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Befreite Dankbarkeit (2)

Gott danken für Unrecht und Not?


Es gibt eine ganze Menge Gründe, warum Menschen Gott dankbar sind. Das ist im Grunde genommen auch die völlig logische Haltung, mit der ich als Mensch auf all das Gute reagiere, das Gott mir schenkt. Jeden Tag aufs Neue. Dabei fällt auf: In der Bibel bezieht sich der Dank an Gott tatsächlich auf das Gute, das er uns Menschen tut.

Davon war im ersten Teil dieses Artikels die Rede. Doch was ist mit Bösem, das ich erlebe? Oder mit erlittenem Unrecht? Manchmal heißt es ja, wir sollen Gott für alles danken. Also auch dafür? Ich meine nein. Und darum geht es jetzt hier im zweiten Teil.
 

Gott – der gute Vater

Die Aussage „Dankt Gott für alles!“ steht so nur in dem Brief, den der Gemeindegründer Paulus im ersten Jahrhundert an die Christen im Großraum Ephesus geschrieben hat. Aber der Satz ist so gar nicht vollständig. Tatsächlich heißt es:

Dankt Gott, dem Vater, zu jeder Zeit für alles im Namen unseres Herrn Jesus Christus. (Epheserbrief 5,20).

 

Dadurch wird eines sehr klar: In seinem Aufruf im Epheserbrief betont Paulus noch einmal ganz deutlich, dass es ihm hier um die Güte Gottes geht. Denn er fügt ausdrücklich an: „Dankt Gott, dem Vater“. Wem gilt der Dank? Gott, dem Vater. Und wenn in der Bibel von Gott als dem Vater im Himmel gesprochen wird, liegt die Betonung immer darauf, das Gott Gutes gibt.

Jesus hat das so formuliert:

Wer von euch würde seinem Kind einen Stein geben, wenn es um Brot bittet? Oder eine Schlange, wenn es um Fisch bittet? So schlecht ihr auch seid, ihr wisst doch, was euren Kindern gut tut, und gebt es ihnen. Wie viel mehr wird euer Vater im Himmel denen Gutes geben, die ihn darum bitten. (Matthäus 7,9-11).

 

Mit dem Hinweis, dass Gott der gute Vater im Himmel ist, macht Paulus meines Erachtens schon sehr deutlich, dass er nicht im Sinn hat, seine Mitchristen dazu aufzurufen, Gott auch für erlittenes Unrecht oder Böses zu danken. Wenn er ihnen also schreibt: „Dankt Gott, dem Vater … für alles.“, dann meint der Apostel mit diesem „für alles“ natürlich alles Gute, das der Vater im Himmel ihnen gibt.

In meiner Zeit als Gemeindepastor hatte ich auch immer wieder Teenager im Biblischen Unterricht. So heißt der Konfirmandenunterricht in unserer Freikirche. Als wir uns mit dem Vater-Unser beschäftigen, gebe ich den Teenies folgende Hausaufgabe: „Schreibt bitte einmal auf, wie ihr Euch einen guten Vater vorstellt.“ Ein Mädchen schreibt: ein guter Vater schimpft nicht viel.

So klingt das auch bei Jakobus, dem Bruder von Jesus:

Wenn es jemandem von euch an Weisheit mangelt zu entscheiden, was in einer bestimmten Angelegenheit zu tun ist, soll er Gott darum bitten, und Gott wird sie ihm geben. Ihr wisst doch, dass er niemandem sein Unvermögen vorwirft und dass er jeden reich beschenkt (Jakobus 1,5).

 

Jakobus betont: Gott macht uns keine Vorwürfe, wenn wir seine Hilfe brauchen. Er gibt jedem von Herzen gerne. Weil er ein guter Vater ist. Ein paar Sätze später vertieft Jakobus das noch einmal: „Denn Gott kann nicht zum Bösen verführt werden.“ (Jakobus 1,13) Das heißt, Gott tut nichts Böses.

Und ich meine, aus diesem Grund muss auch niemand Gott für das Böse danken, das er erleiden muss. Und noch einmal Jakobus: „Alles, was Gott uns gibt, ist gut und vollkommen. Er, der Vater des Lichts, ändert sich nicht; niemals wechseln bei ihm Licht und Finsternis“ (Jakobus 1,17).

Was Gott uns schenkt, ist gut. In Gott gibt es keine Finsternis, denn er ist Licht (1. Johannes 1,5). D.h.: Gott ist gut. In ihm gibt es nichts Böses.
 

Wofür ich Gott nicht danken muss – und auch gar nicht soll

Nun erleben Menschen aber auch Schlimmes, Leid und Unrecht. Das weiß Paulus auch. Er beschreibt einmal, was er selbst alles erleiden musste. Er wurde ins Gefängnis geworfen, dort geprügelt und gefoltert, Mordanschlägen entging er nur mit knapper Not. Er musste Todesangst ertragen, wurde verraten. Und er litt in Kälte, an Hunger und Durst (2. Korinther 11,23-27).

Und es gibt keinen einzigen Hinweis darauf, dass Paulus selbst jemals für die Nöte und Schwierigkeiten gedankt hat. Nein, das tut er nicht. Aber er weiß: auch in der Not hält Gott mich fest. Und kein Unrecht kann mich von ihm und seiner Liebe trennen (Römer 8,36-39).

Deshalb meine ich, Sie und ich, wir müssen Gott nicht für das Böse danken, das wir erlitten haben. Aber von Paulus können wir lernen, dass wir Gott auch noch in den Nöten danken. Nicht für die Not, aber dafür, dass Gott uns darin nicht alleine lässt.

 

Und dass er dafür sorgen wird, dass die Nöte eines Tages zu Ende sein werden. Und er uns vollständig heil machen wird.

Als Paulus zusammen mit Silas in der griechischen Stadt Philippi zu Unrecht verhaftet und mit Stockschlägen gequält wird, da beten die beiden um Mitternacht. Und sie loben Gott mit Liedern (Apostelgeschichte 16,25). Denn sie wissen: all dieses Leid ändert nichts daran, dass Gott auf unserer Seite ist. Und sie werden in dieser Situation nur so lange bleiben, wie er das will. Deshalb loben sie ihn auch, weil er der Herr ist über alles. Und auch das furchtbare Unrecht, das sie jetzt erleben, wird er gerecht richten.

Deshalb schreibt Paulus seinen Mitchristen in Ephesus: „Dankt Gott, dem Vater, zu jeder Zeit…“. Zu jeder Zeit: Auch in Zeiten der Not können wir Gott noch danken, für all das Gute, das wir noch erfahren werden. Für seine Liebe zu uns, die auch jetzt nicht aufhört. Und dass er dem Leid ein Ende machen wird. Wann auch immer das sein wird. Aber Gott wird es beenden. Das ist absolut sicher. Doch das heißt nicht, dass ich Gott für die Not und für das Unrecht danken soll.

Sicher, Gott kann selbst noch die Not für uns zum Guten wenden (Römer 8,28). Aber für das Böse selbst muss ich nicht danken. Das finde ich befreiend. Und so kann ich auch Gott froh und ehrlich für alles danken, was er mir Gutes tut. Und schon getan hat. Und was er alles noch an Gutem für mich bereit hält in der Zukunft, die auf mich wartet. Meine Zukunft bei ihm, bei dem lebendigen Gott, bei dem guten Vater.

Hier gelangen Sie zum ersten Teil des Artikels.


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Ihr Kommentar

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Kommentare

Von Steffen Brack, Redaktion Theologie am .

Sehr gerne.

Von Stefan am .

Vielen Dank für die schnelle und ermutigende und ausführliche Antwort auf meine Zweifel!

Von Steffen Brack, Redaktion am .

Fortsetzung:
So wird es zum Beispiel hier im NT ausgedrückt: „Treu ist aber der Herr, der euch stärken und vor dem Bösen bewahren wird.“ (2Thess 3,3) „Der Herr wird mich retten von jedem bösen Werk und mich in sein himmlisches Reich hineinretten. (2Tim 4,18) „… der Herr weiß die Gottseligen aus der Versuchung zu retten“ (2Petr 2,9). Gott versucht Menschen nicht: „Niemand sage, wenn er versucht wird: Ich werde von Gott versucht. Denn Gott kann nicht versucht werden vom Bösen, und er selbst mehr

Von Steffen Brack, Redaktion am .

Hallo Stefan,
in der Tat kommen im Zusammenhang mit den Versuchungen und der entsprechenden Bitte im Vaterunser so manche Fragen auf.
Der Wortlaut der Lutherübersetzung bei der vorletzten Bitte des Vaterunsers ist durchaus missverständlich. Klarer ist es, diese Zeile im Deutschen so wiederzugeben: „Und bringe uns nicht in eine Versuchung hinein, sondern rette uns vor dem Bösen.“ (Mt 6, 13) Das trifft die griechische Formulierung des ursprünglichen Textes wesentlich genauer und deutet schon mehr

Von Stefan am .

Alles sehr gut nachvollziehbar und hilfreich.
Aber wie gehe ich mit der Bitte im "Vater unser" um: "Und führe uns nicht in Versuchung"?
Gibt es also doch eine andere, nicht gute, Seite von Gott dem Vater?
Wie gerne würde ich hier hoffnungsvoll beten wollen: " Und führe (oder helfe) uns in der Versuchung"
Vor der Versuchung, in die Gott mich führt, habe ich Angst! Versagensangst, Prüfungsangst... an all das werde erinnert bzw. mit dem werde ich konfrontiert.

Von Gertrud-Linde W. am .

gerade diese Tage kann ich bei aktueller Ungerechtigkeit diesen Zuspruch und die Auslegung der entspr. Bibelworte sehr gut gebrauchen - = gefügte Hilfe.


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