15.02.2023 / Wissen

Ich denke, also dank ich

Eine kleine sprachliche Reise zum Wort „Danke“

Ist Ihnen aufgefallen, dass sich die Wörter denken und danken in nur einem Buchstaben unterscheiden? Im Englischen ist es genauso: think und thank. Das ist natürlich kein Zufall. Was aber hat diese Verknüpfung zu bedeuten, wenn der Begriff denken meist mit dem Kopf in Verbindung gebracht wird, danken aber sprichwörtlich „von Herzen“ kommt?

Die Verben danken und denken haben dieselbe Wurzel: teng bzw. tongere. Teng geht mit den Begriffen „empfinden“ und „denken“ einher, tongere weist in Richtung „kennen“ und „wissen“. Das daraus hervorgegangene danken bezeichnete in seiner ursprünglichen Bedeutung „das mit dem [Ge]denken verbundene Gefühl und die Äußerung dankbarer Gesinnung“*

Es ist also ein ganzes Begriffskontinuum, das in dem Verb danken zusammengeschmolzen ist:

Diese vier Punkte führen zu der „Äußerung dankbarer Gesinnung“, mit der der Duden das Verb danken umschreibt. Aus dem Wissen, Erkennen und Empfinden heraus entsteht in mir der Wunsch, meine Dankbarkeit zu äußern.

Sind Danken, Loben und Preisen dasselbe?

In der Bibel werden anstelle von danken häufig auch die Verben loben und preisen verwendet, die in unserer Alltagssprache kaum noch vorkommen. Jüngere, für Laien gut lesbare Übersetzungen haben diese oft mit danken ersetzt. Das kann man als Verarmung im sprachlichen Ausdruck ansehen, denn loben und preisen sind nicht exakt kongruent mit dem Begriff danken, sie sind ebenfalls spezifisch in ihrer Bedeutung.

Loben steht in Verbindung zu „für lieb halten“, preisen geht auf das lateinische Wort für „Wert“ oder „Kaufpreis“ zurück und bedeutet „etwas sehr schätzen“. Insbesondere die Gute Nachricht Bibel reduziert die Aufforderung „Lobt!“ und „Preist!“ meist auf „Dankt!“, wie dieser Vergleich auf www.bibleserver.com beispielhaft zeigt:

Screenshot von ERF Bibleserver zum Thema „Danken“


An diesem Beispiel fällt zudem auf, dass Luther lobet verwendet, die Elberfelder Bibel, die sich sprachlich sehr nah am Originaltext orientiert, preist einsetzt, was aber auf das Gleiche hinauskommt: „Liebt Gott / Schätzt Gott wert“. „Dankt Gott“, wie es in der Guten Nachricht Bibel übersetzt wird, scheint dagegen in der Intensität etwas abzufallen.

Vielleicht liegt das daran, dass loben und preisen im heutigen Sprachgebrauch ausdrucksstark anmuten, auf die Spitze getrieben durch die Konstruktion „Lobpreis“, die üblicherweise mit Musik einhergeht. Loben und preisen werden als sehr gefühlvoll, mitunter lautstark wahrgenommen. Danken hingegen haftet etwas Höfliches, weniger Temperamentvolles an. Danken wirkt artiger.

Das mögen die Empfindungen sein, die mit diesen Begriffen heute verknüpft sind. In seiner ursprünglichen Bedeutung steht das Danken dem Loben und Preisen aber nichts nach. Es ist kein sprachlich „ärmerer“ Ausdruck, sondern ein neutralerer, denn in welcher Form ein Mensch seinen von Herzen gefühlten Dank zum Ausdruck bringt, bleibt ihm und seinem persönlichen Temperament überlassen.

¡Gracias! für die Gnade

Wie bereits erwähnt, steht das Verb danken für die Verbindung aus Denken, Empfinden und den Ausdruck des positiven Gefühls. Es ist ein ganzheitlicher Begriff. „Dankt Gott!“ setzt voraus, dass ich Gott als denkendes und fühlendes Wesen als Ursprung meines Lebens und all meiner Lebensgrundlagen erkennen kann und meine Freude darüber an ihn richte.

Dankbarkeit führt meinen Blick also von mir und meinen Begrenztheiten weg und bringt meinem Gegenüber meine Wertschätzung entgegen. Dankbarkeit steht im Gegensatz zu Egoismus. Sie ist ein wichtiger Bestandteil im Klebstoff echter Beziehung, sowohl zu Menschen als auch zu Gott.

Romanische Sprachen wie das Italienische und das Spanische beziehen sich beim Danken übrigens auf einen anderen Begriff, nämlich auf das lateinische gratia, was sich mit „Gnade“ übersetzen lässt. Dies steht in schöner Ergänzung zum deutschen Ausdruck für das Danken. Denn diese Sprachen erkennen an: Das Gute, für das ich meine Dankbarkeit äußern will, ist Gnade – also ein unverdientes Geschenk.

Es ist so kostbar, dass wir Menschen nichts zu geben haben, was den Wert aufwiegen könnte. Dass wir denken, empfinden, erkennen und daraus Freude schöpfen können, liegt Gottes einzigartiger Gnade zugrunde. In diesem Sinne: Dankt Gott!
 

*Duden: Das Herkunftswörterbuch. Mannheim, 2007: Bibliographisches Institut & F.A. Brockhaus AG. S. 134
 

Autor/-in: Katrin Faludi

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