15.11.2020 / Andacht

Mein Wille oder Gottes Wille?

Warum es sich lohnt, Gottes Willen über den eigenen zu stellen.

16:30 Uhr. Gleich ist Feierabend. Es war ein erfolgreicher Tag, Du und Dein Team haben das Projekt zu einem guten Abschluss gebracht. Deine Kollegen sind in toller Stimmung, denn sie haben sich selbst und ihre Erwartungen übertroffen. Der Raum im Restaurant ist gebucht – denn schließlich soll der Anlass gebührend gefeiert werden. Gerade steigst Du ins Auto, da kommt eine Gruppe von Leuten auf Dich zu, die Deine Zeit und Aufmerksamkeit brauchen. Ein Notfall sozusagen. Was machst Du jetzt?

So oder so ähnlich wird eine Situation im Neuen Testament beschrieben. Jesus hat seine zwölf Apostel mit einem ganz spezifischen Auftrag weggeschickt: Treibt Dämonen aus, heilt die Kranken und verkündet die Botschaft vom Reich Gottes. (Lukas 9,1-2) Die Apostel sind von ihrer Mission zurückgekehrt und die Bibel beschreibt die Szene folgendermaßen:

Als die Apostel zu Jesus zurückkamen, berichteten sie ihm alles, was sie getan hatten. Danach nahm Jesus sie mit sich und zog sich in die Nähe der Stadt Betsaida zurück, um mit ihnen allein zu sein. Aber die Leute merkten es und folgten ihm in großen Scharen (Lukas 9,10-11a).

Ich weiß, was ich in dieser Situation normalerweise tun würde. Mir wären diese Leute egal. Meine engsten Freunde und Kollegen haben gerade die Erfahrung ihres Lebens gemacht. Sie haben sich einer großen Herausforderung gestellt, Mut und Courage bewiesen. Sie haben ihre Sorgen und Befürchtungen überwunden. Ich will ihnen jetzt zeigen, wie stolz ich auf sie bin – und mich mit ihnen freuen und feiern. Jetzt sind meine Freunde am Zug. Da müssen die anderen Leute eben mal zurückstehen. Nachvollziehbar, oder?

Jesus sieht nicht das Störende, sondern die Chancen

Jesus reagiert ganz anders. Ich will nicht behaupten, dass Jesus ähnliche Gedanken durch den Kopf gegangen sind, aber ich kann mir das gut vorstellen. Jesus hat die großen Scharen gesehen – und hat sie willkommen geheißen. „Jesus wies sie nicht ab, sondern sprach zu ihnen über das Reich Gottes; und alle, die Heilung nötig hatten, machte er gesund“ (Lukas 9, 11b).

Ich glaube, in diesen Versen wird deutlich, was es heißt, sein Kreuz auf sich zu nehmen und sich selbst zu verleugnen. Jesus sah, dass diese Menschen ihn in dem Moment nötiger hatten als seine eigenen Jünger.

Für mich ist Jesu Verhalten vorbildhaft. Wo ich mich ärgern, gestört oder genervt fühlen würde, sieht er die Möglichkeiten und Chancen. Wo ich primär auf mich und meine Bedürfnisse oder Wünsche achte, schaut Jesus auf den Nächsten. Wo ich endlich mal meine Ruhe haben will, ist Jesus von all der Not und dem Leid bewegt. An einigen Stellen in der Bibel steht, dass es ihm die Eingeweide zusammenzieht vor Mitgefühl.

Wo ich primär auf mich und meine Bedürfnisse oder Wünsche achte, schaut Jesus auf den Nächsten. Wo ich endlich mal meine Ruhe haben will, ist Jesus von all der Not und dem Leid bewegt.

Feiern kann er mit seinen Jüngern auch später noch. Diese Menschenmenge aber braucht ihn genau jetzt. Und natürlich weiß Jesus genau, was sein Vater im Himmel vorhat. Als Resultat werden alle gesund, die Heilung nötig hatten. Jeder von uns würde vermutlich im Nachhinein sagen: „Das hat sich gelohnt.“ Aber wer hätte sich ohne dieses Wissen wirklich Zeit für die großen Scharen genommen?

Das bedeutet meiner Ansicht nach nicht, dass wir uns jederzeit um jedermann kümmern müssen. Auch Jesus hat nicht jeden geheilt, der ihm über den Weg gelaufen ist. Aber er hatte sein Ohr ganz nah am Herz seines Vaters. Die beiden haben sich ständig ausgetauscht. Und wenn der Vater den Sohn um etwas gebeten hat, war Jesus zu 100% da.

Das halte ich für nachahmenswert. Immer ein offenes Ohr für Gott haben und im Falle einer ungeplanten „Störung“ kurz nachfragen: „Gott, ist das ein Ärgernis oder eine Chance?“

Autor/-in: Claas Kaeseler

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