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Wie kann ich mit Schuld umgehen?

Tipps zum Umgang mit Schuldgefühlen und Selbstzweifeln.


Schuld, was ist das?

Schuld ist die Folge eines Verstoßes gegen gemeinschaftliche Regeln. Wer sich schuldig macht, hat eine gängige gesellschaftliche Norm oder ein Gesetz verletzt, dem er unterworfen ist. Die Schuld, die aus diesem Verstoß resultiert, führt zu einem Ungleichgewicht zwischen dem Schuldigen und der Person oder der Gruppe, die er durch sein Handeln geschädigt hat.
Um das Gleichgewicht in der belasteten Beziehung wiederherzustellen, muss der Schuldige für Ausgleich in Form einer Wiedergutmachung sorgen. Ist dieser Ausgleich dem Schaden angemessen, ist die Schuld damit beglichen.

Es gibt jedoch Schulden, die Menschen aus eigener Kraft nicht begleichen können. Das Ungleichgewicht ist zu groß, um es mit menschlichen Mitteln zu überwinden. Dies kann beispielsweise der Fall sein, wenn ein Mensch einen anderen verletzt, traumatisiert oder gar tötet. In solchen (aber auch anderen) Fällen kann der Schuldiggewordene meist keinen echten Ausgleich schaffen. Er muss die Schuld, oder zumindest einen Teil von ihr, weiterhin tragen. Wer den Tod eines anderen Menschen verschuldet hat, kann diesen nicht wieder lebendig machen oder das Leid der Angehörigen in angemessener Weise lindern. Das Ungleichgewicht bleibt bestehen und sorgt auf beiden Seiten – Opfern wie Schuldigem – für beständiges Leid.
 

Die Schuld des Bankräubers

Rudolf Szabo (Foto: ERF Medien)
Rudolf Szabo (Foto: ERF Medien)

Eine solche Schuld hat Rudolf Szabo auf sich geladen. Während einer wirtschaftlichen Krise geriet seine Baufirma in eine finanzielle Schieflage. Innerhalb von drei Monaten sollte er seiner Bank einen sechsstelligen Schuldenbetrag zurückzahlen. Im gleichen Zeitraum verließ ihn seine Frau und drohte ihm, er werde seine fünf Kinder nicht mehr wiedersehen, wenn er keine Alimente zahle. Rudolf Szabo war wütend und fühlte sich von den Banken ungerecht behandelt. Also beschloss er, sich das Geld wieder von ihnen zurückzuholen: Im Zeitraum von zwei Jahren überfiel er sieben Banken. Er rechtfertigte sich damit, dass die Banken an seiner Misere schuld wären. Auf diese Weise gelang es ihm, jedes Mitgefühl für seine Opfer auszuschalten. Das Leid, das er verursachte, interessierte ihn nicht.

Bei einem der Überfälle geriet er an eine Familie mit zwei kleinen Kindern. Rudolf Szabo hielt dem fünfjährigen Mädchen seine Waffe an den Kopf und zwang dessen Vater, den Filialleiter, auf diese Weise zur Herausgabe des Geldes. Nach seiner Festnahme wurde er vor Gericht mit der Aussage des Vaters konfrontiert, der mit zitternder Stimme das Leid seiner schwer traumatisierten Familie schilderte. Ihm wurde klar: „Für diese vier Minuten Raubüberfall hast du das Leben dieser Menschen über Jahre fast zerstört.“
 

Die Schuld nicht bei den anderen suchen

Das kleine Mädchen benötigte mehrere Jahre therapeutischen Beistand und hatte große Schwierigkeiten, wieder ins Leben zurückzufinden. Die Essstörung, die es kurz nach dem Überfall entwickelte, begleitete es bis ins Erwachsenenalter. Rudolf Szabo fühlte tiefe Reue für das Leid, das er den Kindern und ihren Eltern zugefügt hatte. Hinzu kam, dass seine eigenen Kinder in der Schule gemobbt wurden, weil ihr Vater im Gefängnis saß. Er trug auch die Schuld an ihrem Leid und konnte sie nicht davor schützen. „Als ich aus der Untersuchungshaft rauskam, war ich psychisch fix und fertig.“

In der Haft erhielt Rudolf Szabo Beistand von einem Gefängnisseelsorger und einer Therapeutin. Er lernte, seine aggressive Verhaltensweise zu hinterfragen, und spürte den Wunsch nach Veränderung. Weil ihn seine Schuldgefühle quälten, wandte er sich noch aus der Haft heraus per Brief an seine Opfer, um sich zu entschuldigen. Die meisten antworteten nicht, andere warfen ihm vor, er habe ihr Leben zerstört. Der Seelsorger und die Therapeutin hielten Rudolf Szabo vor Augen, dass er die Verantwortung für sein Handeln übernehmen müsse, anstatt die Schuld immer bei anderen zu suchen, etwa den Banken oder seinem gewalttätigen Vater. „In der Bibel steht drin: Was du säst, wirst du ernten“, sagte sein Seelsorger. „Und das ist bei dir auch passiert: Du hast Gewalt gesät und jetzt hast du die Staatsgewalt geerntet.“ Er ermutigte ihn, Gutes zu säen, um irgendwann auch Gutes zu ernten. Auf diese Weise kam Rudolf Szabo in Kontakt mit der Botschaft der Bibel, die ihm bis dahin nichts bedeutet hatte.
 

Ein Opfer als Wiedergutmachung

Im christlichen Kontext werden menschliche Normen und Gesetze, die Schuld definieren, durch eine weitere Instanz, die noch darüber steht, ergänzt: Gott. Gott als oberste moralische Instanz definiert die Regeln für das menschliche Zusammenleben. Menschen sind demnach nicht nur für ihr eigenes Handeln gegenüber ihren Mitmenschen verantwortlich, sondern auch für ihr Handeln gegenüber Gott. Wer einem lebenden Wesen Schaden zufügt, macht sich damit gleichzeitig gegenüber dem Mitmenschen und dem Schöpfer diese Mitmenschen schuldig – Gott. Da es Menschen nicht möglich ist, völlig schuldfrei zu leben, führen sie zwangsläufig ein Ungleichgewicht zwischen sich und Gott herbei. Mit menschlichen Mitteln aber können sie dieses Ungleichgewicht nicht beheben, d.h. sie können sich aus eigener Kraft nicht von ihrer Schuld gegenüber Gott befreien.

Zu Zeiten des Alten Testaments verlangte Gott symbolische Opfergaben, bevor er bereit war, Menschen ihre Schuld zu erlassen. Diese Opfer waren eine Art erzieherische Maßnahme: Der Mensch sollte etwas entbehren, um sich darauf zu besinnen, sich künftig an die geltenden Gottesgesetze zu halten. Dies führte jedoch nicht zum erwünschten Erfolg: Das Ungleichgewicht zwischen Gott und den Menschen blieb bestehen, da diese sich immer wieder schuldig machten. Die Opfer reichten nicht aus. Da dieses Ungleichgewicht zwischen Gott und Mensch für letzteren den Tod und damit ewiges Getrenntsein von Gott bedeutet, sorgte Gott daher für eine neue Art von Opfer. Er selbst nahm die Gestalt eines Menschen an und gab sein Leben stellvertretend als Opfer für die Schuld der Menschen.
 

Wohin mit meiner Schuld?

Wenn du deine Schuldgefühle nicht loswirst und die Schuld nicht wiedergutmachen kannst, wende dich an Gott. Er bietet dir an, deine Schuld ein für alle Mal an ihn abzugeben. Übernimm Verantwortung und stell dich den Auswirkungen deines Handelns. Bitte Gott um Vergebung. Er wird sie dir gewähren. Die Schuldgefühle werden mit der Zeit verschwinden.
Mit seinem Opfer hat Gott die Schuld jedes Menschen bereits beglichen. Das Annehmen dieser Vergebung bleibt nicht ohne Folgen. War es für den Menschen zuvor aufgrund der Schuld nicht möglich, die Schieflage zwischen ihm und Gott zu überwinden, ist nun eine Beziehung möglich, die zu innerer Heilung von den Schuldgefühlen führt.

Rudolf Szabo hatte zwar begonnen, an Gott zu glauben. Doch auch nach seiner Haftentlassung blieben die quälenden Gefühle an ihm haften und er fragte sich: „Wohin mit meiner Schuld?“. Er engagierte sich inzwischen als Sozialarbeiter für strafffällig gewordene Jugendliche. Gegenüber einem Kollegen, einem ausgebildeten Jugendpastor, offenbarte er sich: „Ich kann mir nicht verzeihen, was ich diesen kleinen Kindern und meinen anderen Opfern angetan habe!“ Er wusste nicht, wohin mit seiner Schuld.

Sein Kollege hatte eine ungewöhnliche Idee: Er lud Rudolf Szabo ein, mit ihm meditativ den Kreuzweg zu gehen. Er wollte mit ihm bei einer gemeinsamen Gedankenreise zusammen mit Jesus den Weg zur Hinrichtungsstätte Golgatha gehen, wo Jesus für die Schuld der Menschheit ans Kreuz geschlagen worden war. Rudolf Szabo willigte ein. Die Erfahrung veränderte ihn noch einmal von Grund auf. Während der Meditation sah er sich als einen der beiden Verbrecher, die mit Jesus zusammen hingerichtet worden waren. Während der eine Verbrecher Jesus verspottete, er könne sich als Sohn Gottes doch selbst retten, sprach Rudolf Szabo mit der Stimme des anderen Verbrechers: „Von uns dreien sind wir beide zusammen die Schuldigen!“ Daraufhin hörte er Jesus sagen: „Wenn ihr mir nachfolgt, werdet ihr mit mir am Abend im Paradies sein.“ In diesem Moment spürte er, wie die Last seiner Schuld ihn verließ und er wirklich frei wurde.


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