Portrait

„Die Christen sollen büßen“

Als Bülent Askars Frau Christin wird, zerbricht ihre Ehe fast. Dafür will er sich rächen.

Er hatte ihm gedroht. Ganz unmissverständlich. Er hatte ihm gesagt, dass wenn er seine Frau tauft, dass das Konsequenzen haben würde. Und beide wussten, dass es schlimme Konsequenzen sein würden. Trotzdem wurde seine Frau getauft. Bülent Askar will nun zu seinem Wort stehen und seine Drohung in die Tat umsetzen. Er will in eine christliche Veranstaltung platzen und sich rächen. Wie? Das lässt sich Bülent noch offen.

„Allah muss ein strenger Gott sein“

Bülent Askar ist 42 Jahre alt und lebt in München. Er leitet das christliche Hilfsprojekt „Perlacher Herz“, das Nachbarschaftshilfe anbietet. Das zweite Projekt dieser Art, das „Haderner Herz“, baut Bülent Askar zurzeit mit auf. (Foto: Privat)

Bülent Askar ist Kind türkischer Gastarbeiter. Er wächst in München in einem türkischen Umfeld auf. Seine Familie ist alevitisch, sein Vater überzeugter Moslem. Zu Bülents Leben gehört es, die islamischen Gebetsrituale einzuhalten und zu einem privaten Koranunterricht zu gehen. Trotzdem kann Bülent wenig mit Allah anfangen. Immer, wenn Bülent Blödsinn macht, wird ihm mit der Strafe Allahs und der Hölle gedroht. „Allah muss ein strenger Gott sein“, denkt er sich. Mit dem will er nichts zu tun haben.

Als Jugendlicher hält sich Bülent dann nicht mehr an die Regeln des Korans. Er verkauft Drogen, knackt Autos, ist ständig in Schlägereien verwickelt. Die Angst vor Allah und der Hölle aber ist geblieben. „Ich habe jeden Abend vor dem Schlafengehen zu Gott gebetet“, sagt Bülent über diese Zeit.

Das Ultimatum

Mit 24 Jahren lernt er Tanja kennen. Sie gehen eine Beziehung ein, sind glücklich. Sie ziehen zusammen und geben sich das Ja-Wort. Die Begeisterung seines türkischen Umfelds hält sich in Grenzen. Als Bülent die Einladungen zur Hochzeit verteilt, sagt ihm eine Türkin: „Warum muss es eine deutsche Frau sein? Sie wird dich betrügen oder verlassen.“ Diese Worte hallen noch lange in seinem Kopf nach.

Seit sich Bülent und Tanja kennen, liest sie in der Bibel und das hat Bülent nie gestört. „Wenn sie den Gott kennenlernt, den ich kannte, dann wird sie keinen Mist bauen und mir immer treu sein“, denkt er sich. Aber kurz nach der Hochzeit will Tanja einen Schritt weiter gehen und sich einer christlichen Gemeinde anschließen. Da platzt Bülent der Kragen: Tanja würde Schande über die ganze Familie bringen.

Er stellt Tanja ein Ultimatum: Wenn sie einen Gottesdienst besucht, trennt er sich. Sie macht es trotzdem, Bülent packt daraufhin einen Koffer und zieht für eine Woche aus. Doch er hört immer wieder den einen Satz in seinem Kopf: „Warum muss es eine deutsche Frau sein?“ Bülent will nicht, dass diese Frau Recht bekommen sollte. Das würde seine Ehre beschmutzen. Also geht er zurück zu Tanja und will sie davon überzeugen, ihren Glauben aufzugeben. Vergeblich.

„Wenn ich am Montag nicht komme, stell keine Fragen“

Bülent und Tanja gehen einen Kompromiss ein: Zwei Mal pro Woche darf sie die Gemeinde besuchen. Während Tanja mehr und mehr begeistert von Jesus ist, geht Bülent zu seinen Wurzeln zurück und besinnt sich auf den Islam. Ihre Ehe hält diese Spannung nicht aus. Sie leben zwar unter einem Dach, sind aber innerlich getrennte Menschen. Das macht Bülent aggressiv. Bevor Tanja sich der christlichen Gemeinde anschließen wollte, ging es ihnen gut. Sie hatten ein gutes Leben. Und all das ist kaputt. Die Schuld dafür gibt Bülent den Christen.

Dann will sich Tanja taufen lassen. Bülent findet heraus, wer sie taufen wird und droht dieser Person am Telefon. Aber es bringt nichts, Tanja wird dennoch getauft. Und Bülent? Er tobt. Verarbeitet die Möbel ihrer Wohnung zu Kleinholz, wie schon so oft. Als Tanja Bülent dann um einen Extra-Tag in der Gemeinde bittet, um mit anderen Bibeln zu verteilen, sieht Bülent seine Chance gekommen.

Bülent weiß, dass derjenige, der Tanja getauft hat, bei der Verteilaktion dabei sein wird. Einen Tag vorher geht Bülent zu seinem Chef und sagt: „Wenn ich am Montag nicht komme, stell keine Fragen, sondern such‘ dir einfach einen Neuen.“ Der Chef ist besorgt und will wissen, was Bülent vorhat. Bülent erzählt ihm nichts. Genauso wenig erzählt er seinen besten Freunden, von denen er sich auch verabschiedet.

Zeit für Rache

Dann ist der Tag gekommen. Bülent sitzt in der S-Bahn. Auf der Fahrt macht er sich klar, warum er die Christen so hasst. Sie haben seine Ehe zerstört und dafür sollen sie büßen. In höchster Aggressionsstufe kommt Bülent an. Er geht die Treppe der S-Bahn-Station hoch und sieht die Gruppe. Tanja registriert ihn und warnt die anderen vor: „Das ist mein Mann.“ Derjenige, der sie getauft hat, rennt los. Bülent will hinterher, doch dann bleibt er stehen. Eine Stimme spricht zu ihm.

„Was haben diese Menschen dir angetan?“, fragt sie. Bülent fühlt sich, als hätte jemand einen Reset-Knopf gedrückt. Seine Aggressionen, seine Kraft, sogar seine inneren Überzeugungen – alles ist auf einmal weg. Bülent ist sich nicht sicher: Wird er gerade verrückt oder hat tatsächlich Gott zu ihm gesprochen? Wenn es Gott war, wird es Tanjas Gott gewesen sein müssen. Denn scheinbar will jemand sie beschützen.

„Ich bin Türke. Falsche Adresse!“

Dieses Erlebnis lässt Bülent nicht los und er sucht nach Antworten. Will mehr über den christlichen Glauben erfahren. Und dann hört er die Stimme noch einmal: „Lass dich taufen.“ „Ok“, denkt sich Bülent, „das überhöre ich. Das habe ich einfach nicht gehört.“ Doch die Stimme fordert ihn ein zweites Mal auf: „Lass dich taufen.“ Jetzt steht Bülent auf, hebt seine Hände und sagt: „Ich bin Türke. Falsche Adresse!“ Doch die Stimme wiederholt: „Lass dich taufen.“ Ein inneres Feuer packt Bülent. Er ruft den Pastor an, eine Woche später wird Bülent getauft und liest ab da in der Bibel.

Bülent will ein anderer Mensch werden. Darum ist er nett zu allen und benutzt keine Schimpfwörter mehr. Doch Gott scheint weit weg zu sein, zumindest erlebt Bülent ihn nicht mehr. Nach drei Monaten hat Bülent deswegen die Nase voll von Gott. Als seine Frau ihm dann von jemandem erzählt, der Jesus gesehen haben soll, rastet Bülent aus: „Ich will den Namen ‚Jesus‘ nicht mehr hören!“, schreit er und geht ins Schlafzimmer. Er zieht die Decke über den Kopf und spricht mit Gott. Sagt ihm, dass ihre Wege sich wieder trennen müssten. Doch nach einiger Zeit tut es Bülent leid. Jesus habe auch um seinetwillen am Kreuz leiden müssen. Er bittet Gott um Vergebung und möchte eigentlich nur eine Sache von Gott wissen: Hat Gott ihn wirklich angenommen? Dann ist Bülent halsabwärts gelähmt.

Bülent merkt, dass etwas passieren wird und ruft: „Er kommt, er kommt!“ Und eine Wärme breitet sich in ihm aus, von den Füßen an erfüllt sie ihn. Die Stimme spricht erneut und sagt ihm, dass er geliebt und angenommen sei. „Der Heilige Geist hat mich umarmt“, sagt Bülent heute. Danach kann er sich wieder bewegen, er geht auf die Knie und betet. Und er weint. Mehrere Stunden lang.

Ein neues Leben

Seitdem sind rund 13 Jahre vergangen. Lange Zeit hat Bülent außer mit seiner Frau Tanja nicht über seine Erlebnisse gesprochen. Er wollte von anderen nicht für verrückt gehalten werden. Doch als er sich getraut hat, von seiner Begegnung mit Gott zu erzählen, waren Menschen berührt, erzählt er. Deswegen entscheidet Bülent, mit seiner Geschichte offener umzugehen und andere daran teilhaben zu lassen.

Auch an seinem Arbeitsplatz bekommt Bülent oft Fragen zu seinem Glauben gestellt. Die christliche Einrichtung, in der er arbeitet, bietet Nachbarschaftshilfe an und viele „Stammkunden“ seien Muslime. Wenn sie sehen, dass Bülent als Deutschtürke eine Kette mit einem Kreuz-Anhänger trägt, sprechen sie ihn darauf an. Und Bülent erzählt, wie sich Gott ihm damals gezeigt hat.

Bülents Umfeld bestehe nach wie vor zum Großteil aus Muslimen, zu 80 Prozent schätzt er. Auch seine Eltern akzeptieren seinen neuen Glauben. Wenn sie gewusst hätten, welche positive Auswirkungen der christliche Glauben auf Bülent haben würde, dann wären sie froh gewesen, wenn er schon früher Christ geworden wäre, haben sie zu ihm gesagt.


Kommentare

Von Heinz u. Esther am .

Wir sind begeistet von dieser Geschichte und von
unserem grossen Gott.

Von Marion Christa N. am .

Wir haben einen wunderbaren und gnädigen Gott. Welch schöner Lebensbericht von Bülent. Seine Ehe wurde durch die Begegnung mit Jesus gerettet und er wurde ein friedliebender Mensch.

Von Johann J. am .

Halleluja! Bei JAHWE - Gott und seinem Messias und Christus Jesus ist eben nichts unmöglich! Schade nur, dass viele Christen diese Macht und Herrlichkeit dem EWIGEN nicht, bzw. nicht mehr zutrauen. Herr Bülent Askar, hören Sie nie mehr auf, dem Heiligen Israels, Schöpfer und Eigner des Universums und einigen Gott der ganzen Menschheit, alles zuzutrauen, was zum Guten dient, auch wenn es durch schwere Zeiten geht!
Ehre sei dem HERRN, einfach wunderbar!!!

Von Fragezeichen am .

herzzerreißend...übernatürlich...grenzenlos.
Wenn ich doch nur annähernd eine solche Berührung bekommen hätte ....dann wären meine Herzensfehler die sehr gravierende Auswirkungen hatten nie so geschehen....dieser junge Mann hat einen gewaltigen Auftrag. Sehr gerne hätte ich auch den Mut für meinen klaren Auftrag gehabt - zu der Zeit als mein Herz durch viele Verwundungen gespalten u. verletzt war. Damals musste ich jedoch Fehler auf Fehler häufen - der lebendige Gott hat mich sozusagen mehr

Von Ursula N. am .

Das ist ja eine wunderbare, Mut machende Geschichte !! Jesus und Gott die EHRE !!!

Von Karin B. am .

Ich glaube Bekehrungen dieser oder ähnlicher Art sind kein Einzelfall - nur sollten wir Christen es öfter in Betracht ziehen. Trauen wir Gott heute zu wenig zu...?


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