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/ Bibel heute

Israels Bedrückung in Ägypten

Gretchen Hilbrands über 2. Mose 1,1–22.

Dies sind die Namen der Söhne Israels, die mit Jakob nach Ägypten kamen; ein jeder kam mit seinem Hause: Ruben, Simeon, Levi, Juda, Issachar, Sebulon, Benjamin,[...]

2. Mose 1,1–22

„Die Mächtigen kommen und gehen, und auch jedes Denkmal mal fällt ...“ So beginnt die vierte Strophe aus dem Lied: „Wer Gott folgt, riskiert seine Träume …“ Es ist von Theo Lehmann und Jörg Swoboda und Anfang der 1980er in der DDR entstanden. Beide waren Pastoren, Evangelisten und Liedermacher. Sie haben ihre Erfahrungen in einem Regime gemacht, das Gott aus dem Leben der Menschen möglichst eliminieren wollte. Gott sollte im gelebten Alltag keine Rolle spielen. So die Denkweise.

„Die Mächtigen kommen und gehen, auch jedes Denkmal mal fällt.“ Wie wahr ist doch dieser Satz. Viele, die Macht hatten, sind kaum noch in Erinnerung. So erging es auch Josef, wie ich es aus dem Bibeltext erfahre. Aber der Satz von Theo Lehmann geht ja noch weiter: „Bleiben wird nur, wer auf Gottes Wort steht, dem sichersten Standpunkt der Welt. Vertraut auf den Herrn für immer, denn er ist der ewige Fels.“ Dieses Vertrauen und diese Treue von Josef zu Gott und umgekehrt von Gott zu Josef ist der Grund, warum wir in unserer Zeit von Josef erfahren und aus seinen Erlebnissen mit Gott für unser eigenes Leben lernen dürfen.

Gott geht bekanntlich seine eigenen Wege. Er gestaltet. Auch wenn das nicht immer von vornherein so klar erkennbar ist. Der Mensch ist geschichtsvergessen. Wie dramatisch und bedauerlich ist es, dass wir aus der Geschichte und vor allem aus der Geschichte, die Gott mit uns Menschen geht und gegangen ist, so wenig wissen. Kriege, Terror, Mord, Hass, Gewalt, Sklaverei, Missbrauch, zerstörte und kaputte Beziehungen und vieles andere sind oft die grausamen Folgen. Dabei gleichen sich die zugrundeliegenden Motive, wie Neid, Eifersucht, Machtbesessenheit, Machtmissbrauch, Geldgier und viele weitere häufig. Unser heutiger Text ist dazu eine typische Beispielerzählung. Er beginnt mit einer Aufzählung der Namen von Jakobs zwölf Söhnen und der Nennung der Sippe Jakobs, die 70 Personen umfasste, als sie aufgrund einer grassierenden Hungersnot nach Ägypten umgesiedelt waren. Dort gab es Lebensmittel in Hülle und Fülle.

Gott handelt im Verborgenen

Was war vor diesem heutigen Bibeltext geschehen? Als Josef noch mit seinen Brüdern in seiner Herkunftsfamilie lebte, blickten die Brüder voller Neid und Eifersucht auf Josef. Aus diesen Motiven griffen sie zu einer List und verkauften ihn an Händler, die weit weg wohnten. So ganz nach dem Motto: Aus den Augen, aus dem Sinn. Ihrem Vater Jakob zeigten sie Josefs zerrissenes blutdurchtränktes Gewand und gaben vor, dass er von einem Tier getötet worden sei. Der Eifersucht und dem Neid folgten also die Lüge und das Vertuschen ihres eigenen Handelns. Damit luden die Brüder schwere Schuld auf sich. So handelt der Mensch.

Gott sieht es und weiß um dieses Fehlverhalten. Gott jedoch baut genau das in seinen Plan ein, und zwar schlussendlich zum Besten all dieser Menschen. Niemand ahnt es. Niemand sieht so weit voraus wie Gott selbst. Niemand vermutet, dass die Geschichte mit den Brüdern und Josef so ausgeht, wie sie letztlich ausgeht. Auch Josef nicht. Er ging gerade auch in diesen Jahren seines Lebens manch harten Weg und durch etliche Krisen. Er lernte vieles neu und dazu. Seine Gottestreue aber gewann an enormer Reife. Letztendlich erhielt er aber gerade dadurch einen hohen Beamtenposten vom damaligen Pharao, wie sich die ägyptischen Könige nennen ließen. Gott segnete Josef und gebrauchte ihn in den Jahren der überregionalen Hungersnöte. Sokann Gott durch Josef, den Urenkel Abrahams, wirken. Letztendlich nicht nur an den Ägyptern, sondern auch zum Wohl von Josefs eigener Sippe, die schließlich nach Ägypten zieht, um dort von ihrem Bruder mit all dem versorgt zu werden, was man zum Leben braucht. Von ihrem Bruder, den sie aus Neid und Eifersucht verkauft hatten. Gott handelt im Verborgenen. Gottes Handeln wird deutlich sichtbar.

Israels Bedrückung

Aus der Sippe von ehemals 70 Leuten war zur Zeit unseres Bibeltextes ein großes und damit von Gott reich gesegnetes Volk geworden. Genau das hatte Gott Abraham, ihrem Urvater, der lange kinderlos war, versprochen. Viele Nachkommen zu bekommen, steht im Alten Testament für den Segen Gottes.

Die Zeit ging ins Land und Josef und seine großartigen und klugen Strategien waren längst Geschichte und damit schlichtweg vergessen. Der neue Pharao in Ägypten kannte ihn nicht und wusste nichts von Josefs segensreichem Wirken. Wieder treten Neid und Eifersucht auf den Plan und zerstören auf vielfältige Weise. Dem neuen Pharao ist das zahlreich überlegene Volk der Israeliten ein Dorn im Auge. Daher wiegelt der Pharao sein eigenes Volk auf und schürt dazu Ängste. Seine Taktik ist seine List und Lüge und er sagt: „Das Volk der Israeliten ist so stark und zahlreich, sollten die zu unseren Feinden überlaufen …“, und er zeichnet ihnen das Schlimmste vor Augen. Die Folge: Er zwingt das Volk der Israeliten zu harter Zwangsarbeit. Der Pharao ist sich sicher: Durch harte Maßnahmen und schwere Dienste wird sich das Volk auf jeden Fall nicht mehr vermehren. Er irrt sich total. Zudem befiehlt er den beiden verantwortlich leitenden hebräischen Hebammen, Schifra und Pua, alle neugeborenen Jungen noch während der Geburt zu töten. Der Pharao befiehlt und Gott lenkt. Die beiden Hebammen sind gottesfürchtige, gläubige Frauen. Sie denken gar nicht daran, sich ihrem Gott zu widersetzen. Als sie sich vor dem Pharao rechtfertigen müssen, greifen sie ihrerseits zu einer List und überführen den Pharao mit seiner eigenen Taktik: Dadurch, dass die hebräischen Frauen so hart arbeiten mussten, behaupteten die zwei: „Die hebräischen Frauen sind viel kräftiger als die Ägypterinnen. Ehe wir zu ihnen kommen, haben sie ihr Kind schon geboren!“ Daraufhin zeigt der Pharao seine boshafte Macht und ordnet an, dass alle neugeborenen Jungen in den Nil geworfen werden und damit sterben müssen. Wie grausam ist der Mensch. Und zu welchen Grausamkeiten ist er fähig. Oft ist es schwer auszuhalten, dass Gott ihn mit dieser Grausamkeit durchkommen lässt. Sicher ist, dass Gott genau hinsieht und darauf reagieren wird, wann er es für richtig hält. Sicher ist auch, dass der Mensch sich letztendlich für sein Handeln vor Gott verantworten muss. Diese biblische Geschichte lehrt uns zudem, dass wir zum einen die Motive unseres Handelns genau überprüfen sollten und dass Gott ein verlässlicher Gott ist, dem wir in allen Dingen vertrauen dürfen.

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