Navigation überspringen

/ Bibel heute

Von Senfkorn und vom Sauerteig

Thomas Brinkmann über Matthäus 13,31–35.

Vorschaubild: Matthäus 13

bibleserver.com

Matthäus 13

ERF Bibleserver bietet dir aktuelle Bibelübersetzungen in über 20 Sprachen und viele hilfreiche Funktionen: Übersetzungsvergleich, Kommentare, Notizen, Tags und viele mehr.

bibleserver.com

Es war verborgen, schon so lange! Die Leute haben es nicht kapiert! Ja, die Propheten haben vom Reich Gottes gesprochen, aber ihre Zuhörer wussten nur wenig damit anzufangen.

Jetzt will Jesus davon sprechen: Wie gut!

Und heute? Ist es nicht wieder oder immer so, dass die Menschen um uns herum überhaupt keine Ahnung davon haben, was Reich Gottes bedeutet? Wenn ich mit dieser Frage auf die Straße gehen würde, bekäme ich wohl kaum mehr als ratlose Gesichter zu sehen.

Deswegen hat Jesus Gleichnisse erzählt: um der Verständnislosigkeit einiger ein Ende zu bereiten. Bilder und Geschichten aus dem Leben helfen zu verstehen. Jesus sprach zu vielen. Tausende hörten ihm zu. Zunächst will ich als Pastor, als Prediger lernen, auch immer wieder Bilder und Geschichten aus dem Leben zu nutzen, um das Wort Gottes zu erklären. Schon die Propheten wollten verstanden werden, so auch Jesus und sicher doch wohl auch Sie und ich!

Also: schauen wir uns diese beiden Bilder genauer an:

Zunächst das Senfkorn. Es ist - um hier wissenschaftlich korrekt zu sein - nicht das kleinste Samenkorn (Zypressensamen z. B. waren noch kleiner) aber im Orient galt das Senfkorn sprichwörtlich als besonders klein. Und aus diesen Senfkörnern konnte in Israel ein Baum von fast vier Metern Höhe entstehen.

Die Botschaft Jesu lautet: Das Reich Gottes mag manchen winzig klein erscheinen, aber in Wahrheit ist es riesengroß. Vielen mag das, was Gott getan hat oder das, was er in der Bibel hat aufschreiben lassen, als unwichtig erscheinen, aber in Wirklichkeit ist es die totale Power, die mächtige Kraft Gottes!

Nicht aus jedem Wort oder auch Gedankengang in einem Gleichnis gilt es Schlussfolgerungen zu ziehen, aber Jesus bietet uns tatsächlich noch ein paar konkrete Anhaltspunkte, wie wir dieses Gleichnis zu deuten haben.

Da ist von dem Mann die Rede, der das Senfkorn aussät. Was für ein wichtiger Aspekt: die Verkündigung, also das Erzählen oder gar Hinausposaunen der Eigenschaften Gottes und natürlich das, was er für uns Menschen getan hat.

Reich Gottes ist überall dort sicht- und hörbar, wo Gott sich selbst in seinem Sohn und in der Kraft seines Heiligen Geistes verherrlicht. Davon gilt es zu sprechen. Das gilt es auszusäen - um es mit den Worten Jesu zu sagen. All die Verherrlichungen Gottes, all sein Reden, all sein Tun sind wie ein kleines Senfkorn, das, wenn es ausgesät wird, ein großer Baum werden kann - für viele Menschen sichtbar.

Ich denke an Menschen in unserer Gemeinde, die so sehr von Gott verändert wurden, dass für alle sichtbar geworden ist, wie groß Gott ist. Ein Mann wurde von einem Moment auf den anderen von seiner Alkoholsucht befreit, nachdem er Jesus all seine Not schilderte und sich für ein Leben nach Gottes Willen entschied.

Oft aber dauert es sehr lange, bis wir die Verherrlichung Gottes erleben. Oft brauchen wir so viel Geduld. Eben: ein Senfkorn wird auch nicht über Nacht ein großer Baum.

Jesus setzt noch nicht einmal voraus, dass aus jedem Senfkorn tatsächlich ein Baum wird. Mir fällt das Wörtchen „wenn“ im Text auf: „Wenn eine Pflanze daraus geworden ist …“ Offensichtlich gibt es bei Gott keinen Automatismus. Ja, er kann alles! Aber er bleibt auch der Souverän.

Ich will immer wieder lernen, mein Handeln nicht vom Erreichen meiner Ziele abhängig zu machen, also Bedingungen stellen, sondern davon, dass Gott mir schlicht den Auftrag gibt, zu säen. Und das will ich mit Begeisterung im wahrsten Sinne des Wortes tun. Auf einer Missionstagung wurde darüber nachgedacht, wie am besten von Jesus weitererzählt werden könne. Die verschiedensten Strategien wurden überlegt. Da meldete sich jemand aus Afrika zu Wort und sagte: „Wir schicken keine Schriften in die Dörfer, die wir für Jesus gewinnen wollen, sondern wir schicken eine christliche Familie dorthin. Damit die Dorfbewohner sehen, was christliches Leben heißt.“

Wie sehr geht es doch um unser LEBEN! Also darum, wie wir in unserer Gesellschaft, in unserem Bekanntenkreis und an unserem Arbeitsplatz Gottes Liebe ausleben! In so vielen Fällen gleicht dies einem Senfkorn, das nach einiger Zeit aufgeht: Wir werden nach Gott gefragt, weil unser Lebensstil ein anderer ist. Einzelne interessieren sich und finden dadurch selbst zu Gott. Das ist Reich-Gottes-Wirken!

Wem wollen Sie heute von Jesus erzählen, von seinen Taten und Worten? Wem leben Sie heute Ihr Christsein so vor, dass spürbar ist: Sie sind anders! Sie kennen Gott!

Nun zum zweiten Bild, zum zweiten Gleichnis Jesu: „Das Reich Gottes gleicht einem Sauerteig. Eine Frau nahm ihn und mischte ihn unter drei Scheffel Mehl. Am Ende war der ganze Teig durchsäuert.“

Jetzt nimmt Jesus uns sozusagen mit in die Küche. Damals wurde das Brot Zuhause gebacken. Drei Scheffel Mehl waren die Menge, die im Durchschnitt für den Brotbedarf einer Familie benötigt wurden. Bei dem Sauerteig handelte es sich um ein kleines Stück Teig, das vom letzten Backtag aufgehoben wurde und in Gärung geriet: deswegen „Sauer“teig. Dieser wurde dann beim nächsten Backen untergemischt. Denn ungesäuertes Brot, also Brot ohne Sauerteig, ist wie Wasserzwieback, hart, trocken und wenig appetitanregend. Während Brot, das mit Sauerteig gebacken ist, weich, locker, saftig und von ausgesprochen gutem Geschmack ist.

„Reich Gottes hat einen guten Geschmack“ - so könnte ich dieses Gleichnis betiteln.

Vor einigen Jahren erlebte die englische Stadt Birmingham überdurchschnittlich viel Straßen-Kriminalität - besonders unter Kindern und Jugendlichen. Eine Methodisten-Gemeinde machte es sich zur Aufgabe, für die Kinder und Jugendlichen der Stadt da zu sein: sie organisierten Programme und beteten für sie. Sie brachten das Evangelium unter diese randalierenden Kinder und beteten intensiv dafür, dass Gott sich unter ihnen verherrlichen möge. Das blieb nicht ohne Wirkung. An einem Tag - nachdem gerade wieder auf ideenreiche Art und Weise die Botschaft der Liebe Gottes unter ihnen verkündigt wurde - kamen 13 Kinder und vertrauten ihr Leben Jesus an. Nach einem Jugend-Gottesdienst, der einige Zeit später veranstaltet wurde, entschieden sich sogar 23 Teenager, die direkt von der Straße kamen, Christ zu werden. Der Sauerteig der Methodisten-Gemeinde hatte sie durchdrungen. Sie wussten, dass es einen Ausweg aus ihrer Situation gab und jetzt waren sie entschieden, diesen Ausweg auch zu gehen: nämlich als Christ zu leben.

Zwar wurde die Straßen-Kriminalität von Birmingham dadurch nicht völlig beseitigt, aber es gab signifikante Verbesserungen.

Das ist Reich Gottes: Christen, die - darf ich das mal so sagen - „gut schmecken“, Gemeinden, die die Hoffnung der Welt leben, haben einen Einfluss auf die Gesellschaft. Wir sind nicht dafür da, miteinander zu streiten und uns durch mangelnde Veränderungsbereitschaft gegenseitig das Leben schwer zu machen. Sondern dafür, um Menschen um uns herum die Hoffnung und den Frieden, den wir in Jesus gefunden haben, zu zeigen. Deswegen fordert uns Gottes Wort auf, unsere Stimme zu erheben und für Politiker zu beten, und selbst Entscheidendes zum Wohle der Allgemeinheit zu tun.

Ihr Kommentar

Die E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.
Alle Kommentare werden redaktionell geprüft. Wir behalten uns das Kürzen von Kommentaren vor. Ein Recht auf Veröffentlichung besteht nicht.

Kommentare (1)

Tanja /

Vielen Dank Herr Brinkmann für die sehr gute Auslegung des Bibelverses.
Somit sind die Gleichnisse meiner Meinung nach noch besser verständlich durch das Übertragen auf das alltägliche. Ausserdem finde ich sehr positiv Ihre angenehme und klare Stimme.