/ Anstoß - Gedanken zum Tag
Ein besonderes Maß an Gnade
Gedanken von Jens Kilian zum Bibeltext Römer 6,1
Was wollen wir hierzu sagen? Sollen wir denn in der Sünde beharren, damit die Gnade umso mächtiger werde?
Lesen Sie gerne Biografien? Hören Sie gerne Lebensgeschichten? Die beeindruckendsten Lebensberichte sind ja nicht die, wo jemand schon immer versucht hat, anständig zu leben. Viel interessanter ist es doch, wenn jemand mal so richtig auf der schiefen Bahn war und dann doch noch Rettung und Veränderung erlebt hat. Schlechte Karten für Leute mit gut bürgerlichem oder christlich sozialisiertem Hintergrund, die so etwas vielleicht nie erlebt haben.
Der Apostel Paulus fragt im 6. Kapitel seines Briefes an die Christen in Rom: Was bedeutet das nun für uns? Sollen wir etwa weiter sündigen, damit Gott Gelegenheit hat, uns seine Gnade in ihrer ganzen Größe zu zeigen?
Seine Antwort folgt umgehend: Natürlich nicht! Gott möchte nicht, dass wir leichtfertig oder gar mutwillig schuldig werden. Ich brauche nicht mehr Sünden, sondern mehr Sündenerkenntnis. Ich brauche die Einsicht, dass ich mehr als genug Schuld auf mich geladen habe. Mit dem verurteilten Verbrecher in der Justizvollzugsanstalt verbindet mich die Tatsache, dass weder er noch ich ohne Vergebung vor Gott bestehen kann.
Wenn ich mich für besser halte als andere, dann fehlt mir vielleicht der realistische Blick für meine eigene Schuld. Christen sind nicht besser, Christen haben es besser, weil sie Vergebung erfahren haben, das ist der Unterschied.
Wenn ich mich für besser halte und auf andere Menschen herabschaue, denn dann ist meine Schuld tatsächlich groß und ich bin darauf angewiesen, dass sich Gottes Gnade in ihrer ganzen Größe zeigt. Gut, dass Gott mir auch dann noch Vergebung anbietet!
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