18.03.2026 / Buchauszug

Hilfe, ich bin nachtragend!

Was kennzeichnet dieses Gefühl und wie bringe ich es vor Gott? Auszug aus dem Buch „Feel“ von Anjuli Paschall.

Gefühle sind nicht immer angenehm und stehen uns manchmal im Weg. Gerade Bitterkeit kann unser Herz schwermachen und ein echtes Hindernis für Versöhnung sein. Wie können wir damit umgehen, wenn wir anderen etwas nachtragen?

Anjuli Paschall ist Autorin, Pastorenfrau und Mama von fünf Kindern. In ihrem Buch „Feel – Gebete und Gedanken für jede Emotion“ gibt sie Hilfen an die Hand, um mit den unterschiedlichen Gefühlen umzugehen. Wir veröffentlichen mit freundlicher Genehmigung des SCM Verlages einen Auszug aus dem Buch zur Emotion „Nachtragend“.

Die Sprache für das Gefühl: Ich trage anderen etwas nach

Als mein Mann neulich auf Reisen war und mein Terminkalender bereits zu platzen drohte, gab zu allem Überfluss noch jemand seine Kinder bei mir ab, damit ich auf sie aufpasste. Ich war schon am Ertrinken und fühlte mich absolut nicht ernst genommen.

Ich bin immer der Notnagel. Ich binde die losen Enden zusammen. Ich bereite das Essen vor, plane die Veranstaltung, denke daran, noch das Eis zu holen. Die Leute wissen, dass ich Ja sagen werde, und ich tue es.

Ich möchte lieben, aber ich bin verletzt worden. Der Groll gärt in mir. Ich spüre, wie sich etwas in mir zusammenbraut. Es brodelt. Irgendwie gibt meine Wut mir Kraft. Ich probiere meine Bitterkeit, sie schmeckt süß. Manchmal ist es sehr befriedigend, meinen Unmut zu nähren. Ich nicht so eine Art Mensch sein, So wütend und verletzt ich auch bin, ich will nicht, dass mein Schmerz mich vergiftet.

Ich gestehe, dass meine Gedanken mich auf einen dunklen Pfad der Rache führen. In meinem Leid will ich, dass auch andere leiden, und ich werde zum rachsüchtigen Opfer. 

Ich gestehe, dass ich auch versucht bin, mein Leid nach innen zu lenken. Ich neige zu Selbsthass oder dazu, meine wahren Gefühle zu verdrängen. Ich bin frustriert, weil ich in der Lage sein sollte, mein Leben in den Griff zu bekommen. Etwas stimmt doch nicht mit mir, wenn ich so empfinde. Mein Groll wird zu Bitterkeit und sogar zu einem gewissen Anspruchsdenken.

Einen Moment lang lasse ich meinen Groll zu. Ich will nicht in Aktionismus verfallen oder meine Gefühle herunterspielen. Ich lasse den Groll in mir zu und versuche nicht direkt, ihn aufzulösen. Ich fühle ihn und mein Körper spannt sich an. Ich lasse alles, wie es ist. Mir ist bewusst, dass ich Schmerzen habe.

Etwas zu erzwingen oder mich ohnmächtig zu fühlen, hat meine Wunden nicht beseitigt, sondern eher noch vergrößert. Es muss einen anderen Weg geben.

Eine Andacht für Zeiten des Grolls

Atme ein – Jesus, Jesus, Jesus …
Atme aus – …hilf mir, zu segnen.

Gott, ich öffne mein Herz für dich.

Ich empfinde Groll.

Ich spüre ihn in meinem Körper und er nagt an mir.

Erforsche mein Herz, o Gott, damit ich erkenne, wie der Groll meine Geschichte geprägt hat.
Woher kommt er?

Gott, mir wurde Unrecht angetan.
Ich bin verletzt worden, und das ist nicht in Ordnung.
Man hat sich nicht um mich gekümmert, mich nicht beachtet und mich nicht berücksichtigt.
Mein Zorn ist in meiner Seele bitter geworden.

Gott, du lädst mich ein, meinen Groll zu spüren, aber nicht, ihm nachzugeben.
Du lädst mich ein, durch ihn hindurchzugehen, aber nicht, in ihm hängen zu bleiben.

Ich bin hin- und hergerissen zwischen dem, was ich bin, und dem, was ich sein möchte.

Erlaube mir, falsche Scham abzulegen, damit ich dir Wurzeln meines Grolls und den Schmerz, der darin steckt, erkennen kann.

Dieser Schmerz ist echt.

Ich erlaube mir jetzt, ihn zu fühlen.

Manchmal ist er schwer zu fühlen, zu sehen und zu benennen.

Aber du, Herr, siehst mein Herz. Du siehst meinen Schmerz. Du siehst, wie ich mich abgemüht habe.
Du siehst, was andere nicht sehen können.

Du, Herr, weißt, wie es ist, wenn man zu kämpfen hat.
Du wurdest verletzt.
Du wurdest ausgenutzt.
Du wurdest misshandelt.

Ich komme in deine Liebe und bin getröstet in dem Wissen, dass ich nicht allein bin.

Hilf mir, neugierig auf mein eigenes Herz und meine eigene Geschichte zu sein.
Hilf mir, gütig und barmherzig zu sein gegenüber meiner brennenden Seele.
Hilf mir, mich von dem Groll zu befreien, der mich umtreibt.

Und wenn ich keine Erleichterung finden kann, Herr, bete ich um deine Gnade für die Dinge, ich nicht ändern kann. Ich brauche dich hier. Du siehst mich und alles, was ich getan habe.

Ich vertraue darauf, dass du mich auch durch diesen Schmerz hindurch heilst.
Ich vertraue darauf, dass dein Geist in meinem Herzen arbeitet.
Ich vertraue darauf, dass du meine Lebensgeschichte vom Groll zur Freiheit weiterschreibst.

Hilf mir, mit deiner Gnade die zu segnen, die mich verletzt haben.
Gott, hilf mir, meinen Groll nicht mit noch mehr Groll zu nähren, sondern bitte füttere meinen Groll mit deiner Liebe.

Ich öffne meine nachtragenden Gedanken für dich.

Ich öffne mein Herz für das Kreuz.

Ich atme.
Hier finde ich Trost.

Ich mache mir jetzt dein Gebet zu eigen: „Vater, vergib diesen Menschen, denn sie wissen nicht, was sie tun“ (Lukas 23,34).

Herr, erhöre mein Gebet.

Lebendiges Wort

Ich möchte von dir hören.

Vergeltet anderen Menschen nicht Böses mit Bösem, sondern bemüht euch allen gegenüber um das Gute. Tragt euren Teil dazu bei, mit anderen in Frieden zu leben, soweit es möglich ist! Liebe Freunde, rächt euch niemals selbst, sondern überlasst die Rache dem Zorn Gottes. Denn es steht geschrieben: „Ich allein will Rache nehmen; ich will das Unrecht vergelten“, spricht der Herr. Handelt stattdessen so, wie es in der Schrift heißt: „Wenn dein Feind hungrig ist, gib ihm zu essen. Wenn er durstig ist, gib ihm zu trinken, und er wird beschämt darüber sein, was er dir angetan hat.“ Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse durch das Gute!

Römer 12,17-21
 

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