08.04.2026 / ERF Global Hope

Versöhnung im Schatten des Krieges

Der Ukraine Krieg hat tiefe Traumata hinterlassen. Mit speziellen Trauma-Programmen will TWR dazu beitragen, dass seelische Wunden heilen.

Die Stimmung im Raum ist angespannt. Bei einer internationalen Frauenkonferenz sitzen sich Frauen gegenüber, deren Herkunftsländer seit Jahren von Krieg, Gewalt und Verlust gezeichnet sind. Die Konferenz wurde für Mitarbeiterinnen von TWR veranstaltet, die Frauen weltweit über christliche Medienangebote erreichen, stärken und begleiten.

Die Teilnehmerinnen aus der Ukraine, Russland und Israel sind zurückhaltend. Wie spricht man miteinander, wenn das eigene Land bombardiert wird? Wenn Freunde an der Front sind? Wenn Familien auseinandergerissen wurden? Und wie hört man zu, wenn man weiß, dass die andere Seite ebenfalls leidet? Sie sitzen sich gegenüber und spüren, dass Aussprache notwendig ist.

Ein Raum zum Zuhören

Elmira* und Daniela* aus der Ukraine fangen zögerlich an zu erzählen. Von Nächten ohne Schlaf, weil die Warnsirenen stundenlang heulen. Von der Angst um ihre Väter, die jederzeit in den Krieg eingezogen werden können. Elmira erzählt von ihrem Bruder, der an vorderster Front verwundet wurde. Und den Tagen ohne Strom und Heizung, wenn sie mit ihrer Tochter einen Unterschlupf suchen muss.

Dann spricht Miryam* aus Israel über das Leben mit permanenter Bedrohung, über Trauer und das Gefühl, dass Sicherheit jederzeit zerbrechen kann. Schließlich erzählt auch Anna* aus Russland, wie es ihr und ihren Angehörigen in den letzten Jahren ergangen ist.

Zum ersten Mal hören die fünf Frauen nicht nur übereinander - sie hören einander zu. Wut bekommt Raum und Angst Worte. Sorgen und Gedanken dürfen ausgesprochen werden, ohne unterbrochen zu werden. Es ist ein intensives Gespräch, eines, das notwendig ist.

Sie verstehen, dass sie alle Betroffene sind. Tränen fließen und sie umarmen einander. Der Krieg hat unterschiedliche Gesichter, aber eine Last, die alle Beteiligten tragen: Trauma.

Schritte Richtung Versöhnung

Es war ein unerwartetes Gespräch, das keine schnellen Lösungen oder einfache Antworten erforderte. Ein Gespräch, in dem Schmerz ausgesprochen wurde, Zuhören möglich war und erste Schritte in Richtung Versöhnung entstanden.

Mitten aus Begegnungen wie diesen entstand der Impuls für ein Trauma-Programm. Soldaten an der Front sowie Rückkehrer aus dem Krieg tragen tiefe seelische Verletzungen davon. Auch ihre Familien sowie die TWR Teams selbst sehen sich mit Fragen konfrontiert, für die es kaum Antworten gibt.

Ein Programm für Heilung

Im Krieg entstehen im Herzen der Menschen tiefe, seelische Verletzungen. Umso wichtiger ist es, traumatisierende Erfahrungen frühzeitig aufzuarbeiten, bevor sie krank machen.

Maria, TWR Leiterin für Russland, Belarus und Ukraine, sieht die Not. Auf einer Konferenz lernte sie vor einigen Monaten die Traumatherapeutin Kristina Raschen kennen und stieß eine Zusammenarbeit an. Gemeinsam entwickeln sie zurzeit ein Trauma-Programm für Soldaten, Therapeuten und Seelsorger sowie für Familien. Es setzt bewusst früh an und ermutigt Menschen, sich mit den Folgen von Krieg und erlebtem Trauma auseinanderzusetzen, bevor sich Ohnmacht und Verbitterung festigen.

Videos mit persönlicher Ansprache

Kern des Programms sind kurze Videos, in denen Traumatherapeutin Raschen den Umgang mit Trauma, Trauer, Wut und Versöhnung im christlichen Kontext anspricht. Geplant sind 15 Videos für Soldaten, rund 12 für Therapeuten und Seelsorger sowie eine weitere Reihe für Familien.

Die Programme sollen über verschiedene Medienplattformen der TWR Teams veröffentlicht werden. Sie können auch in Gemeinden und der Seelsorge eingesetzt werden. Um möglichst vielen Betroffenen zu helfen, wird das Trauma-Programm mit einem KI-Programm in sechs Sprachen übersetzt: Deutsch, Englisch, Russisch, Ukrainisch, Hebräisch und Arabisch.

Stimmen von der Front

Was all das notwendig macht, zeigt sich in den Stimmen direkt aus dem Krieg. Immer wieder erhalten die TWR Teams in Russland und der Ukraine Berichte von der Front. Kurze Nachrichten, letzte Briefe, Sätze aus Extremsituationen.

Einer davon stammt von einem russischen Soldaten. In einem Brief an seine Angehörigen schreibt er: „Es gibt hier keinen mehr, der nicht an Gott glaubt.“

Ein Satz, der deutlich macht, wie sehr der Krieg Menschen an ihre inneren Grenzen führt unabhängig von Herkunft oder Seite. Fragen nach Sinn, Schuld und Hoffnung drängen sich auf in einem Konflikt zwischen Ländern, die sich einst nahe standen.

Machen Sie einen Unterschied! 

Ihre Spende ermöglicht die Umsetzung des Programms. Damit Menschen in Kriegsgebieten ihr Trauma aufarbeiten können und Hoffnung und Heilung in Jesus finden.

*Namen wurden aus Sicherheitsgründen geändert.
 

Autor/-in: Nicole Zweininger

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