17.04.2010 / Themenwoche Single Sein

Echter Mann oder Muttersöhnchen?

Roland Breg engagiert sich in der Frauendomäne Singlearbeit. Er verrät, warum er das macht und was es dazu braucht.

ERF: Sie leiten die christliche Single-Initiative Christ Contact. Wie ist es dazu gekommen?

Roland Breg: Ein Pastor hat zu mir einmal gesagt: „Roland, Du bist ein bunter Vogel. Aber es ist gut so. Wir brauchen diese Farbpunkte.“ Bei mir ist das extrem ausgebildet. Als ich in christliche Plattformen für Partnersuche hineingeschaut habe, habe ich gesagt: Das könnte ich nie machen. Ein Mensch kann sich übers Internet und übers Telefon ganz anders darstellen, als er in Wirklichkeit ist. Dann habe ich mir gesagt: Es muss eine andere Möglichkeit geben. Ich muss Begegnung schaffen. Da ich schon immer selbstständig war, dachte ich: Warte mal ab, vielleicht kommt ja von oben was. Und dann kam wirklich ein Impuls.

So kam es zu den ersten Christ Contact Single-Konferenzen. Bei mir gibt es auf den Events was zu erleben, da wird was miteinander gemacht, da werden auch einmal Pannen konstruiert, wo sonst alles bestens durchorganisiert ist. Da findet das Leben statt. Christ Contact ist Verbindung in jeglicher Form und Beziehung.

Klassischer oder moderner Typ

ERF: Haben Männer und Frauen unterschiedliche Bedürfnisse und Wünsche, was den zukünftigen Partner angeht?

Roland Breg: Es gibt Männer, die ein Hausmütterchen möchten und ihren ganz kleinen familiären Rahmen, so eine kleine heile Welt. Es gibt aber auch Männer, die sagen: Ich möchte eine Frau, die etwas darstellt und die sich nach außen präsentieren kann. Es gibt Frauen, die haben das Bedürfnis: Ich muss irgendwo ankommen, wo ich meine wirtschaftliche Sicherheit habe. Das betrifft Männer weniger. Da sind Frauen schon ein bisschen mehr fixiert: Wo ist der Mann, der mir die Plattform bietet, dass ich Kinder bekommen kann, dass ich mich als Frau in dem Teil wohl fühle, der mir angeboren ist. Und dann gibt es ganz klar die Frauen, die business-orientiert sind. Die sagen: Ich lasse mir von keinem Typ was sagen. Wenn der Beziehung will, dann aber auf Augenhöhe und gleichwertig. Das sind jetzt nur zwei ganz extreme Darstellungen von einer Palette von verschiedenen Möglichkeiten. Es gibt diesen klassischen Typ und den modernen Typ auf beiden Seiten. Wobei ich meine, dass bei Christen eher der klassische Typ zuhause ist.
 

ERF: Verlieben sich Männer anders als Frauen?

Roland Breg: Bei mir muss ein gewisser Typ vor meinen Augen sein, in den ich mich verlieben kann. Ich sage immer: Frauen sind im Bild gesprochen wie eine Blumenwiese. Da gibt es drei Blumen, die für mich das absolute Highlight sind, die erwecken meine Aufmerksamkeit. Die anderen sind auch schön, aber bei diesen dreien spricht mich irgendetwas an. Ich kann nicht sagen, was es ist. Ich funktioniere nach einem solchen Typenraster. Ich kenne Männer, die funktionieren nach einem Gesprächsraster. Die kommen erst mal mit Frauen, die sie ganz nett finden, ins Gespräch. Und auf einmal merken sie: Da kommt was bei mir an und dann macht es klick. Bei mir macht es schon vorher klick, bevor ich überhaupt ein Gespräch geführt habe. Ich weiß aber auch, dass die schönste Frau dann für mich kein Thema mehr wäre, wenn sie mir in Themen des Alltags und des Lebens zu konträr wäre.

Alles nur Muttersöhnchen?

ERF: Eine Frau, die in der Singlearbeit tätig ist, meinte, dass Single-Männer sich oft in der Persönlichkeit ab einem gewissen Alter nicht mehr weiterentwickeln – im Gegensatz zu den gleichaltrigen Single-Frauen. Das würde eine Partnerschaft oft erschweren. Was meinen Sie zu dieser Aussage?

Roland Breg: Wenn ich in christliche Kreise hineinschaue, möchte ich dieser Person schon fast recht geben.
Ich habe auf einer Singlekonferenz ein knallhart vernichtendes Urteil erlebt: Da waren zwei Drittel Frauen, ein Drittel Männer. Und die Frauen haben gesagt: Die paar gescheiten Männer, die hier sind, sind vergeben und das andere sind Muttersöhnchen. Das war genau dieses Klischee oder diese Feststellung. Bei Christen sehe ich ganz viele, die eine gewisse Hilfsbedürftigkeit aufweisen. Frauen, die sagen: Ich brauche einen Versorger und Männer, die sagen: Ich brauche vielleicht eine Mama. Aber nicht einen gleichwertigen Partner, der auch etwas zu sagen hat.

Bei meinen Vorträgen sehe ich überwiegend Frauen, kaum Männer. Dem Spirituellen öffnen sich die Frauen wesentlich mehr als die Männer. Vielleicht ist es ein Vorzug der Frauen, dass sie da genauer hinschauen. Vielleicht auch dort, wo es gar nichts hinzuschauen gibt und es vielleicht in Ordnung wäre. Ich glaube, ein Mann - und da sehe ich mich selbst - hat Angst, in sich hinein zu schauen. Da ist irgendwas, was ich nicht greifen kann und womit ich mich lieber nicht beschäftigen will. Geschweige denn, es entwickeln will. Dass man da Gewinn schöpfend etwas rausholen kann, sehen die wenigsten.
 

ERF: Haben Sie eine Idee, wie man das verändern könnte, so dass Männer Lust daran bekommen, an sich zu arbeiten?

Roland Breg: Wichtig ist, dass sie nicht hineingezwungen werden, auch nicht manipuliert werden. Ein Mann bekommt vermutlich Lust an sich zu arbeiten, wenn er einige Beziehungen geschrottet hat. Die Vielzahl der negativen Erfahrungen könnte dazu führen, dass er sagt: Da könnte ich einmal genauer hinschauen. Wenn ein Mann für sich empfindet: Ich bin so in Ordnung, wie ich bin – warum sollte er dann ein Bedürfnis haben, etwas zu verändern?

Was ich auf jeden Fall weiß - und das ist ein Rückspann auf die Jahre, die ich alleine gelebt habe – ist, dass es manchmal eine Flucht ist, wenn man sich gleich wieder die nächste Beziehung sucht. Eine Flucht vor sich selbst. Nur in der Selbstreflektion kann ich sehen, was die Beziehung geknickt hat. Es geht darum zu erkennen, wer ich bin und was ich tue. Was tue ich mit anderen und was tun andere mit mir. Mit allem, was sie außen bedienen können, kennen sich die meisten Männer aus. Aber wehe, wenn es an das geht, was in ihnen drinnen ist. Wir merken nur von außen: Es wird sehr viel erwartet von uns und das tun wir ganz tough, so weit es geht und manchmal mit richtiger Durchsetzungskraft.

Aber dass Männer auch sensible Seiten haben, die die Frauen ja auch gerne sehen würden, das fällt uns schwer. Das ist immer eine gewisse Zerreißprobe. Und da ist es wichtig, mich darzustellen, als der, der ich bin, mit dem, was ich kann. Wenn ich das tue, habe ich tolle Veränderungsmöglichkeiten.

Nur ein glücklicher Single wird ein glücklicher Partner

ERF: Das bringt einem ja auch für eine zukünftige Beziehung etwas, wenn man an sich selbst arbeitet.

Roland Breg: Nur ein glücklicher Mensch ist in der Lage, einen anderen glücklich zu machen. Wenn ich ein glücklicher Single bin, dann kann ich auch derjenige sein, der zum Glück des Partners beiträgt. Wenn ich als Single unglücklich bin, dann habe ich vielleicht einen Partner - ob der aber mein Unglück löst, das wage ich zu bezweifeln. Der kann vielleicht temporär dafür sorgen, dass es mir ein bisschen besser geht, aber Glück ist etwas anderes.
 

ERF: In der christlichen Singlearbeit sind hauptsächlich Frauen tätig. Welchen besonderen Anteil können gerade Männer in diesem Bereich leisten?

Roland Breg: Ich kann als Mann darstellen, was für mich wichtig ist in der Singlearbeit und welche Bedürfnisse ich habe. Es nützt ja nichts, wenn Frauen über irgendeine Sache reden und nicht wissen, wie die Männer diese Sache sehen. Es geht darum, die Bedürfnisse des anderen Geschlechts zu spüren. Das ist ja die Kunst einer Beziehung. Männer sind Höhlenmenschen, die sich zurückziehen und nicht so viel reden wollen. Wenn eine Frau das nicht weiß und den Mann permanent zutextet, dann sorgt sie nur für ihre Bedürfnisse und übergeht die des Partners. Sich überhaupt erst einmal als Mann darzustellen, ist vielleicht eine ganz große Herausforderung.

Die Frauen sagen ja: Neue Männer braucht das Land oder alle Männer sind Schweine. Aber ich sage ihnen, wenn die Frauen auf Dauer vorne wären, hätten wir vermutlich irgendwann auch eine ähnliche Meinung über die Frauen - wenn auch nicht in der Ausdrucksform.

Der Beitrag von den Männern für die Singlearbeit gilt letztlich für beide Geschlechter: Dass ich gerne Mann bin oder gerne Frau bin. Mann sein, da zu sein, zu sagen: Ich kann Verantwortung übernehmen. Aber ich lass mich weder da hineindrängen, noch mich verbiegen. Nur, wenn ich meine Identität habe, in mir als Mann keine Zerrissenheit ist, vermag ich das Profil anzubieten, das es braucht. Dann kann ich mich auch in jeder Arbeit einbringen. Ich habe eine These darüber, was den Mensch ausmacht: Seinen Platz suchen, ihn finden und ihn ausfüllen. Die meisten suchen, die wenigsten haben ihn gefunden, geschweige denn, dass sie ihn ausfüllen. Und da gehört der Platz als Mann, als Frau dazu.
 

ERF: Vielen Dank für das Gespräch!


Roland Breg ist psychologischer Berater, Mediator und Coach. Unter anderem ist er in der Beratung für Singles und Paare tätig. 2008 gründete er die Singlearbeit Christ Contact, die er heute zusammen mit einem Team leitet.

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