/ Wort zum Tag

Von der Raupe zum Schmetterling

Jutta Schierholz über Römer 12,2.

Bibelvers

Stellt euch nicht dieser Welt gleich, sondern ändert euch durch Erneuerung eures Sinnes, auf dass ihr prüfen könnt, was Gottes Wille ist, nämlich das Gute und Wohlgefällige und Vollkommene.

Römer 12,2

Ich staune oft darüber, wie Tiere sich verändern und erneuern können. Vögel mausern sich und bekommen ein neues, frisches Federkleid. Schlangen häuten sich, lassen ihre alte, verbrauchte Haut einfach hinter sich und haben eine neue, geschmeidige, schillernde Haut. Und am verblüffendsten sind natürlich die Schmetterlinge. Sie beginnen ihr Leben als Raupen, sie verpuppen sich, und heraus schlüpfen filigrane leuchtende Flatterwesen. Diese Verwandlung der Schmetterlinge nennen die Biologen „Metamorphose“ - das heißt „Gestaltwandel“.

Genau dieses Wort von der Metamorphose verwendet Paulus im Römerbrief, Kapitel 12, Vers 2, dort steht:

„Stellt euch nicht dieser Welt gleich, sondern ändert euch durch Erneuerung eures Sinnes, damit ihr prüfen könnt, was Gottes Wille ist, nämlich das Gute und Wohlgefällige und Vollkommene.“

„Ändert euch“, heißt es hier. Wörtlich: „Lasst eure Gestalt wandeln“. Aber wie soll ich als Mensch meine Gestalt wandeln wie ein Schmetterling? Ich kann äußerlich höchstens ein bisschen dicker oder dünner werden, ich kann meinen Kleiderstil ändern oder ich kann mir eine neue Frisur zulegen. Viel mehr geht bei mir da nicht. Was ich aber kann: Ich kann mein Inneres ändern, mein Denken und meine Einstellung zu den Dingen. Um dieses Innere geht es Paulus. Er sagt aber nicht, dass ich dieses Innere etwa selbst wandeln soll, indem ich prüfe, was Gottes Wille ist und so weiter, sondern dass ich mich von Gott verwandeln lassen soll, damit ich dann prüfen kann, was gut und wohlgefällig und vollkommen ist.

Das ist ein großer Unterschied. Ob ich mich selbst bemühe, durch den hundertsten Ratgeber, die tausendste Übung oder endlose Coaching-Sitzungen mein Leben zu verändern, oder ob ich mich von Gott berühren lasse und von ihm eine ganz neue Basis für mein Leben geschenkt bekomme, einen ganz neuen Boden unter den Füßen, der mir Halt gibt und der mir auch eine Richtung gibt.

So gelingt Veränderung. Es ist ein Prozess, der mein Leben lang andauern wird: meine Verwandlung von der Raupe in den Schmetterling – von einem Menschen, der in seine eigenen Ängste, Wünsche und Bedürfnisse verstrickt ist, hin zu einem Menschen, der Gottes Liebe und Versöhnung gespürt hat und der nun seine Flügel strecken und sich öffnen kann für die Welt. Und der von sich aus ein Gespür entwickelt für das, was Gott möchte: das, was gut und vollkommen ist. Und der sich darin übt, genau das in der Welt zu entdecken und mit eigenen Händen und mit aller Kraft und Kreativität zu fördern.

Ich habe so eine Ahnung, dass solche Menschen bald besonders gefragt sein werden, nun, da sich gerade so viel in der Welt ändert und wo so viele neue Wege gefunden werden müssen, um unser Leben und unseren Alltag zu organisieren. Werde ich es schaffen, in dieser gewaltigen Anstrengung das Gute und Vollkommene zu fördern? Ich darf zuversichtlich sein, dass es zumindest möglich ist. Denn es ist schließlich Gottes Wille, und deswegen wird er auch dafür sorgen, dass es die nötigen Wege gibt und dass er mir die Kraft schenkt, diese zu gehen – oder, um in dem Bild zu bleiben: dass er für den nötigen Wind unter meinen Schmetterlingsflügeln sorgt.


Kommentare

Von Leole am .

Wenn mich Gott berührt hat, ist die Welt immer noch die selbe wie zuvor, mit allen ihren Prblemen, auch meinen persönlichen, aber sie erscheint jetzt in einem freundlichen, heiteren und klaren Licht, nicht mehr im Nebel, trübe und traurig .

Von Jutta Schierholz am .

Danke Ihnen fürs aktive Zuhören, und danke Herr K. und Frau N. für die gute Frage! Für eine ebenso gute Antwort wird der Platz hier nicht reichen, aber in aller Kürze: Es wird für jeden Menschen anders aussehen, wie er von Gott berührt wird. Mir geht es hier um das Erkennen, dass ich das, was mich verändert, nicht in mir selbst finde, sondern dass es mir von außen - von Gott - geschenkt wird. Also erkennen, was mir von Gott bereits geschenkt ist, und erkennen, worin er mich persönlich mehr

Von Pfr.i.R Dietrich T. am .

Danke für diese gute Andacht. Man kann sich anhand der Beispiele vieles gut merken. Jesus segne Sie und Ihre ganze Familie -und Ihre Gemeinde weiterhin so stark.

Von Ruth N. am .

Erfrischende, berührende Worte. Danke.
(Möchte die Antwort auf die Frage vor mir, von Gott berühren lassen, auch gerne lesen) ;-)

Von Anneli S. am .

Die Metamorphose des Menschen geschieht durch den Alterungsprozeß. Man sieht mit 60 Jahren anders aus als mit 20. Genauso ändert sich die Wahrnehmung des Lebens. Man ist in jungen Jahren dynamisch und kraftvoll. Im Alter ist das weg. Man wird ruhiger und bedächtiger. Man nimmt manches nicht mehr so wichtig und anderes wird dafür neu. So empfinde ich die Metamorphose. Wir wandeln uns im Laufe des Lebens. Doch der Mittelpunkt bleibt Gott. Er ändert sich nicht und hilft und führt durch alle Phasen. Ich staune immer wieder darüber. Bei Gott gibt es keinen Wandel.

Von Adalbert. K. am .

Guten Morgen Frau Schierholz.
Herzlichen Dank für Ihre Gedanken. Eine Frage kommt in mir auf, wenn Sie schreiben: "oder ob ich mich von Gott berühren lasse".
Wie kann ich mich von Gott berühren lassen; wie sieht das praktisch aus?
Ich freue mich, von Ihnen zu hören.

Von Renate am .

Danke für diese mutmachenden Gedanken!


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