesgabe ausstrahlt. Sexualität ist etwas Gutes und Schönes. Wenn wir sie im Kontext von Gottes Schöpfungs- und Lebensordnung leben, ist da auch viel Freiheit und Freude zu erleben. Aber es lauern auch Gefahren und Irreführungen in diesem Thema. In Thyatira war es offensichtlich ein so großes Problem, dass der Auferstandene das beim Namen nennt und kritisiert.

Es gibt erstrangige, zweitrangige und drittrangige Fragen in der Gemeinde Jesu wie in konzentrischen Kreisen von innen nach außen. Im Zentrum von Kreuz und Auferstehung Jesu darf es keine Kompromisse geben. In ethischen Fragen wie der Sexualmoral wird es in unterschiedlichen Kirchen und Konfessionen auch unterschiedliche Sichtweisen geben dürfen, ohne die Glaubensgemeinschaft aufzukündigen – also eher zweitrangig. Drittrangig sind Fragen wie der Musikstil, die eingesetzte Technik, das Gemeindeprogramm usw. – da kann jede Gemeinde ihren Stil entwickeln. Aber es gibt eben auch Fragen, die kann eine Gemeinde nicht einfach laufen lassen. Da gilt es zu unterscheiden und ggf. zu entscheiden.

Manchmal muss man um der Wahrheit willen Konflikte ausfechten in einer Gemeinde, damit nicht die Gemeinde im Ganzen krank wird. Aber es gibt einen Weg, mit Fehlentwicklungen und mit Sünde fertig zu werden und sie zu überwinden. Und diesen Weg weist Jesus durch Johannes der Gemeinde in Thyatira.
 

Umkehr und Ermutigung

Jesus sagt: „Ich habe ihr (Isebel) Zeit gegeben, Buße zu tun. – Isebel und allen, die andere verführt haben und sich haben irreführen lassen, ruft der Herr zu: Kehrt um von eurem verkehrten Weg. Tut Buße. Bekehrt euch! Ändert euren Sinn. Lasst euch vom Geist und Wort Gottes erneuern.“

Zum Schluss kommt eine Ermutigung von Jesus: „Was ihr habt, das haltet fest, bis ich komme.“ 

Liebe Gemeinde, denke daran, was euch geschenkt ist und was ihr empfangen hat. Haltet fest an meinem Wort und Willen. Engagiert euch weiter im Dienst. Bleibt in der Liebe untereinander verbunden. Seid weiter stark im Glauben und bleibt treu, übt Geduld und Ausdauer. Es lohnt sich. Halte fest, was du hast, bis ich komme.

Das ist die Zukunfts-Perspektive der Gemeinde: Jesus kommt. Auf ihn sollen wir schauen und auf ihn hören.

Sendetermine auf ERF Plus

Mittwoch, 21. Oktober 2026, 05:45, 11:45, 19:00

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